Gericht Handy-Daten bringen Gericht kaum weiter

bz 30.11.2016

Die sechs Wochen, die die 7. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht bis jetzt gegen zwei mutmaßliche Serien-Wohnungseinbrecher aus Korntal-Münchingen verhandelt hat, haben bislang wenig handfeste Beweise erbracht. Erst mussten die Richter in der vergangenen Woche die Einbruchsvorwürfe gegen den einen Angeklagten wegfallen lassen. Er hatte seine Beteiligung aufs heftigste bestritten. Sein mutmaßlicher, 24-jähriger Komplize könnte nun ebenfalls glimpflich aus der Anklage heraus kommen. Gegen ihn verhandelt die Strafkammer jetzt allein weiter.

Einen Tatbeweis hoffen Gericht und Staatsanwalt durch die Auswertung der Handy-Daten zu gewinnen. Hier jedoch stoßen die Juristen auf technische Grenzen. Bei den nächtlichen Einbrüchen in Einfamilienhäuser- und Wohnungen in Korntal-Münchingen, in Kornwestheim, Bietigheim-Bissingen und Vaihingen mit nahezu 100 000 Euro Beute sollen sich die beiden Männer auch über ihre Handys unterhalten und tatbezogen abgesprochen haben. Derartige Gespräche hat die Polizei im Zuge der Telefonüberwachung festgehalten. Aber welche Taten? Es fehlen meist die Standortbestimmungen.

Tatbezogene Daten

Hierzu haben die Richter Spezialisten der Polizei in den Zeugenstand gebeten. Am inzwischen siebten Prozesstag wurden die Juristen von einem solchen Spezialisten erst einmal darüber  aufgeklärt, wie weit Funkmasten ab­strahlen und in welche Richtung die Signale senden. Nun wird versucht herauszufinden, wo sich der Angeklagte mit seinem Handy zum Beispiel in der Nacht zum 24. Oktober letzten Jahres einbuchte, als in Vaihingen gerade eine ganze Einbruchserie stattfand. Der Angeklagte war in einem Umkreis von drei Kilometern. Ob dies als Beweis seiner Täterschaft reicht, ist unklar. Oder in der Nacht zum 17. Dezember letzten Jahres in Korntal-Münchingen und in Kornwestheim: Neun Einbrüche wurden in jener Nacht dort gemeldet. Schaden allein in dieser Nacht: 46.000 Euro. Das Handy des Angeklagten befand sich 500 Meter entfernt in der Pflugfelder Straße. Beweis? Unklar, denn der 24-Jährige wohnte auch in Korntal-Münchingen.

Die Justiz tut sich derzeit recht schwer, mittels technisch-mathematischer Beweismittel zu Entscheidungen zu kommen. Am Ende könnte der 24-Jährige, ebenso wie sein bereits entlasteter Komplize, glimpflich aus der Sache herauskommen. Dann wären zahlreiche Einbrüche ungeklärt. Es sind nun noch Prozesstage bis 22. Dezember terminiert.