Feuerwehr im Hauptamt Hauptamtliche Hilfe für das Ehrenamt Feuerwehr

Die Abschlussübung für einen Grundausbildungslehrgang der Feuerwehr vor dem alten Rathaus Kleinsachsenheim im November. „Viele kommen zur Feuerwehr, um Feuerwehr-Dienste zu leisten“, sagt Kreisbrandmeister Andy Dorroch, nicht, um sich um Geräte oder Verwaltungsaufgaben zu kümmern.
Die Abschlussübung für einen Grundausbildungslehrgang der Feuerwehr vor dem alten Rathaus Kleinsachsenheim im November. „Viele kommen zur Feuerwehr, um Feuerwehr-Dienste zu leisten“, sagt Kreisbrandmeister Andy Dorroch, nicht, um sich um Geräte oder Verwaltungsaufgaben zu kümmern. © Foto: Martin Kalb
Markgröningen / Mathias Schmid 13.03.2018

Sachsenheim hat ihn, Kornwestheim bekommt ihn: den hauptamtlichen Feuerwehrkommandanten. Andere Städte setzen auf festangestellte Gerätewarte, wie die Stadt Markgröningen bereits seit 1997. Doch auch hier betont die Feuerwehr: Die 50-Prozent-Stelle reiche nicht mehr aus. Woher kommt der gestiegene Bedarf und ist er sinnvoll?

Die Stadt hat schon vor mehr als 20 Jahren einen Gerätewart in 50 Prozent Teilzeit eingestellt. Aktuell hat die Feuerwehr einen Antrag auf 100 Prozent gestellt. „Aus Feuerwehr-Sicht reicht die 50-Prozent-stelle nicht mehr“, erklärt Kommandant Hans-Hermann Kefer auf BZ-Nachfrage. Ein weiteres Problem: „Das Interesse an Teilzeitstellen ist dünn gesät.“ Zwar seien aktuell schon Bewerbungen eingegangen, aber oft seien die Anwärter bereits im einem 100-Prozent-Beschäftigungsverhältnis in einer anderen Branche und wollen den Job zusätzlich.“

Kefer hält die Erhöhung auf 100 Prozent für sinnvoll, vielleicht auch finanziell. „Der bisherige Geräteverwalter hat viele Wartungen extern vergeben.“ Derzeit prüfe die Stadt, ob ein Vollzeitstelle und dafür mehr Eigenleistung sogar kostengünstiger sei.

Egal, ob Kommandent oder Gerätewart. Das Prinzip ist immer dasselbe: Das Ehrenamt Feuerwehr sollen durch eine hauptamtliche Stelle bei der Stadtverwaltung gestützt werden. Diesen Trend sieht auch Andy Dorroch, Kreisbrandmeister des Landkreises Ludwigsburg.

„Wir leben in einer Vollkasko-Gesellschaft“, nennt Dorroch den aus seiner Sicht Hauptgrund für die fortschreitende Professionalisierung der Strukturen – und nicht etwa die Zunahmen der Aufgaben an sich: „Die Anforderungen heute sind schon anders. Es herrscht eine hohe Sensibilität dafür, dass Prüfungen durchgeführt werden müssen. Wenn ein Gerät nicht geprüft ist, ist der Kommandant und letztlich die Gemeinde haftbar. Die Gesellschaft ändert sich schon. Es muss immer einen Schuldigen geben.“

Das solle nicht heißen, dass früher nicht ausreichend nach den Geräten geschaut wurde. Aber: „Es muss alles dokumentiert werden, das ist viel Arbeit.“ Dafür fänden sich immer weniger Freiwillige, die diese Aufgaben  im Ehrenamt ausfüllen möchten. Hinzu komme, dass die Aufgaben eines Gerätewarts für viele nicht sonderlich attraktiv seien.

Dafür, ob sich eine Kommune nun für hauptamtliche Unterstützung der Feuerwehr entscheidet oder nicht, gebe es „kein pauschales richtig oder falsch“, betont Dorroch. „Klar, kostet das Geld. Aber man kauft heute auch teures Gerät und das will nun mal gewartet werden.“

Auch Bietigheim-Bissingen fährt das Modell der hauptamtlichen Gerätewarte: Uwe Rodlberger und Roland Schrenk besetzen hier zwei Vollzeitstellen. Laut Stadtsprecherin Anette Hochmuth funktioniert das Modell derzeit gut. „Bis jetzt steht die Ehrenamtlichkeit im Vordergrund. Und wir sind zufrieden mit unserem Kommandanten.“ Doch dieser, Frank Wallesch, warnt auch vor der Zukunft. Denn aktuell funktioniere das System aus zwei Gründen: Wegen dem hohen Maß an Flexibilität, die ihm sein Arbeitgeber zugestehe und wegen der vier ehrenamtlichen Gerätewarte, die ihre hauptamtlichen Kollegen unterstützen. „Wenn die Freiwilligen nicht mitmachen, reicht die Manpower nicht aus.“ Die Konstellation, dass eine Stadt mit 45 000 Einwohnern noch einen ehrenamtlichen Kommandanten hat, finde man nur noch selten. „Über kurz oder lang muss man darüber nachdenken, dem Sachsenheimer Modell zu folgen“, betont er. Die Nachbarstadt hat ab April mit Philipp Rousta erstmals einen hauptamtlichen Kommandanten.

In Bönnigheim ist es seit 2013 üblich, dass die Geräte von einem Mitarbeiter des Bauhofs gewartet werden. Das Besondere daran: Es handelt sich um Mike Etzel, den neuen Kommandanten der Wehr, der nach eigenen Angaben etwa zwölf Stunden seiner wöchentlichen Arbeitszeit auf die Überprüfung, Instandsetzung und Dokumentation von Atemschutzgeräten, Funkausrüstung, Leitern und Hydraulikgeräten verwendet.

Bis zum Jahr 2013 hatten sich noch die Feuerwehrleute im Ehrenamt darum gekümmert, abends oder am Wochenende, berichtet Etzel. Doch der Aufwand für die Prüfung und die Dokumentation sei immer weiter gestiegen. Etzel ist sich daher sicher: Die hauptamtliche Verantwortung „wird noch in mehr Gemeinden kommen“.

Die Aufgaben eines Gerätewarts

Ein Gerätewart muss „sicherstellen, dass die Geräte turnusgemäß überprüft werden, sodass sie einsatzbereit sind“, erklärt Andy Dorroch, Kreisbrandmeister. Prüfen muss er dabei nicht selbst, er kann auch Experten damit beauftragen. “Er kann aber natürlich auch Kurse belegen, um beispielsweise Schere und Spreizer selber warten zu können.

Die Position Gerätewart gebe es schon immer. „Früher waren es Zeugwarte, die für die Kutschen und Pferde der Feuerwehr verantwortlich waren“, erklärt Dorroch. Die Arbeit hat sich im Laufe der Jahre geändert: „vom Schrauber zum Koordinierer oder Geräte-Manager.“ msc

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