Die Zwischenwände im Bietigheimer Ratssaal mussten am Dienstagabend herausgenommen werden: So groß war der Andrang. Doch für die Mitglieder der örtlichen Wassersportvereine endete der Abend mit einer Enttäuschung: Das Gremium erteilte dem von ihnen erhofften Bau eines Hallenbads mit 50-Meter-Becken als Ersatz für das sanierungsbedürftige Bissinger Bad ein Absage. Stattdessen entschied sich die große Mehrheit bei sechs Gegenstimmen für eine kleine Lösung mit einem achtbahnigen 25-Meter-Becken plus Kursbecken. Noch hoffen dürfen die Handballer: Die Entscheidung über eine Ballsporthalle wurde vertagt.

Der von CDU-Fraktionschef Thomas Wiesbauer – der selbst nicht anwesend war – eingebrachte CDU-Antrag, den lang ersehnten Bau einer Ballsporthalle in Bietigheim-Bissingen durch die Städtische Holding realisieren zu lassen (die BZ berichtete), hatte den vorgesehenen Sitzungsablauf durcheinander gebracht. Es gebe nun noch Gesprächsbedarf über den neuen Vorstoß, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing, was nicht in wenigen Tagen oder Wochen erledigt werden könne. Und erst gegen Ende des Jahres sei eine Entscheidung über ein Landesfinanzierungsprogramm zu erwarten, welches für das Hallenprojekt eine wichtige Rolle spiele. Kessing nahm daher den Verwaltungsvorschlag – einen Beschluss über einen Sechs-Millionen-Euro-Zuschuss an die SG BBM, der ansonsten das Hallenprojekt überlassen werden sollte – kurzerhand von der Tagesordnung. Er versprach jedoch, die Verwaltung werde demnächst einen Zwischenbericht liefern.

Entscheidungsreif war hingegen der Beschluss über ein neues Hallenbad. Diesbezüglich hatten sich die Wassersportvereine wenige Tage vor der Sitzung in einem offenen Brief nochmals in Stellung gebracht mit ihrer Forderung nach einem 50-Meter-Becken. Kessing beklagte darüber hinaus einen regen Schriftverkehr „unter der Gürtellinie“.

Der Verwaltungsvorschlag sieht vor, dass die Stadtwerke als Ersatz für das marode Bissinger Hallenbad einen Ersatzbau beim Ballkult bauen, mit acht statt bisher fünf 25-Meter-Bahnen, einem Kursbecken für Wassergymnastik und andere Aktivitäten sowie einer Saunalandschaft. Kessing argumentierte mit den Kosten – 16 Millionen Euro für diese Lösung, 23,5 Millionen Euro für ein 50-Meter-Bad, sowie ein Unterschied von 500 000 Euro bei den jährlichen Folgekosten –, aber auch mit den Nutzern. Das Bad werde in erster Linie für die Schulen gebaut, nicht für die Vereine. Und er unterstrich: „Im Gegensatz zu vielen anderen Städten schließen wir kein Bad.“

Den Aspekt, dass das Bad für den Schulsport wichtig sei, betonte auch Claus Stöckle (CDU). Bei allem Verständnis für den Wunsch der Vereine nach einem 50-Meter-Becken sei festzustellen, dass dies für die Schulen nicht förderlich sei. Heutzutage stehe viel häufiger das Schwimmenlernen im Vordergrund, nicht die Schulung von Schwimmtechniken. Das Zünglein an der Waage seien schließlich die Kosten.

Der Schulsport und die geringeren Unterhaltungskosten für ein Bad mit 25-Meter-Becken gaben auch für die Mehrheit der SPD-Fraktion den Ausschlag für ihre Entscheidung, wie Werner Kiemle erläuterte. Abweichend plädierte Günter Krähling, SPD-Rat und Vorsitzender des Stadtverbands für Sport, unter dem Beifall des Publikums für die große Lösung. Man müsse bei der Frage der Wirtschaftlichkeit auch berücksichtigen, dass man irgendwann einen Ersatz für das Bad am Viadukt brauche. Dann würden sich andere Zahlen ergeben, so Krähling. Für OB Kessing ist das jedoch noch in weitere Ferne: Das Bad könne noch 10 oder 15 Jahre betrieben werden.

Für ein 50-Meter-Bad warb auch Petra Kühlthau (Freie Wähler). „Das ist eine eindeutige, unwiederbringliche Chance“, meinte sie. Ihre Fraktion war in dieser Frage allerdings nicht geschlossen. Ebenso lehnten die beiden FDP-Mitglieder die Verwaltungsvorlage ab. FDP-Rat Dr. Georg Mehrle zweifelte die vorgelegten Zahlen an.

Rückendeckung erhielt der Verwaltungsvorschlag dagegen von der GAL. Mit der Bemerkung, dass die Stadt unter Hinzunahme des Freibads gleich mit drei Bädern aufwarten könne, untermauerte GAL-Rat Albrecht Kurz das Votum seiner Fraktion für ein Bad mit 25-Meter-Becken.

Stadion: Studienarbeit bis Ende Juni


Ein Ausbau des Ellentalstadions soll in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden. Professor Jens Oberst von der Hochschule für Technik in Stuttgart war mit dem Vorschlag an die Stadt herangetragen, im Rahmen eines Studienprojektes des Masterstudiengangs Architektur die räumliche Umsetzbarkeit des Anforderungskatalogs im Ellentalstadion zu überprüfen. Das soll nun als erster Schritt für eine Machbarkeitsstudie genommen werden. Der Abschluss der Studienarbeiten ist für Ende Juni vorgesehen. Der Gemeinderat nahm dieses Vorgehen zur Kenntnis. um