Online-Dienstleistungen Gewerkschaft attackiert Ein-Mann-Betriebe

Ein Fliesenleger bei der Arbeit: Seit 2004 muss der Handwerker keinen Meisterbrief mehr besitzen, um etwa als Ein-Man-Betrieb seine Dienstleistung anzubieten.
Ein Fliesenleger bei der Arbeit: Seit 2004 muss der Handwerker keinen Meisterbrief mehr besitzen, um etwa als Ein-Man-Betrieb seine Dienstleistung anzubieten. © Foto: IG Bau
Andreas Lukesch 29.08.2018

In der Diskussion um den Meisterbrief hat sich die IG Bau „rollende Ein-Mann-Betriebe“ vorgenommen. Immer häufiger seien auch im Landkreis Ludwigsburg „Solo-Selbstständige“ unterwegs. Viele von ihnen arbeiten nach Einschätzung der Gewerkschaft unter schlechten Bedingungen – ohne soziale Absicherung und teils unter dem Mindestlohn. „Gerade im Handwerk hat die Zahl der Ein-Mann-Firmen stark zugenommen – oft mit großen Abstrichen bei der Qualität“, erklärte Bezirksvorsitzender Mike Paul, der in dem Zusammenhang die Online-Portale wie „MyHammer“ oder „Helpling“ ins Visier nimmt.

Zunahme seit 2004

Als Ursache für den Trend macht die IG Bau aber nicht die Online-Vermarktung aus, sondern den Wegfall der Zulassungspflicht in vielen Handwerksberufen. Seit 2004 könnten sich etwa Fliesenleger ohne abgeschlossene Lehre selbstständig machen. Die Zahl der Fliesenlegerbetriebe im Bereich der Handwerkskammer Region Stuttgart sei demnach kräftig angestiegen – von 625 im Jahr 2004 auf 1693 im vergangenen Jahr. In der Gebäudereinigung – seit 2004 ebenfalls zulassungsfrei – habe sich die Anzahl der Betriebe im selben Zeitraum mehr als verdoppelt. Paul sieht mittlerweile die „soliden Standards“ zur Berufsausbildung und zum fairen Wettbewerb in Gefahr.

Seine Forderung lautet unter anderem: Wiedereinführung der Meisterpflicht in allen Handwerksbereichen. Damit nimmt er die Bundesregierung in die Pflicht, die sich im Koalitionsvertrag klar zum Meisterbrief bekennt und eine Prüfung zugesagt hat, „einzelne zulassungsfreie Handwerke in den zulassungspflichtigen Bereich zurückzuführen“.

Beim Thema Meisterbrief erntet die IG Bau Zustimmung von der Handwerkskammer Region Stuttgart. Dort will man aber nicht in die pauschale Kritik an den Ein-Mann-Betrieben einstimmen und schon gar nicht die Qualität der Handwerkerleistungen ohne Meisterbrief generell in Frage stellen. „Gegen Ein-Mann-Betriebe, die gesetzeskonform arbeiten, ist überhaupt nichts einzuwenden. Sie haben eine Qualifizierung, zahlen Steuern und haben zufriedene Kunden“, sagt Gerd Kistenfeger, Sprecher der Handwerkskammer. Natürlich habe sich die Zahl der angemeldeten Betriebe nach der Novellierung der Handwerksordnung erhöht. Viele der Neuanmeldungen seien aber auch wieder vom Markt verschwunden, andere hätten ihr vorhandenes Angebot erweitert – etwa vom Malermeister hin zum Malermeister und Raumausstatter.

Dass sich Kunden massenweise bei der Kammer über Mängel bei Fliesenlegern ohne Meisterbrief beschwerten, kann Kistenfeger nicht beobachten. Dennoch spricht auch er sich für eine sogenannte Rückvermeisterung eben jener Branchen aus, nicht zuletzt wegen der Ausbildung. „Der Meisterbrief steht für die Qualität der Betriebe und für eine gewissen Solidität der Unternehmensführung. Wir hätten mit ihn in den meisterbrieffreien Bereichen weniger Insolvenzen und eine höhere Ausbildungsquote“, so Kistenfeger.

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