Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth

Der Verband Region Stuttgart (VRS) und die Deutsche Bahn (DB) investieren in den kommenden Jahren massiv in den S-Bahn-Verkehr. Details zu den Plänen erläuterte Jürgen Wurmthaler am Montag dem Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags. Der VRS-Verkehrsdirektor brachte zwei für den Landkreis wichtige Nachrichten aus Stuttgart mit: Ab dem Jahr 2022 werden zu den vorhandenen 157 S-Bahnen 58 hinzukommen und im Streckennetz des VVS unterwegs sein. Die höheren Kapazitäten werden die jährlich 420 000 S-Bahn-Fahrgäste in der Region freuen, weil sie mehr Pünktlichkeit und ein größeres Platzangebot erwarten lassen. Zusätzlich sollen sie weitere Pendler zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen.

Aber das Ausbauprogramm kostet, so die zweite Nachricht: Laut dem VRS kommen auf die Landeshauptstadt und die vier umliegenden Landkreise, die den Verband bilden, eine Mehrbelastung der Verkehrsumlage um elf bis zwölf Millionen Euro jährlich zu. Und das zehn Jahre lang. Für den Landkreis Ludwigsburg könnten das Minimum zwei Millionen Euro jährlich bedeuten oder 20 Millionen Euro während des Investitionszeitraums. Die Summe könnte relevant für die Entwicklung der Kreisumlage werden. Im vergangenen Jahr hat der Landkreis nach VRS-Angaben eine Verkehrsumlage in Höhe von elf Millionen Euro abgeführt.

Kein Platz für weitere Gleise

Auf den Landkreis kämen jedoch sehr viel höhere Kosten zu, würde das Land nicht mehr als 100 Millionen Euro für die Anschaffung der S-Bahn-Züge zuschießen. In der Region gibt es keinen Platz für weitere Gleise. Auch die unterirdische Strecke zwischen Stuttgart-Hauptbahnhof und der Haltestelle Universität kann nicht ausgebaut werden. Deswegen müssen die Bahnen mit dem vorhandenen Gleisnetz zurechtkommen und in dichteren Abständen fahren. Dafür müssen sie mit einer teuren neuen Technik ausgerüstet werden. Das sogenannte Zugbeeinflussungssystem ETCS macht eine dichtere Taktfolge möglich.

Die Region könnte zu einem Pilotprojekt der Deutschen Bahn für die Tauglichkeit im Nahverkehr werden. Der Bund werde einen wesentlichen Anteil der Kosten übernehmen, so Wurmthaler. Die Region erhalte damit Deutschlands modernste S-Bahn. Dies sei ein in diesem Fall positiver Nebeneffekt der Verzögerungen bei der Feststellung des Tiefbahnhofs in Stuttgart.

Aus den Reihen der Kreisräte kam überwiegend Verständnis für die Investition, die Wurmthaler selbst als „keinen Pappenstiel“ bezeichnete. Landrat Rainer Haas nutzte die Gelegenheit, den VRS-Verkehrsdirektor an den vom Landkreis gewünschten weiteren Ausbau der Strohgäubahn zu erinnern. Diese verkehrt zwischen Weissach (Landkreis Böblingen) und Korntal. Sie von dort nach Stuttgart-Feuerbach weiterzuführen, ist ein lang gehegter Wunsch des Landkreises, der Ende vergangenen Jahres zur großen Enttäuschung des Landrats zuletzt am VRS gescheitert ist.

Wurmthaler ließ jedoch erkennen, dass der Ausbau der Strohgäubahn in den kommenden Jahren keine Priorität erhalten werde. Die Region konzentriere sich voll auf die Ertüchtigung der S-Bahn.