Schwerpunkt Frankreich Hand in Hand mit dem Nachbarn

DFI-Direktor Frank Baasner (links) hat im Juni  die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes und Nicolas Eybalin, Generalkonsul Frankreichs in Baden-Württemberg und Leiter des Institut francais in Stuttgart, in Ludwigsburg begrüßen können.
DFI-Direktor Frank Baasner (links) hat im Juni die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes und Nicolas Eybalin, Generalkonsul Frankreichs in Baden-Württemberg und Leiter des Institut francais in Stuttgart, in Ludwigsburg begrüßen können. © Foto: DFI
Ludwigsburg / Von Frank Ruppert 07.07.2018

Ohne die deutsch-französische Annäherung geht in Europa nichts voran, aber der Umkehrschluss gilt heute, wie man gerade sieht, nicht mehr unbedingt“, sagt Frank Baasner. Die restlichen Länder der EU folgten dem Duo nicht mehr stets. Als Direktor des in Ludwigsburg ansässigen Deutsch-Französischen Instituts (DFI) ist er Experte für die Beziehungen und den Austausch der beiden Länder.  In den Fällen, in denen es nicht gelinge, ganz Europa hinter sich zu bringen, setzten beide Staaten auch auf bilaterale Lösungen.

Auf höchster Ebene habe sich durch die Wahl Emmanuel Macrons zum Präsidenten einiges getan, sagt Baasner. Habe die deutsche Regierung bei seinen Vorgängern Sarkozy und Hollande immer auf die innenpolitischen Reformen gewartet, sei nun das Tempo, das Macron europapolitisch vorgebe, für die Deutschen etwas zu hoch. Die Zusammenarbeit klappe aber sehr gut, so Baasner. Auch persönlich funktioniere es auf der Ebene Merkel-Macron besser als bei vielen Vorgänger-Tandems.

Auch abseits der Politik sieht Baasner die deutsch-französischen Beziehungen als gefestigt an. Klar sei Frankreich mittlerweile nicht mehr Handelspartner Nummer eins für Deutschland, dafür seien China und die USA zu wichtig, aber vor allem die Zusammenarbeit etwa in der Rüstungsindustrie stimmen den DFI-Direktor positiv. Dass gemeinsam Panzer oder Kampfjets gebaut werden, sei ein gutes Zeichen für die Enge der Beziehungen.

Das DFI hat neben Politik und Wirtschaft aber auch die Gesellschaft im Blick. Der Austausch auf diesem Gebiet sei keineswegs tot, auch wenn es oft an Ehrenamtlichen fehle, die die Städtepartnerschaften mit Leben füllen. Dass das Interesse an Austausch immer noch besteht, habe eine Studie des DFI gezeigt. „Bei den Städtepartnerschaften gibt es ähnliche Probleme wie bei den Vereinen. Die starre Vereinslandschaft passt häufig nicht mehr in das Leben junger Menschen“, so Baasner. Die Lösung seien eventbezogene Projekte. So könne man auch heute noch junge Leute begeistern. Als Beispiel nennt der DFI-Direktor etwa das gemeinsame Arbeiten französischer und deutscher Jugendlicher für den guten Zweck in einem Dorf in Afrika.

Bei der Sprache tun sich allerdings Unterschiede auf. In Frankreich steige die Zahl derer, die Deutsch lernten, wohingegen in Deutschland immer weniger junge Menschen die Sprache des Nachbarn erlernten. „Aber an der Sprache scheitert die Zusammenarbeit nicht“, sagt Baasner. Er sieht auch  Feste wie den Französischen Markt in Bietigheim als Gewinn für die Freundschaft beider Länder an. So bleibe man im Austausch: „Ich wünsche mir, dass die Menschen, die regelmäßig nach Frankreich in den Urlaub fahren, das auch öffentlich kundtun und so für eine lebendige Diskussion über das Thema und Austausch beider Länder werben.“

Schon 1948 gegründet

Bereits wenige Jahre nach Kriegsende wurde 1948 das DFI gegründet. „Lange vor der berühmten Rede De Gaulles in Ludwigsburg 1962. Die Rede war also nicht Anlass zur Gründung des DFI. Das Institut war aber ein Grund, warum die Rede in Ludwigsburg stattfand“, sagt Baasner. Zu den Gründervätern zählten neben Theodor Heuss auf deutscher Seite Carlo Schmid und Fritz Schenk.

„Die Initiative ging von der Zivilgesellschaft aus. Die Franzosen rieten sogar davon ab, das Institut in ihrer Besatzungszone zu gründen, um die Unabhängigkeit zu gewährleisten“, erzählt Baasner. Das habe sie aber nicht gehindert, eine Anschubfinanzierung bereitzustellen. Heute ist das DFI ein von Bund, Land und Stadt Ludwigsburg finanziertes Forschungs-, Dokumentations- und Beratungszentrum für Frankreich und die deutsch-französischen Beziehungen. Es versteht sich als Plattform für den Dialog.

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