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Europawahl
Landkreis Ludwigsburg / fr  Uhr

Im Landkreis Ludwigsburg zeigt das Ergebnis bei der Europawahl ein ähnliches Bild, wie im Rest der Republik. Das heißt zunächst, dass auch im Landkreis die Wahlbeteiligung einen ordentlichen Sprung nach oben gemacht hat. Europa treibt die Menschen auch im Landkreis um.

Klar ist aber auch der Trend zu erkennen, dass die in Berlin regierenden Parteien schlecht abschneiden. Die CDU kommt in kaum einer Gemeinde in die Nähe ihrer Marke von 2014, als sie kreisweit noch 36,9 Prozent holte. Ausnahmen sind etwa Gemmrigheim (35,7) Hessigheim (35,1) oder Mundelsheim (38,1). Dagegen wurde sie in Marbach mit 25,6 Prozent nur knapp stärkste Macht vor den Grünen mit 24,3 Prozent. Die Enttäuschung war auch dem CDU-Spitzenkandidaten für Baden-Württembeg, Rainer Wieland aus Gerlingen anzumerken. „Wir sind nicht zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte der CDU-Kreisvorsitzende. In den vergangenen Tagen sei das Thema Klimaschutz groß aufgekommen. Die CDU habe in dem Bereich zwar viel erreicht, vor allem mit der Balance zu einer starken Wirtschaft, so Wieland: „Gerade bei Jüngeren haben wir uns schwer getan“. Auch das Youtube-Video von Reza, in dem dieser scharf gegen die Union schoss, sei nicht gut gewesen. Positiv sei, dass man klar stärkste Kraft sei. Eine weitere Ursache für die Verluste der CDU und Gewinne der Grünen sieht er in der Debatte um Urheberrechte nach Artikel 13: „Ich habe dazu fast 20 000 Mails erhalten, habe aber meine klare Position beibehalten, dass wir das geistige Eigentum schützen müssen.“

Exemplarisch für den Wahlabend der SPD liest sich das Ergebnis in Bietigheim-Bissingen. Die Stadt hat mit Jürgen Kessing einen SPD-Oberbürgermeister. Vor fünf Jahren hatten noch 26,7 Prozent bei der Europawahl für die Sozialdemokraten gestimmt.

Aktuell kommt die SPD dort nur auf 15,2 Prozent. In den meisten anderen Gemeinden im Landkreis Ludwigsburg bewegt sich die Partei sogar nur zwischen 10 und 15 Prozent, in Hessigheim ist die Partei mit 9,6 Prozent sogar nur einstellig.

Die großen Gewinner sind, wie bundesweit auch, die Grünen. Im Landkreis hat sich die Partei bei den Europawahlen vom dritten auf den zweiten Platz verbessert und sich in manchen Gemeinden, wie etwa Besigheim, fast verdoppelt. 2014 hatten noch 13,1 Prozent der Besigheimer für die Ökopartei gestimmt, aktuell waren es 25,2 Prozent. In vielen Gemeinden kommen sie dem Spitzenreiter CDU sehr nah. Etwa in Bietigheim-Bissingen wo die Grünen 24,1 Prozent erreichen und die CDU 28,8.

Zugelegt hat auch die AfD, die 2014 bei der Europawahl im Kreis 8,3 Prozent erreichte und jetzt in vielen Gemeinden zweistellige Werte und in den anderen meist nur knapp darunter liegende Zahlen einfahren konnte.

Ein Plus konnte auch die FDP einfahren. 2014 war sie kreisweit noch bei 4,4 Prozent gelandet. Bei der aktuellen Europawahl schaffte sie durchweg in den Gemeinden mehr als 5 Prozent, teilweise sogar deutlich, wie in Schwieberdingen, wo es zu 9 Prozent reichte.

Auf ohnehin niedrigem Niveau (2014: 3,42 Prozent) musste die Linke kreisweit weiter Verluste hinnehmen und die Freien Wähler (2014: 3,27 Prozent) an sich vorbeiziehen lassen.