Obwohl durchaus überrascht, wirkte Marbachs Bürgermeister Jan Trost nicht unzufrieden mit dem Ergebnis der Sitzung des Aufsichtsrats der Regionalen Kliniken Holding (RKH) am Dienstagabend in Markgröningen. Hauptthema war das Marbacher Krankenhaus, das in der Vergangenheit schon für viele hitzige Diskussionen gesorgt hatte (die BZ berichtete), allem voran die Belegklinik.

Idee ist nun, die Anzahl an ambulanten Operationen am Standort Marbach zu steigern, falls jedoch ein stationärer Aufenthalt nötig sei, sollten die Patienten in die Kliniken nach Bietigheim-Bissingen beziehungsweise Ludwigsburg verlegt werden. Im geplanten zweiten Gesundheitszentrum, für das neben Operationssälen eine Endoskopie, eine Dialysepraxis und eine Apotheke auch eine Station mit rund 20 Betten vorgesehen ist, könnte eine Belegklinik untergebracht werden oder eben alternativ eine Station zur Kurzzeitpflege.

Im Schnitt acht Betten belegt

Hintergrund ist, dass obwohl die Anzahl der durchgeführten Operationen in Marbach gesteigert werden konnte (2017: 1966, 2019: 2170), sich die Verweildauer verkürzte. In den vergangenen Jahren lag die durchschnittliche Anzahl der belegten Betten bei acht, da immer mehr Eingriffe ambulant durchgeführt werden können. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssten es aber 25 bis 30 Betten sein, erklärt RKH-Geschäftsführer Professor Dr. Jörg Martin. Rechnet man mit den aktuellen Belegzahlen, würde dadurch ein Defizit von 1,2 Millionen Euro jährlich entstehen. Zusätzlich würden bei einem Investitionsvolumen für den geplanten Gesundheitscampus von rund 20 Millionen noch Zins und Tilgung in Höhe von 800 000 hinzukommen, was zu einem Minus von 2 Millionen Euro im Jahr führen würde.

Auch gibt es Einschränkungen durch das Sozialministerium: Es dürfen in der Belegklinik keine anderen Fachbereiche neben der Chirurgie am Standort Marbach angesiedelt werden. Außerdem dürfen die Praxen der Belegärzte nicht weiter als 30 Kilometer entfernt sein. Die Geschäftsführung habe vier interessierte Ärzte gefunden sowie einen Augenarzt in Aussicht.

Trosts Nachfrage, ob es durch die Idee, nur ambulante Behandlungen durchzuführen, auch möglich sei, weitere Fachärzte genehmigt zu bekommen, bestätigte Martin. „Das störe in den größeren Häusern sowieso“. Auch gebe es einen Strukturfond, der das Ziel der Landesregierung unterstütze, Betten abzubauen. „Das haben wir schon prophylaktisch beantragt“, so Martin. Dafür müsste Marbach allerdings weg vom stationären Krankenhausbetrieb. Krankenkassen und das Sozialministerium hätten bereits positive Signale zu diesem Vorschlag gesendet. Marbachs Bürgermeister jedoch scheint noch nicht ganz überzeugt: „Ich bin gespannt, ob die Ärzte mitgehen.“

Auch zum Thema Personal überraschte Martin: „Insgesamt wäre es ein Personalaufbau. Es wären aber eben nicht die gleichen Mitarbeiter.“ In diesem Zusammenhang müsste auch die Verkehrslage untersucht werden, die Zufahrt sei schon jetzt gut ausgelastet.

„Klare Beschlusslage“

„Wenn Sie jetzt schon die Schließung der Belegklinik vorbereiten, wird nur der formale Beschluss ins nächste Jahr verschoben“, merkte Betriebsrat Dr. Gerhard Locher an. Das Gesundheitszentrum sei die letzte Unbekannte, „es gibt eine ganz klare Beschlusslage, die die Geschäftsführer abarbeiten“, so Aufsichtsratsvorsitzender Landrat Dr. Rainer Haas und verwies auf den Beschluss vom April 2018, die Belegchirurgie weiterführen zu wollen und „im Rahmen der Gesamtplanung in einen Neubau zu integrieren.“ Nun liege der Vorentwurf vor, die angedachten Funktionen seien im Krankenhaus unterbracht. „Wir brauchen das ‚Go’ vom Gemeinderat, um starten zu können“, so Regionaldirektor Matthias Ziegler.

In diesem Sinne beschloss der Aufsichtsrat einstimmig, dass die Entscheidung über das Campusgelände und die grundsätzliche Weichenstellung bereits im Frühjahr 2020, in der März-Sitzung des Aufsichtsrats, anstatt erst im Herbst getroffen werden soll.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz