Konjunkturdaten Handwerk: Weniger Betriebe trotz glänzender Geschäfte

Qualifiziertes Können gehört auch bei den Fliesen-, Platten- und Mosaikleger zum Handwerk, auch wenn kein Meisterbrief vorgelegt werden muss.
Qualifiziertes Können gehört auch bei den Fliesen-, Platten- und Mosaikleger zum Handwerk, auch wenn kein Meisterbrief vorgelegt werden muss. © Foto: Handwerkskammer
bz 14.03.2018

In der Region Stuttgart gibt es im Handwerk immer weniger Meisterbetriebe. Das geht aus der Jahreserhebung der Handwerkskammer hervor. Danach erhöhte sich der Bestand an zulassungsfreien Unternehmen um 1,7 Prozent. Insgesamt waren zum Jahresende 2017 29 023 Handwerksbetriebe bei der Handwerkskammer in Stuttgart eingetragen. Ein Jahr zuvor lag der Gesamtbestand bei 29 199, das entspricht einem Rückgang von 0,6 Prozent. Im Landkreis Ludwigsburg waren es 5649 Betriebe (minus 0,2 Prozent).

Die sogenannten meisterpflichtigen Handwerke wiesen Ende 2017 einen Bestand von 17 609 Betrieben auf. Innerhalb der Gewerbegruppen wurden dabei mehr Betriebe ab- als angemeldet, das Minus liegt bei 1,4 Prozent.  „Eigentlich eine paradoxe Situation: Die Bau- und Ausbaubranche boomt, die Wartezeiten auf qualifizierte Handwerker sind erheblich, es gibt mehr als genügend zu tun, dennoch geht der Betriebsbestand im Handwerk zurück“, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Hoefling. „Wir haben nahezu Vollbeschäftigung, was aber die Attraktivität einer Selbstständigkeit im Handwerk, egal ob durch Gründung oder Übernahme eines Betriebs, dämpft.“

Trend zur Größe

Der Kammerchef kann allerdings der Hochkonjunktur auch Positives abgewinnen: „Wer sich jetzt selbstständig macht, der tut das nicht aus der Not heraus, sondern weil eine Geschäftsidee dahinter steht, die hoffentlich trägt.“ Hinzu komme der bereits seit längerem zu beobachtende Trend zu größeren Betrieben mit mehreren Filialen, insbesondere im Lebensmittelhandwerk. In anderen Gewerken führten technologische Entwicklungen und auch Rationalisierungen zu sinkenden Betriebszahlen.

Die Gruppe der Elektro- und Metallhandwerke sowie die Bau- und Ausbauhandwerke waren mit je 81 sowie 76 Betrieben vom Bestandsverlust am stärksten betroffen. Bei den Neueintragungen konnten 80 Prozent der Gründer einen Meisterbrief,  ein Techniker- oder ein Ingenieurdiplom vorweisen. Bei den handwerksähnlichen Gewerben war  2017 wie in den Vorjahren ein Rückgang um 50 Betriebe auf 4798 Betriebe zu verzeichnen. Vom Verlust waren die Bau- und Ausbaugewerbe und die Holzgewerbe mit 28 sowie 34 Betrieben am stärksten betroffen.

Im Bereich der zulassungsfreien Handwerke gab es ein Plus von 112 Betrieben, insgesamt sind 6616 Betriebe registriert. Zuwächse gab es bei den Fliesenlegern  mit 30 und bei den Gebäudereinigern mit 13 Betrieben. Ungebrochen scheint der Gründungswille bei den Fotografen zu sein. 137 Neugründungen standen 64 Aufgaben gegenüber.

Mit Sorge betrachtet der Kammerchef Hoefling den Rückgang der Qualifikation bei den handwerksähnlichen und zulassungsfreien Gewerben. „Da es keine vorgeschriebene Notwendigkeit für eine Qualifikation gibt, haben hier die meisten Gründer weder eine Meister- noch eine Gesellenprüfung.“

Meister oder kein Meister

Kategorien In Deutschland ist die Zugehörigkeit zum Handwerk nicht über die Betriebsgröße oder den Umsatz geregelt, sondern gesetzlich. Die Handwerksordnung legt fest, welche Berufe zum Handwerk zählen. Der Gesetzgeber fordert etwa eine Meisterprüfung für Berufe, die „gefahrgeneigt“ sind und eine besondere Ausbildungsleistung erbringen. (Zimmerer, Dachdecker, Metallbauer, Klempner, Elektrotechniker, Bäcker, Friseure). Darüber hinaus gibt es  Handwerke, in denen eine Meisterprüfung freiwillig abgelegt werden kann.  (Estrichleger, Galvaniseure, Gold- und Silberschmiede, Holzbildhauer, Kürschner, Raumausstatter, Gebäudereiniger). Zum „handwerksähnliche Gewerbe“ gehören unter anderem Bodenleger, Betonbohrer und –schneider, Rohr- und Kanalreiniger, Metallschleifer, Änderungsschneider,  Schnellreiniger und Bestatter. bz

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