Kreis Ludwigsburg Halbjahresbilanz der Arbeitsagentur: Gute Chancen für Ältere

Obwohl es im Landkreis mehr ältere Arbeitslose gibt, ist die Beschäftigungssituation von Frauen und Männern ab 50 insgesamt gut - vorausgesetzt die Qualifikation stimmt.
Obwohl es im Landkreis mehr ältere Arbeitslose gibt, ist die Beschäftigungssituation von Frauen und Männern ab 50 insgesamt gut - vorausgesetzt die Qualifikation stimmt. © Foto: dpa
Kreis Ludwigsburg / ANDREAS LUKESCH 28.06.2013
Über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt entscheidet in erster Linie die Qualifikation. Wie wichtig die vor allem für bestimmte Altersgruppen ist, zeigt die Halbjahresbilanz der Agentur für Arbeit.

Martin Scheel, Leiter der Arbeitsagentur in Ludwigsburg, zog am Donnerstag Halbjahresbilanz. Er tat dies für einen Agenturbezirk mit einem der stabilsten Arbeitsmärkte und einer vergleichsweise geringen Arbeitslosenquote. Und obwohl die Arbeitslosigkeit im Kreis seit Jahresbeginn noch weiter abgenommen hat, gab sich Scheel nicht wirklich zufrieden, der Agenturchef hatte sich doch ein bisschen mehr vom Arbeitsmarkt und dessen "Dynamik" erwartet. Will heißen: Nach einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresbeginn ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis zwar kontinuierlich gesunken, aber nicht wie im sonst üblichen Maße. "Da sind wir eigentlich von einem deutlicheren Rückgang ausgegangen", so Scheel.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Durchschnittlich waren im ersten Halbjahr 11.104 Frauen und Männer bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter des Landkreises arbeitslos gemeldet - 703 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Arbeitslosigkeit ist von Januar bis Juni um 632 Personen oder 5,5 Prozent zurückgegangen. Vor einem Jahr lag der Rückgang in diesem Zeitraum bei 5,6 Prozent, 2011 waren es sogar 17,2 Prozent. Die Gründe sieht Scheel in der Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen angesichts der anhaltenden Konjunkturrisiken. Aber auch das schlechte Frühjahrswetter und der lange Winter zu Jahresbeginn tragen laut Scheel eine Mitschuld.

Solche dynamischen Prozesse auf dem Arbeitsmarkt treffen die Menschen verschiedenen Alters ganz unterschiedlich. Ein Vergleich:

Die Jüngeren: Sie sind besonders gefährdet, wenn sie keinen Berufsabschluss oder die Schule abgebrochen haben. Von Januar bis Juni 2013 waren durchschnittlich 1016 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren bei der Agentur und dem Jobcenter arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme von mehr als 25 Prozent. Ein Zuwachs, der "deutlich" ausfällt, wie sich Scheel gestern ausdrückte. Betroffen sind vor allem junge Männer, häufig mit Migrationshintergrund und meist ohne abgeschlossene Ausbildung. Eine Personengruppe, die in Boom-Jahren auch auf dem Arbeitsmarkt unterkommt, die aber als erste auf der Straße steht, wenn sich die Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen in Zurückhaltung üben. Die Agentur für Arbeit arbeitet mit verschiedenen Qualifizierungsprogrammen dagegen an. Dazu gehört die Initiative "Ausbildung wird was - Spätstarter gesucht", die sich zwar an eine etwas ältere Zielgruppe wendet, aber darauf abzielt, dass junge Erwachsene ohne Ausbildung ihren Abschluss nachholen und damit ihre Erwerbschancen für die Zukunft verbessern. Zudem werden gezielt Unternehmen angesprochen, junge Erwachsene ohne Ausbildung aufzunehmen. Tendenziell werden sich in den nächsten Monaten wieder verstärkt junge Leute arbeitslos melden. Das sind vor allem Auszubildende, die nach Abschluss der Lehre einen Job suchen oder Uni-Abgänger, die sich arbeitslos melden, bis sie ihre Berufstätigkeit aufnehmen.

Die Älteren: Obwohl sich die Zahl der älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) im Landkreis im Vergleich zum Vorjahr um mehr als vier Prozent auf 3711 Menschen erhöht hat, schätzt die Bundesagentur für Arbeit in Ludwigsburg deren sogenannte Beschäftigungssituation weit besser ein als noch vor Jahren. Die Zahl der älteren Beschäftigten steigt kontinuierlich an. Damit sinkt das Risiko für diese Gruppe, arbeitslos zu werden. Agenturchef Scheel sieht die Gründe für die neuen Chancen der Älteren nicht nur im Fachkräftemangel. Schon lange ist die Frühverrentung nicht mehr attraktiv, Ältere werden von den Unternehmen nicht mehr mit einem goldenen Handschlag vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet, sondern bleiben länger im Unternehmen. "Es gelingt uns aber auch zunehmend besser, ältere Arbeitslose wieder in den Beruf zu bringen", so Scheel. Allerdings müssen auch bei ihnen die Rahmenbedingungen stimmen. Das heißt, die Persönlichkeit muss zum Unternehmern passen und ohne eine Qualifikation, die auf dem neusten Stand ist, geht auch für die erfahrensten Schaffer immer weniger. "Wenn die beruflichen Kenntnisse fehlen oder zum Beispiel gesundheitliche Handicaps hinzukommen, bleibt es schwierig, einen Arbeitsplatz zu bekommen", weiß der Agenturchef.

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