Für die Schüler von fünf Gemeinschaftsschulen von insgesamt 16 im Kreis Ludwigsburg kommt eine Regelung für die gymnasiale Oberstufe für ihre Schulform zu spät. Wenn sie Abitur machen wollen, müssen sie nach den Sommerferien entweder auf eines der sechs beruflichen Gymnasien des Kreises wechseln oder müssen die Klasse 10 in einem der 20 allgemeinbildenden Gymnasien absolvieren, um dort die Hochschulreife zu erlangen. Auch wenn das bedeutet, dass sie gegebenenfalls Klasse 10 wiederholen müssen. Lange wurde eine Entscheidung, auch an Gemeinschaftsschulen eine gymnasiale Oberstufe einzurichten, hinaus geschoben.

Anderes Schulsystem

Deshalb ist ein Schulwechsel zur zehnten Klasse des allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasiums nötig, solange es keine eigene Oberstufe gibt, was die Gewöhnung an ein anderes Schulsystem bedeutet. Die Zahl der Gemeinschaftsschüler im Kreis, die die gymnasiale Oberstufe besuchen wollen, ist noch nicht bekannt, da das kommende Schuljahr das erste ist, in dem Schüler in die Oberstufe wechseln. Zur Gründung einer zentralen Oberstufe für Gemeinschaftsschüler müssten es 60 Schüler sein.

Alle Rektoren der 16 Gemeinschaftsschulen fordern, dass auch in ihrem pädagogischen System das Abitur gemacht werden kann. Lösung könnte die Einrichtung von bis zu zwei Oberstufen an zentralen Standorten sein. Zwar müssten die Schüler dann auch den Schulort wechseln, das pädagogische Prinzip bliebe aber bis zum Abitur gleich.

„Wir an der Sandschule und an den GMS rundum  sind davon überzeugt, dass es für Schüler und Eltern wichtig und vor allem sinnvoll ist, eine gymnasiale GMS-Oberstufe für die Regionen des Landkreises anzubíeten. GMS ohne Oberstufe bliebe in der Art eines Progymnasiums eine Rumpf-GMS“, sagt Rektorin Isolde Steigelmann von der GMS im Sand in Bietigheim. Die Schüler müssten die Möglichkeit haben, „kontinuierlich weiterzulernen, wie sie es trainiert und schätzen gelernt haben“, sagt die Rektorin. „Die Pädagogik der GMS ist als echte Alternative zu Gymnasium und Realschule erst mit Oberstufe komplett und ganz erheblich für die Entscheidung der Eltern nach Klasse 4.“

Das ist auch Stephan Benders Meinung. Der Schulleiter der GMS Waldschule in Bissingen führt ein weiteres Argument an: „Der Kreis Ludwigsburg hat im Vergleich zu den übrigen Landkreisen mit die höchste Dichte an Gemeinschaftsschulen. Von daher ergibt sich aus meiner Sicht die begründete Notwendigkeit des Angebots zumindest einer zentral gelegenen Oberstufe der Gemeinschaftsschule, da diese zu dem Konzept der GMS gehört.“

„In den nächsten Jahren wird mindestens eine Oberstufe im Kreis eingerichtet“, sagt Hubert Haaga, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Ludwigsburg, ohne sich zeitlich festzulegen. Der Standort Bietigheim ist laut dem Schulamt in der Diskussion. „Die Einrichtung dieser Oberstufe in Bietigheim bietet sich beim Blick auf Landkarte und Nahverkehr von selbst an. Wo genau sie in der Stadt verortet ist, ist zweitrangig. Es gibt ja landesweit auch Erfahrungen damit, die Infrastruktur einer Schule, zum Beispiel eines Gymnasiums, zu nutzen für ein gemeinsames Angebot mehrerer Schulen“, sagt Steigelmann.

Bis diese zentrale Oberstufe für Gemeinschaftsschüler aber eingeführt wird, müssen vor Ort als Zwischenlösung die Kooperationen mit den allgemeinbildenden Gymnasien gefördert werden, woran die Schulleiter der Gymnasien durchaus interessiert sind, schließlich wäre eine gymnasiale Oberstufe an den GMS eine Art Konkurrenz.

Frank Hielscher, Schulleiter des Besigheimer Christoph-Schrempf­-Gymnasiums, beteiligte sich an der Dienstbesprechung „Gelingende Wege von der Gemeinschaftsschule in die Oberstufe“, einer Regionalinitiative des Kultusministeriums, genauso wie Renate Opiolla, Rektorin der GMS Friedrich-Schelling-Schule in Besigheim. „Bezüglich des Übergangs in die Oberstufe werden wir erst im nächsten Schuljahr in die konkrete Planung einsteigen, da die Besigheimer GMS erst in Klasse 9 angekommen ist“, sagt Hielscher. Dann sollen Hospitationsmöglichkeiten, Infoveranstaltungen und Beratungen den „Schülern der GMS zeigen, was auf sie im Gymnasium zukommt“. Sie müssten sich anpassen, so Hielscher.

Sogenannte Gelenkklasse

Auch in Bietigheim-Bissingen wurden Gespräche mit den Ellental-Gymnasien geführt, wie die Schulleiter Lutz Kretschmer und Matthias Helmle sagen: „Wir bieten inzwischen den ersten Schülern aus Gemeinschaftsschulen einen Einstieg in unsere Oberstufe an. Dabei ist vorgesehen, dass Absolventen der Gemeinschaftsschule in der Klasse 10 starten, die als sogenannte Gelenkklasse dient und mit der Gymnasiasten wie Gemeinschaftsschüler auf die Kursstufe vorbereitet werden.“