Gericht Handfester Streit wegen einem Euro

Ludwigsburg / Heike Rommel 14.01.2019

Vor dem Ludwigsburger Schöffengericht ist ein Prozess wegen räuberischen Diebstahls angelaufen, bei dem es jede Menge Zuschauer gab. Der vermeintliche Dieb soll sich während der Verfolgungsjagd mit dem Ladendetektiv beinahe eine Schlägerei geliefert haben und zweimal vor Leuten am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) gestürzt sein. Das Gericht wartet noch auf die Aufnahme aus dem Innenbereich des Ladens.

Auf dem Anklagestuhl sitzt ein 52-jähriger Deutscher aus Möglingen, der mehrfach wegen Vermögensdelikten vorbestraft ist und auch schon wegen Vergewaltigung mehrere Jahre im Gefängnis saß. Nach der Entlassung kam er wegen eines erneuten Vergewaltigungsversuchs in Sicherungsverwahrung. Die letzte Vorstrafe stammt aus dem Jahr 2006, der Mann steht bis 2022 unter Führungsaufsicht.

Räuberischer Diebstahl

Das Verbrechen des räuberischen Diebstahls soll sich wie folgt abgespielt haben: Der Angeklagte soll sich am 19. Oktober vergangenen Jahres gegen 12.45 Uhr in einem Laden am Bahnhof einen Kopfhörer im Wert von einem Euro in den Hosenbund gesteckt haben und durch die Kasse marschiert sein. Ein Ladendetektiv versuchte, den Mann zu stellen. Doch der habe sich geweigert, mit ins Büro zu kommen. Daraufhin habe der Detektiv den Armhebel angesetzt, woraus sich der Angeklagte jedoch mit einem Faustschlag befreit habe und geflüchtet sei. Am Bahnhofsplatz, so die Anklage weiter, sei der Beschuldigte über seine eigenen Füße gestolpert.

Den Diebstahl des Kopfhörers hat der Angeklagte zugegeben, alles andere bestreitet er. Nicht er habe dem Detektiv einen Schlag gegen die Schläfe versetzt, sondern anders herum. Außerdem habe ihm der Detektiv das T-Shirt und die Jacke zerrissen. Das hätten bestimmt 150 Leute gesehen, die am ZOB herum standen.

Der Ladendetektiv berichtet vor dem Schöffengericht: Nachdem der Angeklagte zum zweiten Mal hingefallen sei, habe er ihm den Kopfhörer aus dem Hosenbund gezogen und den Mann ins Büro geführt. Dorthin kam dann auch die Polizei. Einer der Beamten hat sich das Video aus dem Laden zeigen lassen. Dieses befindet sich aktuell bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Ohne das Video fällen Richterin, Andrea Henrich, sowie die zwei Schöffen kein Urteil. Der Prozess wird am 25. Januar, 11 Uhr, fortgesetzt.

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