Unwetter Hagel setzt Winzern und Autohändlern zu

Klaus Hamm zeigt die Schäden, die der Hagel seinem Weinberg in Bönnigheim angerichtet hat: zerfetzte Blätter und abgerissene Trauben.
Klaus Hamm zeigt die Schäden, die der Hagel seinem Weinberg in Bönnigheim angerichtet hat: zerfetzte Blätter und abgerissene Trauben. © Foto: Helmut Pangerl
Von Andreas Lukesch und Frank Ruppert 06.07.2018

Das heftige Unwetter mit Blitz und Donner, Starkregen und Hagelschlag hat am Mittwoch im Kreis  größere Schäden verursacht. Wie die Polizei am Donnerstag in ihrer Bilanz mitteilte, lassen sich diese noch nicht abschließend beziffern.  Vielerorts kam es zu Verkehrsbehinderungen durch ausgehobene Gullydeckel und Aquaplaning. Aufgrund des starken Gewitters lösten in zahlreichen Häusern die Alarm­anlagen aus und sorgten für Polizeieinsätze.

Besonders betroffen waren Bietigheim-Bissingen und Korntal-Münchingen.  Aufgrund des starken Hagels kam es auf der B 27 Fahrtrichtung der Autobahnanschlussstelle Ludwigsburg-Nord zu einem Verkehrsunfall ohne Verletzte. Die Hagelkörner lagen im dortigen Bereich etwa 30 Zentimeter hoch auf der Fahrbahn, meldet die Polizei. In der Hermann-Hesse-Straße fiel ein Baum auf einen geparkten Wagen.

Land unter herrschte sprichwörtlich auch am Tag nach dem Unwetter noch bei den Autohändlern in Bietigheim und Umgebung. Die meisten der im Freien abgestellten Fahrzeuge in den Niederlassungen kamen nicht ohne Blessuren davon. Ob bei Stadel oder Weller – die Händler machten sich am Donnerstag erst einmal an die Schadensaufnahme. „Die meisten Fahrzeuge haben etwas abbekommen“, sagte Julius Emrich vom Autohaus Weller der BZ. Darunter auch einzelne Autos, die noch in dieser Woche an die Kunden ausgeliefert werden sollten.

Hinzu kam: Die Telefone standen nicht still, weil sich betroffene Kunden nach einer Reparatur ihrer Dellen erkundigten. Damit nicht genug. In den beiden Standorten in Bietigheim hatte das Autohaus zudem mit überfluteten Kellerräumen zu kämpfen. Übrigens: Hagelschäden sind in der Regel über die Teilkasko-Versicherung abgedeckt.

Bönnigheim im Zentrum

Bei den Wengertern und Obstbauern wird deutlich, wie lokal das Unwetter gewütet hat. Die Lauffener Weingärtner sind etwa noch mal glimpflich davongekommen. „Wir haben schätzungsweise nur fünf Prozent Schäden“, sagt der Geschäftsführer Marian Kopp auf Nachfrage der BZ.  Ähnliches kann auch Frank Braun vom Obstbauverein Kirchheim berichten: „Auf einem Teil unserer Anlage hat es gehagelt. Genau diese Fläche haben wir aber vor einigen Jahren schon mit Hagelnetzen ausgestattet.“  Ohne die Hagelnetze, die manche als unschön empfänden, wären dort aber, so meint Braun, 30 Prozent der Ernte beschädigt worden.

Weinbauer Christian Dautel aus Bönnigheim hatte weniger Glück. „Mindestens 25 bis 30 Prozent, wohl eher mehr, sind kaputt“, sagt er. Der Winzer hatte erst in der vergangenen Woche Reben zurückgeschnitten, weil die Weinberge so voll gehangen hatten. Ein endgültiges Schadensfazit lasse sich aber wohl erst in den nächsten Tagen ziehen. „Bönnigheim war der Schwerpunkt. Da hat es in einzelnen Lagen teilweise bis zu 70 oder 80 Prozent Beschädigungen gegeben“, sagt Albrecht Hauber von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu. Die Beschädigungen seien aber noch nicht gleichbedeutend mit Ertragseinbußen. Das müsse sich nun erst in den nächsten Wochen zeigen. Wenn es heiß und trocken bleibe, könnten die beschädigten Trauben austrocknen und abfallen. Problematischer könnte es dagegen bei feuchter Witterung werden. Dann drohe Pilzbefall.

Obstbauer Frank Sartorius aus Bönnigheim kann den teilweise verheerenden ersten Eindruck nur bestätigen. Es gebe in Bönnigheim Flächen, auf denen bis zu 70 Prozent der Früchte beschädigt worden seien. Er sei froh, dass sein Betrieb 40 Prozent der Anbaufläche mittlerweile mit Hagelnetzen schütze. „Die beschädigten Äpfel sind für Tafelobst nun nicht mehr zu gebrauchen. Die erholen sich auch nicht mehr vollständig. Das bedeutet Einnahme-Einbußen“, so der Obstbauer.

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