Verständigung Geständnis gegen eine milde Strafe

Markgröningen.  / Bern Winckler 13.06.2018

Die Markgröninger Diebe von Designerkleidern sollen mit Freiheitsstrafen nicht über drei Jahre und drei Monate davon kommen. Diesen Antrag stellte am Dienstag die Staatsanwaltschaft gegen die drei Männer und eine Frau vor dem Stuttgarter Landgericht.

„Deal“ ausgehandelt

Die Milde begründet die Anklage damit, dass man bei Gericht eine Art „Deal“ vereinbarte: Geständnis gegen Strafmilde.  Derartige Deals seien angesichts der Richterknappheit und des enormen Aufwandes und Kosten bei langen Beweiserhebungen mittlerweile bei den Strafgerichten fast schon an der Tagesordnung.  Es wird mit dem Segen des Bundesgerichtshofes in den Gerichtssälen über Strafrabatte und Zugeständnisse gefeilscht und gestritten. Was liefern die Angeklagten – und was bietet das Gericht?  Der Gesetzgeber nennt dies „Verständigung“.

Nach wochenlanger Verhandlung und Weigerung hatten sich auch die vier Angeklagten schließlich mit dieser „Verständigung“ vor der 8. Strafkammer einverstanden erklärt, nachdem ihnen das Gericht Freiheitsstrafen von nicht mehr als dreieinviertel Jahren zugesagt hatte, falls man alles zugibt. Diese Geständnisse kamen am Dienstag. 

Einer der drei angeklagten Männer war mit seinem Lkw für einen Markgröninger Palettenhandel unterwegs und musste für den Modekonzern Hugo Boss, Bogner-Design sowie Prada  sogenannte Rückware in die  Retourenlager bringen. Diese Transporte wurden mit Hilfe der übrigen Angeklagten dazu ausgenutzt, bei jeder Fahrt mehrere Kartons der Ware verschwinden zu lassen. Nicht nur die Designer-Textilien, sondern auch Haushalts- und Küchengeräte bis hin zu Waschmaschinen, landeten auf diese Weise in den privaten Kellern der Angeklagten.

Direkt vom LKW verkauft

Von dort aus wurde das Diebesgut teilweise unter der Familie verschenkt, aber hauptsächlich mit Gewinn über ein Portal oder auch mal direkt von der Ladefläche der LKW verkauft.  Im Oktober 2017 flogen die Diebstähle auf, der Schaden beläuft sich laut Anklage auf eine knappe Viertelmillion Euro. Die  verlangt die Strafverfolgungsbehörde von den Angeklagten zurück. Die Verteidiger wollen Strafen unter drei Jahren, dazu noch sofortige Haftentlassungen, weil keine Fluchtgefahr mehr bestünde. Für die mitangeklagte Ehefrau des Hauptangeklagten beantragte die Staatsanwältin zwei Jahre Haft auf Bewährung und  100 gemeinnützige Arbeitsstunden. Die Urteile soll am Donnerstag verkündet werden.

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