Einspruch Gericht ist von der Schuld überzeugt

Ludwigsburg/Freiberg / Heike Rommel 03.11.2018

Eine 75-jährige Rentnerin wollte ihren Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung nicht akzeptieren und legte Einspruch vor dem Ludwigsburger Amtsgericht ein. Sie hatte einen schweren Unfall am 29. Mai mit einem 22-jährigen Motorradfahrer auf der L 1113 in Freiberg verursacht. Letztendlich tat die Frau tat gut daran, ihre Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro zu schlucken. Im Falle eines Urteils hätte sie nämlich ein Fahrverbot kassiert.

Der Unfall passierte am 29. Mai gegen 21.20 Uhr: Ein Motorradfahrer war unterwegs von Ingersheim nach Ludwigsburg und musste nach dem Dafürhalten des Gutachters gar nicht damit rechnen, dass die Rentnerin aus dem Feldweg Wamsäcker heraus fährt, wo sie wie viele andere, mit ihrem Hund spazieren war. Der Motorradfahrer konnte weder ausweichen noch rechtzeitig bremsen. Bei dem Zusammenstoß brach er sich beide Unterarme und zog sich eine Schulterverletzung zu. Seiner Zeugenaussage nach hat er heute noch an den Verletzungen zu leiden und muss jede Woche mehrmals in Behandlung. Drei Operationen hat er schon hinter sich und weitere stehen bevor.

Die Angeklagte sagte, sie hätte keinen Motorradfahrer gesehen. Die Landesstraße sei vollkommen frei gewesen. Auf einmal hätte es einen Knall getan als ob einer einen Stein geworfen hätte. Dann erst hätte sie den Motorradfahrer hinter sich wahrgenommen und sei rückwärts zur Unfallstelle zurück gefahren. Der Motorradfahrer konnte sich aufgrund seiner vorübergehenden Bewusstlosigkeit vor Gericht an nicht mehr viel erinnern. „Ich habe ein Auto überholt, aber ich weiß nicht mehr, wie schnell ich war“, sagte er im Zeugenstand. „Ich weiß noch, dass da ein Auto heraus gefahren kam.“ Es tut mir unheimlich leid, was passiert ist, aber für mich gibt es keinen Motorradfahrer“, schaltete sich die Angeklagte mit dem Versuch einer Entschuldigung ein. Anders klang die Augenzeugin, welche von dem Motorradfahrer überholt wurde. Sie war von Bietigheim-Bissingen nach Freiberg unterwegs. Ihren eigenen Angaben nach mit etwa 70 bis 80 Stundenkilometern. Das Gras an dem Acker zu diesem Feldweg, aus dem die Rentnerin heraus kam, sei aber ziemlich hoch gewesen. Sie denke, die Rentnerin hätte vielleicht sie in ihrem Wagen gesehen, aber den Motorradfahrer nicht.

Motorradfahrer nicht zu schnell

Zu schnell gefahren ist der Motorradfahrer nach den Berechnungen eines Gutachters auf keinen Fall. Er konnte nur nicht damit rechnen, dass Hundespaziergänger auf die Landesstraße ausfahren. Polizeibeamte sagten aus, das Motorrad hätte sich zum Unfallzeitpunkt noch genau an der Unfallstelle befunden, das Auto der Angeklagten aber nicht mehr. Die Angeklagte hätte aufgrund eines Schocks auch nicht direkt bei der Unfallaufnahme vernommen werden können, sondern erst später zu Hause. Das Gericht kam eindeutig zu der Entscheidung, dass sie dem jungen Motorradfahrer die Vorfahrt genommen hat.

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