Bewässerung Gießen in der Dürre: Ein Hoch auf den Dorfbrunnen

Die Regentonnen sind längst leer und Wasser ist teuer. Brigitte Kozar schöpft wie andere Einwohner auch Wasser aus dem Dorfbrunnen in Ottmarsheim.
Die Regentonnen sind längst leer und Wasser ist teuer. Brigitte Kozar schöpft wie andere Einwohner auch Wasser aus dem Dorfbrunnen in Ottmarsheim. © Foto: Helmut Pangerl
Michael Soltys 07.08.2018

Wasser, Wasser, Wasser. Private Gärten und Balkonpflanzen schreien danach. Doch woher nehmen, will man die eigene Wasserrechnung nicht nach oben treiben? Die Regentonnen sind längst leer, und Wolken, die sie wieder füllen könnten, sind nicht in Sicht. Brigitte Kozar weiß sich zu helfen. Wie viele andere Ottmarsheimer auch, geht sie mit der Gießkanne an den Dorfbrunnen und zapft sich dort Wasser für ihre Pflanzen ab – ein Bild, das man so oder so ähnlich in vielen Orten sehen kann. Ausnahme Bietigheim-Bissingen. Hier gibt es nach Aussage der Stadt keinerlei Brunnen für die öffentliche Wasserentnahme, weder zum Gießen noch zum Trinken.

Ottmarsheim hat mehrere Brunnen, an denen sich Einwohner mit Wasser versorgen können. Dass die Stadt ihnen dafür eine Rechnung stellt, brauchen sie nicht zu befürchten. Die Wasserentnahme an den „Dorfbrünnele“ sei nicht reglementiert, sagt Stefan Maier, der Leiter des Besigheimer Tiefbauamtes. Vorschriften oder Verbote gibt es nicht, es sei eben historisch gewachsen.

Angesichts der Hitze können die Ottmarsheimer von Glück reden. Denn der Ort liegt auf einer Vielzahl von Wasserstellen, weiß der Leiter des Tiefbauamtes. Als  das Baugebiet Winzerhäuser Weg erschlossen wurde, seien die Bauarbeiter mehrfach auf Wasser gestoßen, erinnert er sich. In einigen Kellern des Ortes seien immer noch Brunnenstuben vorhanden. Für den privaten Gebrauch spreche deshalb nichts gegen die Entnahme.

Anders sieht es aus, wenn man viel Wasser benötigt, soviel wie etwa die Gärtnerei der Stadt. Was die Mitarbeiter der Gärtnerei in diesen Tagen gießen müssen, „sprengt alles Übliche“, sagt Maier. Es sind nicht zuletzt die vielen jungen Bäume, die in der Stadt in den vergangenen Jahren gesetzt worden seien, die häufig gegossen werden müssen.

1,19 Euro pro Kubikmeter

Dazu reicht kein Kanister, dazu muss der Fasswagen anrollen, macht Maier deutlich. Und um den aufzufüllen, hat die Stadt einen eigenen Brunnen, an dem sich auch Wengerter und Besitzer von Kleingärten bedienen. Er befindet sich in der Riedstraße hinter einer Tankstelle. Zum Preis von 1,19 Euro pro Kubikmeter können hier die Schläuche mit einer Feuerwehrkupplung angeschlossen und die Pumpe angeworfen werden. Wenigstens die Abwassergebühr kann dadurch gespart werden. Etwa zwölf Liter Wasser liefert die Quelle pro Sekunde, bis zu zehn Liter pro Sekunde kann abgezapft werden. Wer hier Wasser tanken will, braucht allerdings einen Chip, der mit einem Geldwert aufgeladen wird, erläutert Maier.

Erst vor zwei Jahren wurde der Brunnen in Betrieb genommen. Er dient seitdem als Ersatz für die Wasserentnahme aus dem Brunnen bei der Kläranlage. Maier hat herausgefunden, dass der Brunnen an der Riedstraße bereits von der früheren Emella-Trikotwarenfabrik genutzt wurde, beispielsweise für die Reinigung. Dann sei er lange in Vergessenheit geraten.

Dringend auf Wasser angewiesen sind auch die Mitglieder der Felsengartenkellerei. Denn schon seit Wochen werden die Reben in bestimmten Lagen oder wenn sie sehr jung sind bewässert. Seit mehr als zehn Jahren schöpfen die Wengerter Wasser aus einem Brunnen, der sich etwa auf der Mitte der Strecke zwischen Besigheim und Hessigheim neben der Straße befindet. Dazu wurde damals eine tiefe wasserführende Schicht unter dem Niveau des Neckars angebohrt, sagt Sebastian Häußer von der Felsengartenkellerei.

Eigenes Wasser aus den Tiefbrunnen

In Freudental sind die Pegel der Tiefbrunnen konstant, bestätigt Bürgermeister Alexander Fleig auf BZ-Nachfrage. Die Kommune besitzt zwei solcher Tiefbrunnen, einen davon am Stutenweg, einen zweiten rund 500 Meter entfernt im Wald. Rund 300 Kubikmeter werden davon pro Tag ins Trinkwassernetz eingespeist, das sind 60 Prozent des in Freudental verbrauchten Leitungswassers. Die restlichen 40 Prozent bekommt die Kommune in Form von Bodenseewasser von den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen. Erst letzte Woche habe man das Wasser überprüft, denn es war eine größere Wasserabgabe an Winzer in Hohenhaslach notwendig. 400 Kubikmeter wurden in anderthalb Tagen entnommen, die Pegel seien dabei aber nicht gesunken.

Bönnigheim bezieht für die Stadtteile Hofen und Hohenstein das Wasser vollständig von der Besigheimer Wasserversorgungsgruppe, die Stadt selbst hat noch einen Tiefbrunnen am Erligheimer Pfad, dessen Wasser ins Netz eingespeist wird. Etwa 20 Prozent des Trinkwassers kommen aus diesem Brunnen, 80 Prozent vom Zweckverband Besigheimer Wasserversorgungsgruppe (BWG). Das Wasser aus dem Tiefbrunnen wird im Hochbehälter „Schupen“ westlich von Bönnigheim mit dem Wasser der BWG gemischt. Nicht mehr ins Netz geht das Wasser aus dem Brunnen auf dem Amann-Areal. Es fließt stattdessen in den künstlichen Wasserlauf, der vor den neuen Gebäuden im Amann-Quartier vorbei läuft. Brauchwasser wird am kleinen Amann-See bei den Tennisplätzen kostenlos an die Landwirte abgegeben, hier liegt die Grenze bei 250 Kubikmeter am Tag. dee

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