Unter dem Motto „Wie der Lump am Stecken“ zeigten die Gruppe „makel los“ (aus der „Brenz Band“), der Verein für Chancengleichheit „tragwerk“, der Verein „weltenküche“ und die Lebenshilfe Ludwigsburg am Samstag, dass Inklusion als großes Ganzes zu verstehen ist. In der Schule am Favoritepark musizierten und tanzten nicht nur behinderte mit nicht behinderten Menschen. Egal ob jung oder alt, deutsch oder Migrant – jeder machte bei den Workshops mit und am Ende tanzten alle tatsächlich wie der Lump am Stecken zum Spiel eines mehr als 50köpfigen Orchesters. Die Idee zu dem nunmehr acht Jahre lang andauernden Projekt hatte der Gründer der „Brenz Band“, und ehemalige Leiter der Schule am Favoritepark für geistig behinderte Kinder, Horst Tögel.

Marion Wirth hatte die Tänzer unter sich, Gertraude Hollstein die Instrumentalisten allgemein, Albrecht Fendrich die am stärksten besetzten Perkussionisten und Horst Tögel die Dulcimer-Spieler. Wer kein eigenes Instrument dabei hatte, bekam eins gestellt. Zusammen mit der Veeh-Harfe spielte der Dulcimer eine zentrale Rolle im Orchester, das beim Abschlusskonzert zum Tanz aufspielte. Für die Tänzer dachte sich Marion Wirth mit Hilfe einer CD von der Gruppe „makel los“ die Schritte so aus, dass sogar Authisten gemeinschaftsfähig wurden. Beim abschließenden Tanzfest mit dem Publikum herrschte richtig gute Stimmung und Horst Tögels Sorge, ob die Konzentration so lange anhält, erwies sich als unbegründet.

„Die eine Hälfte von uns ist behindert und die andere behauptet, sie sei es nicht:“ Dieses Zitat aus einem Buch der „Brenz Band“ stand für das Tanzfest am Samstagabend, bei dem gar nicht auffiel, wer behindert ist und wer nicht. Es war auch nicht wichtig. Schüler der Schule am Favoritepark fassten Zutrauen zu Gästen, die sie vorher gar nicht kannten, und gewannen beim Musizieren und Tanzen einen enormen Zuwachs an Selbstvertrauen. Ehemalige Schüler freuten sich, ihre Lehrer wieder zu sehen und fühlten sich immer noch wie zu Hause. Vom Genre her dominierte beim Tanzfest der „Bluegrass“. Tögel hatte ein Stück gefunden, das übersetzt „Koch endlich den Kohl fertig“ heißt und machte daraus den „Sauerkraut-Song“. Salvatore Pugliese, mit seinem Akkordeon sozusagen der Urknall der „Brenz Band“ präsentierte stolz ein „Spottlied“ aus Amerika, in dem das Motiv aus dem Volkslied „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ zu erkennen war. „Gunnar‘s Lied“ war beim Workshop ganz spontan entstanden und wurde vier Mal durchgespielt, bevor die Tänzer ihre Zuschauer mit in ihre Reihen nahmen. Französische Tänze mündeten in eine Riesen-Polonaise, für die der Platz kaum reichte. „I came from Alabama“ sang sich dabei die schier endlose Reihe über die „Camptown Races“ bis zum Abstieg „Von den blauen Bergen kommen wir“. Aus dem Walzertakt wollten die „Lumpen am Stecken“ am Ende gar nicht mehr raus, weshalb die Gruppe „makel los“ den Abend mit dem ruhigen Stück „La Giostra“ ausklingen ließ.

Damit geht das nächstjährige Projekt schon in Vorbereitung und die Organisatoren wären dankbar, wenn es mit der Finanzierung besser klappen würde. Stiftungsanträge zu stellen war dafür, dass es am Ende sowieso nichts gibt, sehr aufwendig. Über die Teilnahmegebühr von 20 Euro tragen sich die von Ehrenamtlichen geleiteten Workshops nicht von selbst.