Klinikenchef Professor Jörg Martin hat am Freitag die Unternehmensplanung der Kliniken gGmbH für 2020 vorgestellt. Für das Bietigheimer Krankenhaus bringt diese erhebliche Veränderungen mit sich. 2020 beginnen die Baumaßnahmen zum Aufbau eines Zentrums für Altersmedizin, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstrecken. Als erster Schritt wird die alte Tiefgarage abgerissen.

Wie mehrfach berichtet, wird am Krankenhaus Bietigheim an der Umsetzung eines „Masterplans“ für die bauliche Weiterentwicklung gearbeitet. Dieser sieht eine Vielzahl von teilweise technisch komplexen Maßnahmen vor. Mit einem Bettenanbau soll zusätzliche Kapazität für das geplante Zentrum für Altersmedizin am Standort Bietigheim geschaffen werden. Er entsteht auf dem Areal des ehemaligen Hubschrauberlandeplatzes, die alte Tiefgarage muss dazu weg.

Bis zur Fertigstellung des Neubaus mit mehr als 100 Betten dauert es mehrere Jahre. Bereits vorher, im Juli des kommenden Jahres, soll die Akutgeriatrische Station mit 20 Betten von Marbach nach Bietigheim verlegt werden.

Über die Einrichtung des altersmedizinischen Zentrums hinaus wird ein Großteil der bestehenden Stationsbetten modernisiert beziehungsweise neu errichtet werden. Der bestehende Westbau soll in diesem Zuge abgerissen und teilerneuert werden. Durch die Anbindung des Erweiterungsbaus wird auch die Struktur des Bestandsgebäudes angepasst. Auf jeder Ebene werde es neue Strukturen geben, sagt Direktor Axel Hechenberger, in der Leitung der Regionalen Kliniken Holding zuständig für das Ressort Finanzen und Controlling.

Der Eingang zum Krankenhaus wird in Richtung Parkhaus verlegt und richtet den Standort vollständig neu aus. Die Klinikenleitung verspricht sich dadurch kurze Wege für Patienten, Mitarbeiter und Besucher. Ebenso wird das gesamte Erdgeschoss grundlegend verändert. Die zu Behandlungsbeginn notwendigen Funktionen Zentrale Notaufnahme, Patientenaufnahme und die Ambulanzen, inklusive der Notfallambulanz, werden dort in unmittelbarer räumlicher Nähe untergebracht.

Ausbau von Fachgebieten

Vorgesehen ist ferner, die Profile in den Fachgebieten Kardiologie, Endokrinologie und Diabetologie nochmals zu schärfen und auszubauen. Damit soll dann die Weiterentwicklung der Leistungsangebote in der Inneren Medizin weitgehend abgeschlossen werden. Insgesamt entstehen über einen Zeitraum von rund fünf Jahren in sieben Phasen etwa 15 000 Quadratmeter Neubauflächen für mehr als 300 Betten.

Die finanziellen Dimensionen erscheinen gewaltig. Die Unternehmensplanung weist für das Mammutprojekt ein Volumen von 90 Millionen Euro aus. Axel Hechenberger betont allerdings, dass es sich nur um eine Schätzung handelt. Angesichts einer Baukostensteigerung von fünf bis sechs Prozent im Jahr, wie man sie derzeit habe, sei es schwer, detaillierte Prognosen zu treffen.

Immerhin kann die Klinikenleitung auf Fördergelder hoffen. In der Regel betrage die Zuschusshöhe 40 Prozent der Kosten, so Hechenberger.

Aussicht auf deutlich mehr Geld


Mit einem Ergebnis von rund 74 000 Euro kalkuliert die Klinikengesellschaft im nächsten Jahr für das Bietigheimer Krankenhaus, das zusammen mit der Vaihinger Tagesklinik das Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen bildet. Zwar werden im laufenden Betrieb 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet, abzüglich investiver Kosten und von Einmaleffekten verbleibt jedoch nur ein leicht positives Ergebnis.

Insgesamt erwartet die Kliniken gGmbH einen Verlust von circa 654 000 Euro, der vom Defizit des Krankenhauses Marbach (minus 1,8 Millionen Euro) herrührt. Die Gewinne an den Standorten Ludwigsburg (eine Million Euro) und Bietigheim können dies nicht vollständig ausgleichen.

Möglicherweise fällt das Gesamtergebnis aber doch besser aus als gedacht. Denn nach den Verhandlungen mit den Kassen über den sogenannten Landesbasisfallwert 2020 (der landesweite Preis für die Klinik­leistungen) kann die Kliniken gGmbH mit zwei Millionen Euro mehr an Einnahmen rechnen. Zumindest, wenn die Zusage eingehalten werde und die übrigen Rahmenbedingungen stabil blieben, so Kliniken-Finanzchef Axel Hechenberger. Dann könnten wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. um