Das Sturmtief „Bennet“ sorgte im letzten Jahr bei Bönnigheim für einen Kurzschluss, worauf in Freudental nichts mehr ging. Ohne Stromversorgung war auch das Mobilfunknetz ausgefallen, auch Heizungen, Kläranlage und die Tankstelle waren außer Betrieb. Für den Gemeinderat war dies ein Grund mehr, sich für einen solchen Fall beraten zu lassen.

Einen Krisenplan gibt es bisher für kaum eine Gemeinde im Landkreis. Im Jahr 2013 hatte das Regierungspräsidium zwar für die Kommunen schon solche Notfallpläne empfohlen, rechtlich gefordert sind sie aber bislang noch nicht.

Bereits im Herbst 2018 machte man sich in Freudental Gedanken darüber, was bei einem großen Unwetter oder auch einem Hackerangriff passieren könnte und welche Maßnahmen erforderlich wären. Zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr und der Verwaltung erarbeitete ab April dann das Büro RBS-Wave der EnBW einen Notfallplan „Stromausfall“, der die wichtigen Funktionen einer Gemeinde in so einem Fall aufrecht erhalten soll.

„Der Plan zielt nicht auf Minuten, sondern auf mehrere Stunden und Tage“, erklärte Raphael Hering von RBS Wave im Gemeinderat. Sämtliche Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens seien bei einem Stromausfall betroffen und die Wasserversorgung sei beeinträchtigt. Die Gefahr steige im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs, aber auch vor dem Hintergrund wachsender terroristischer Bedrohung, zeichnete er das düstere Szenario für eine Kommune. Es gebe daher „großen Handlungsbedarf“, so Hering, der den Plan anschließend erläuterte. Das Rathaus, die Gemeindehalle mit der nahen Heizzentrale sowie der Bauhof sollen in einem solchen Fall dann noch arbeiten können.

Die Halle solle als Unterkunft für Alte, Kranke und Frauen mit Kindern dienen und mit hunderten Feldbetten ausgestattet sein. Im Gaisgraben sollte ein mobiles Notstromaggregat die Stromversorgung aufrecht erhalten, das Gerätehaus der Feuerwehr auch als Krisenzentrum für die Verwaltung arbeiten. Die Wasserversorgung sei gesichert, so Hering, da die Bodensee-Wasserversorgung über eigenen Notstrom betrieben werden könne. „Die öffentlichen Gegebenheiten sind eine gute Voraussetzung, dass man mit wenig Aufwand eine Krisenvorsorge bei einem Blackout sichern kann“, so der Planer.

Ein Notstromaggregat, zwei Tanks für Dieselvorräte, Garagen für Geräte und Feldbetten müssten angeschafft und der Bezug von Diesel und Gasflaschen müsse sichergestellt werden. Ein Krisenhandbuch müsse erstellt werden und die Kommunikation sollte analog erfolgen, wie es auch nach Einführung des Digitalfunks bei der Feuerwehr noch mit Funkgeräten möglich wäre. Auf rund 81 000 Euro schätzte Hering die Kosten, um alleine ein mobiles Aggregat zu betreiben.

Den Strom von den PV-Anlagen der Gemeinde zu beziehen, schlug Andreas Büdenbender von der Bürgergruppe vor. Hier seien so große Batteriespeicher nötig, dass die Kosten ähnlich hoch wären, machte der Planer deutlich. Kritisch sei die Versorgung dann auch im Winter oder bei Dunkelheit, wenn kein Strom produziert werde.

„Es geht nicht darum, dass wir den Ort versorgen, sondern dass wir handlungsfähig bleiben und Personen aufnehmen können“, sagte Bürgermeister Fleig. Dafür habe man gute Voraussetzungen. „Irgendwann greift der Katastrophenschutz vielleicht ja doch mal“, so Alexander Fleig zu den brach liegenden Plänen im Land.

Das Gremium nahm die vorgestellten Pläne zur Kenntnis und will sich in diesem Jahr nochmal mit dem Thema beschäftigen.