Schwerpunkt Schulbeginn Handys müssen aus bleiben

Wie fast an allen Schulen im Kreis müssen auch die Schüler der Ellentalgymnasien ihr Handy ausschalten, sobald sie das Schulgelände betreten. Verstöße werden sofort geahndet.
Wie fast an allen Schulen im Kreis müssen auch die Schüler der Ellentalgymnasien ihr Handy ausschalten, sobald sie das Schulgelände betreten. Verstöße werden sofort geahndet. © Foto: Helmut Pangerl
Kreis Ludwigsburg / Die Redaktion 08.09.2018

Frankreich macht es vor: Künftig sind Handys, Tablets und Smartwatches an allen Vorschulen, Grundschulen und weiterführenden Schulen verboten. Gymnasien können selbst wählen. Wie sieht die Situation an den Schulen im Landkreis Ludwigsburg aus?

An den Ellentalgymnasien in Bietigheim-Bissingen dürfen Smartphones zwar mitgebracht werden, doch müssen sie bei Betreten des Schulgeländes ausgeschaltet sein. So teilt es der stellvertretende Schulleiter Martin Schmidgall mit. Die Regelung wurde mit Eltern, Lehrern und Schülern gemeinsam entwickelt. Halten sich die Schüler nicht daran, bemisst die Schule die Strafe am Vergehen. „Auf jeden Fall wird der Verstoß aber im Tagebuch dokumentiert“, sagt Schmidgall. Verstöße können sein: Schüler mit nicht ausgeschaltetem Handy erwischt, Handy klingelt im Unterricht und Schüler filmt mit dem Handy unerlaubt Mitschüler oder Lehrer.

Ausnahmen dieser Regel könne der Lehrer für unterrichtliche Zwecke gestatten, sagt Schmidgall: „Zunehmend ist zu beobachten, dass in einzelnen Unterrichtseinheiten das Smartphone auch eingebunden wird.“ Als Beispiel nennt er Beschleunigungsmessung im Physikunterricht oder Wörterbücher im Sprachunterricht. Schmidgall sagt jedoch auch, dass es wichtig sei, die Entwicklungen diesbezüglich weiter kritisch im Auge zu behalten und „einen möglichst guten Weg zu finden, moderne Medien, wo es sinnvoll erscheint, gewinnbringend einzusetzen.“ Nicht aber ohne Rücksicht auf den Schutz der Persönlichkeit.

Das Berufliche Schulzentrum handhabt es ebenfalls wie die Ellentalgymnasien. „Wir haben seit vielen Jahren ein Handyverbot“, sagt Schulleiter Stefan Ranzinger. Allerdings gibt es Ausnahmen davon: Auf dem Pausenhof, in der Mediathek, im Schüleraufenthaltsraum und seit Neuestem in der Aula. Erst Ende des vergangenen Schuljahres wurde die Aula aus der „Verbotszone“ herausgenommen. Bei der Kontrolle des Verbots ist die Schule streng: Selbst das Tragen des Smartphones zähle bereits als Nutzung. Bestrafungen reichen von einem Eintrag ins Tagebuch, über die Konfiszierung des Geräts für den Rest des Tages, einem Brief an die Eltern oder die Betriebe und wer häufiger dagegen verstößt, muss beim Schulleiter antanzen. „Das ist fünfmal im Jahr passiert“, sagt Ranzinger. Die Schule halte das Verbot für wichtig: „Die Schüler haben genügend Möglichkeiten, ihr Smartphone privat zu nutzen“, betont der Schulleiter.

Für die Schulleiter der Realschule Bissingen und der Grundschule Schillerschule ist noch ein weiterer Aspekt wichtig, warum an ihren Schulen Handyverbot gilt. „Der Hauptgrund ist, dass wir alle Schüler vor persönlichem Bildmaterial aus der Schule in den sozialen Medien schützen wollen“, sagt Realschulleiter Hanspeter Diehl, „außerdem wollen wir in den Pausen die Kommunikation der Jugendlichen untereinander stärken.“ Auch die Rektorin der Schillerschule Alexandra von Ostrowski sagt, dass die Schule die Kinder vor Mobbing schützen möchte. Deswegen haben sich die Eltern an die Schule gewandt, um die bereits bestehende Regelung auch offiziell in die Schulordnung zu übernehmen. Das Handyverbot ist ab diesem Schuljahr in der Schulordnung verankert. Um die Kinder gar nicht erst in Versuchung zu bringen, werden Smartphones auch nicht im Unterricht verwendet, sondern nur die schuleigenen Tablets.

„Generell gilt ein Handyverbot an der Schule während der allgemeinen Unterrichtszeiten“, sagt der stellvertretende Schulleiter des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums, Helmut Dinkel. Zwar werde es auch für den Unterricht genutzt, wichtig sei, dass für Schüler, die keines mit an die Schule nehmen, keinen Nachteil gebe. „Kursstufenschüler haben das Privileg, an ausgewiesenen Orten und Räumen das Handy zu gebrauchen“, sagt er. Zudem erhalten sie Zugang zum W-Lan-Netz der Schule. „Bei missbräuchlicher Nutzung folgt ein Entzug des Zugangs“, betont Dinkel.

„Auf dem gesamten Schulcampus gilt ein Handyverbot“, sagt Rektor Mirko Samietz von der Sophie-La-Roche-Realschule in Bönnigheim. Damit betrifft die Regelung auch das Alfred-Amann-Gymnasium und die Ganerbenschule. „Wir wollen einfach nicht, dass die Schüler das Handy in der Pause benutzen, um Nachrichten oder Videos zu schicken“, sagt Samietz. Vereinzelt könne es im Unterricht unter strengen Regularien erlaubt sein, aber das liege in der Verantwortung der Lehrer. Samietz gibt zu, dass es immer wieder auch Diskussionen gibt, ob das totale Verbot richtig sei, insbesondere manche Eltern würden sich daran stören. Trotz des Verbots nehme die Schule den pädagogischen Auftrag über den Umgang mit Neuen Medien zu informieren ernst. So gebe es unter anderem mit externen Partnern Veranstaltungen, die den Umgang mit Whatsapp und Co. thematisierten. Da seien auch die Eltern eingebunden, so Samietz.

Im Christoph-Schrempf-­Gymnasium in Besigheim ist, so sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Bühner, der Gebrauch von Handys im Schulgebäude verboten. Außer, formuliert er die Ausnahmen, wenn die Lehrer das Handy als Handwerkszeug zuließen. Das werde, so Bühner, immer mehr gemacht, er selbst lasse es im Geschichtsunterricht für die Recherche zu, auch in Französisch würde mit dem Handy die Aussprache überprüft. Für den Physik- und Matheunterricht gebe es „sehr gute Apps“. Die Handybenutzung ist aber für die Schüler freiwillig, denn im Christoph-Schrempf-Gymnasium gibt es kein W-Lan und die Gebühren müssen privat bezahlet werden. „Deshalb ist unser sehnlichster Wunsch kostenloses W-Lan“, sagt der Lehrer.

Die Sekretärin Carola Richter von der Friedrich-Schelling-­Gemeinschaftsschule in Besigheim verkündigt: „Das Handy unserer Schüler muss während der Schulzeit ausgeschaltet sein.“ 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel