Bis 2025 werden bundesweit 26 300 Grundschullehrkräfte fehlen, das ist einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zu entnehmen, die am Montag veröffentlicht wurde. Damit wird der Lehrermangel dramatischer als bisher angenommen. Die Kultusministerkonferenz ging im Oktober 2018 noch von 15 300 fehlenden Lehrkräften an Grundschulen aus. Schon in diesem neuen Schuljahr konnten laut Kultusministerium 300 Lehrerstellen an baden-württembergischen Grundschulen nicht besetzt werden. Im Bereich des Schulamts Ludwigsburg können zehn Stellen im Bereich Sekundarstufe an Gemeinschafts-, Realschulen sowie Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) nicht besetzt werden. Um zum neuen Schuljahr eine ausreichende Unterrichtsversorgung zu gewährleisten, wurden rund 40 Personen befristet für längerfristige Ausfälle eingestellt.

„Die Unterrichtsversorgung der Grundschulen zum neuen Schuljahr ist nach heutigem Stand als zufriedenstellend zu bezeichnen. Der Pflichtunterricht sollte flächendeckend abgedeckt sein. Die Versorgung in der Grundschule ist in diesem Schuljahr sogar leicht besser als im vergangenen“, sagt Hubert Haaga, leitender Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamts Ludwigsburg. „Der vor Jahren prognostizierte demografische Wandel wirkt sich an den Grundschulen im Landkreis Ludwigsburg nicht aus. Insgesamt ist die Zahl der Grundschüler sowohl in den Klassen 1 als auch insgesamt leicht gestiegen“, sagt Haaga.

Fast überrascht von der guten Lehrerversorgung ist Uwe Schäfer, Rektor der Ganerbenschule in Bönnigheim: „Im vergangenen Schuljahr haben wir fünf Kollegen verabschieden müssen, ich dachte nicht, dass wir zahlenmäßig Ersatz bekommen“, sagt er. Doch tatsächlich wurden der Schule vom Staatlichen Schulamt fünf neue Kollegen zugewiesen. „Wir sind für dieses Schuljahr ausreichend versorgt, es gibt keine Schwachstellen in der Lehrerversorgung“, so Schäfer.

Tendenz zum Lehrermangel

„Ob wir in den nächsten Jahren unser starkes, qualitativ hohes Angebot in der Grundschule weiter anbieten können, ist aufgrund der Tendenz hin zum Lehrermangel fraglich“, sagt er. Sorge hat er, dass dann vor allem im Lernstützpunkt in der Ganztagsbetreuung, die von Lehrern gestemmt wird, Lücken entstehen. „Hausaufgabenbetreuung und Förderunterricht müssen meiner Meinung nach von Lehrern gemacht werden.“ Froh ist er aber, dass an seiner Schule eine Gymnasiallehrerin, die an dem Qualifizierungsprogramm zur Grundschullehrerin des Landes teilnimmt, angestellt wurde.

Markus Nutz hat sein Amt als Rektor der Waldschule Bissingen mit „einem leichten Plus in den Lehrerstunden“ angetreten. „Das ist eine befriedigende Lehrerzuweisung, da haben es andere Schulen schlechter“. Er weiß aber auch, dass sich diese Situation im Schuljahresverlauf ändern kann. „Dann muss man improvisieren, weil aus dem Schulamt meist keine zusätzlichen Aushilfslehrer kommen“, sagt Notz.

Grund für die schlechte Lehrerversorgung, die zu erwarten ist, ist der fehlende Nachwuchs von den Pädagogischen Hochschulen, da die Zahl der Studienplätze zu knapp bemessen war. „Zur Verbesserung der Situation hat das Land die Ausbildungsplätze an den Hochschulen in drei Schritten von 970 im Jahr 2016 auf 1650 erweitert“, sagt Haaga. „Bis diese Lehrkräfte zur Verfügung stehen, wird es natürlich noch etwas dauern“, so der Schulamtschef. Das Land biete aber Gymnasiallehrkräften weiterhin die Möglichkeit an, sich auf Stellen an Grundschulen zu bewerben.

Schulamtsbezirk hat die meisten Schulanfänger im Land


Im Bezirk des Staatlichen Schulamts Ludwigsburg werden in dieser Woche insgesamt 4844 Kinder in Klasse 1 eingeschult, teilt das Statistische Landesamt mit. Damit gibt es im Kreis Ludwigsburg die meisten Erstklässler im Land. In Stuttgart werden 4718 Schüler eingeschult, die drittgrößte Erstklässlerschar hat der Rhein-Neckar-Kreis. Zudem ist die Zahl um rund 200 Schüler höher als im vergangenen Schuljahr.

An den Grundschulen des Schulamts werden 54 Lehrer neu angestellt, 21 davon wurde aus anderen Schulamtsbezirken versetzt. 40 neu angestellte Lehrer gibt es für die Gemeinschaftsschulen plus 17 Versetzungen. Die Realschulen bekommen 77 neue Lehrer (davon 29 Versetzungen), die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) 39 neue Lehrer (9 Versetzungen). Laut Haaga ist die Lehrereinstellung noch nicht endgültig abgeschlossen. Bis Ende September würden, so Schulamtsleiter Hubert Haaga, bei Ausfällen „alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten“ (Besetzung noch ausgeschriebener Stellen, Deputatsaufstockungen, Abordnungen, befristete Verträge oder pensionierte Lehrer) ausgeschöpft, um die Schulen zu versorgen. sz