Wegen Körperverletzung, Widerstandes gegen Vollsteckungsbeamte in einem besonders schwerem Fall und Beleidigungen gegenüber mehreren Polizisten hat das Ludwigsburger Amtsgericht einen 31-Jährigen aus Bietigheim-Bissingen zu zehn Monaten Freiheitsstrafe und 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der Mann hat sich im Marstallcenter mit einem Karabinerhaken in der Hand so heftig gegen seine Festnahme gewehrt, das sich ein Polizist einen Kreuzbandriss zuzog und das halbe Einkaufszentrum in Aufruhr war. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eineinhalb Jahre Gefängnis plädiert.

Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft in Stammheim in den Gerichtssaal geführt. Er war am 25. Januar gegen 16.30 Uhr im Marstallcenter einem Polizeiverweis nicht gefolgt und sollte festgenommen werden. Als sich der Angeklagte aus dem Haltegriff der Polizei los reißen wollte, gab es ein Gerangel. Der Mann schlug laut Anklage „wild um sich“ und soll einem Polizeiobermeister derart heftig mit seinem Wintersiefel ins Knie getreten haben, dass sich dieser einen Kreuzbandriss zuzog und im Krankenhaus operiert werden musste. Drei weitere Polizisten versuchte der Angeklagte zu schlagen und zu treten, traf sie aber nicht. Er beschimpfte die Beamten als „Nazis“ und „Rassisten“.

Fast halbes Jahr dienstunfähig

Im Marstallcenter war der Asylbewerber aus Kamerun, weil er ein dort erworbenes Handy zur Reparatur auf Garantie geben wollte. Es kam zum Streit mit dem Personal. Die Tatvorwürfe bestritt der Beschuldigte und meinte, er hätte sich nicht gegen die Festnahme gewehrt.

Das Opfer vom Polizeirevier Ludwigsburg berichtete von einer „aufgeheizten Stimmung“ im Marstallcenter. Der Polizist und sein Kollege hätten den Mann Richtung Ausgang schieben müssen. Der Angeklagte hätte immer wieder die Faust geballt und gedroht wiederzukommen, daher die Festnahme. Im Gerangel, so der Beamte, habe er plötzlich einen Schlag gespürt und sein Knie sei ihm weg gesackt. Er ist seither dienstunfähig, er könne im Juni wieder arbeiten.

Auf dem Revier fanden die Beamten eine Rasierklinge in seiner Hosentasche. Laut Polizei hat der Angeklagte auch schon mal mit Mitarbeitern der Ausländerbehörde gestritten, weil er seine Duldung nicht habe akzeptieren wollen. Auch dort sei ein Polizeieinatz nötig gewesen.