Bauschutt Haas: Nicht gefährlicher als Fliesen

Das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Was tun mit dem Rückbaumaterial?
Das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Was tun mit dem Rückbaumaterial? © Foto: Werner Kuhnle
Kreis Ludwigsburg / Uwe Mollenkopf 09.12.2016

Die Ablagerung freigemessener Abfälle aus dem Abbruch von Atomanlagen führe zu keinen Belastungen der Allgemeinheit an den beiden Deponiestandorten im Landkreis Ludwigsburg. Zu diesem Ergebnis kommt Christian Küppers vom Öko-Institut aus Darmstadt nach der Analyse von Strahlenmessungen am Froschgraben in Schwieberdingen und am Burghof in Horrheim. Am Donnerstag wurden die Befunde im AVL-Aufsichtsrat vorgestellt und diskutiert. Das Landesumweltministerium hatte im November bereits bekanntgegeben, dass nach den Untersuchungen des Öko-Instituts eine Nachnutzung von Deponien auch bei Einlagerung von Bauschutt aus Atomkraftwerken unbedenklich sei (die BZ berichtete). Deshalb wurde der Einlagerungsstopp aufgehoben.  Jetzt hat auch die AVL Untersuchungsergebnisse des Öko-Instituts präsentiert, die in die gleiche Richtung gehen. Zuvor hatte es bereits Informationsveranstaltungen gegeben.

Die Kernaussage von Christian Küppers vom Öko-Institut im Aufsichtsrat lautete, dass sowohl in Schwieberdingen als auch in Horrheim die Strahlendosis auf den Deponien, in denen sich bereits freigemessenene Abfälle aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe befinden, geringer sei als in der Umgebung. Auf den Stufen zum Brunnen des Schwieberdinger Marktplatzes seien die Strahlungswerte gar um 80 Prozent höher als auf der Deponie, so der Experte. Das klingt befremdlich, liegt aber daran, dass auch Gestein, insbesondere Granit, Strahlen abgibt, die sogenannte natürliche Strahlung. Zudem ist das Material aus Karlsruhe gut abgedeckt. Insgesamt bewege sich alles weit unterhalb der Grenzwerte. Letztere sind aus Sicht der Schwieberdinger Bürger­initiative allerings viel zu hoch angesetzt.

Landrat Dr. Rainer Haas, der Aufsichtsratsvorsitzende, fasste das Ergebnis so zusammen: Würde man Badfliesen oder Gleisschotter statt freigemessener Abfälle auf die Deponien bringen, wäre die Strahlung mindestens genauso hoch. Nur im Sickerwasser waren leicht erhöhte Tritium- und Cäsiumkonzentrationen festgestellt worden, die Küppers den Karlsruher Abfällen zuordnete. Aber auch hier seien die Werte weit unterhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte. Das Wasser entspreche immer noch den Vorgaben der Grundwasserverordnung.

Landrat Haas gab außerdem zu bedenken, dass in Schwieberdingen und Horrheim in zehn Jahren 3350 Tonnen aus dem Rückbau des Kraftwerks in Neckarwest­heim eingelagert werden soll. Mit Blick darauf, dass die Gesamtmenge in Horrheim 234 000 Tonnen pro Jahr betrage, sei das verschwindend gering. Entscheidend sei, dass es durchgehende Kontrollen und eine Dokumentation bei der Ablagerung des Materials gebe, was durch die Handlungsanleitung der Landkreise sichergestellt sei.

Angesichts dieser ziemlich eindeutigen Aussagen kam eine kritische Diskussion im Aufsichtsrat erst gar nicht auf. Volker Godel (FDP), dessen Fraktion sich für den Verbleib der Abfälle am Kraftwerksstandort einsetzt, erklärte nur, man habe jetzt einen Rückblick erhalten, was noch komme, wisse man aber nicht. Peter Schimke (Linke) sagte, auch wenn es schon natürliche Strahlung gebe, müsse ja nicht noch künstliche hinzukommen.

Noch offene Fragen

Noch gibt es allerdings einige offene Fragen. Haas sagte, es sei nicht geklärt, was mit dem GKN-Rückbaumaterial geschehe, das von Neckarwestheimer Gemarkung (Kreis Heilbronn) stamme. Es könne nicht sein, dass der zuständige Kreis Heilbronn verschont werde und nur der Kreis Ludwigsburg das Material, das auf seiner Seite (in Gemmrigheim) anfalle, deponieren müsse. Zugleich stellte Haas klar, dass der Kreis nur Bauschutt aus Gemmrigheim nehmen werde. In einem Beschluss des Aufsichtsrats wurde generell bekräftigt, dass kein freigemessenes Material aus Anlagen außerhalb des Kreisgebiets auf kreiseigene Deponien gebracht werde.

Was die Idee anbelangt, GKN-Schutt in den Salzstock nach Bad Friedrichshall-Kochendorf zu bringen, so wurden diesbezügliche Anfragen der AVL bislang ablehnend beschieden. Nun hat Haas nochmals eine schriftliche Anfrage gestellt. Die Antwort werde man nun abwarten, so der Landrat. Zeitdruck gibt es nicht, denn auch die Abbruchgenehmigung für Block Eins in Neckarwestheim ist noch nicht erteilt worden.

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