Kreis Ludwigsburg Gemeindepsychiatrie in der Krise

Die Geschäftsstelle der Psychosozialen Netzwerk gGmbH. Das Unternehmen ist für das Lebenszentrum und die Tagesstätten verantwortlich.
Die Geschäftsstelle der Psychosozialen Netzwerk gGmbH. Das Unternehmen ist für das Lebenszentrum und die Tagesstätten verantwortlich. © Foto: Martin Kalb
Kreis Ludwigsburg / DOMINIQUE LEIBBRAND 26.06.2013
Niederschwellige Angebote für psychisch kranke Menschen sollen im Kreis ausgebaut werden. Die Zusammenarbeit der beteiligten Partner und Institutionen aber läuft nicht rund. Jetzt soll ein neues Konzept her.

In Sachen Gemeindepsychiatrie liegt im Landkreis Ludwigsburg offenbar einiges im Argen. In den Fokus sind dabei in der jüngsten Sitzung des Kreissozialausschusses am Montag die beiden Tagesstätten in Ludwigsburg und Ditzingen geraten. Sie stellen für psychisch Kranke Anlaufstellen dar, bei denen es schnelle, unbürokratische Hilfe gibt. Der Idee nach sollen die Tagesstätten das Herz der Gemeindepsychiatrie bilden. In den Augen der Landkreisverwaltung erfüllt aber vor allem die Stelle in Ludwigsburg diesen Auftrag bislang nicht.

Demnach sollen die Einrichtungen - sie werden vom Kreis mit jährlich 312 000 Euro bezuschusst - die einzelnen Träger im psychiatrischen Bereich stark vernetzen. Ziel sei, sie zu Zentren auszubauen, in denen die Anbieter verbindlich und mit geklärten Zuständigkeiten zusammenarbeiteten, heißt es in einer Vorlage an die Mitglieder des Sozialausschusses. Den Besuchern solle derart der Zugang zu unterschiedlichen medizinischen und therapeutischen Leistungen - dabei gehts um Arbeitsmöglichkeiten, Beratung und Begegnung - im Kreis erleichtert werden.

Tatsächlich siehts aber offenbar anders aus. In der Vorlage schreibt die Verwaltung: "Im Alltag der Tagesstätte (Ludwigsburg) liegen noch erhebliche Stolpersteine." Bislang seien keine Synergieeffekte entstanden. Die Kooperation unter den Partnern der Gemeindepsychiatrie sei bislang wenig gelungen, Angebote etwa des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi), der beim Landratsamt angesiedelt ist, oder der Theo-Lorch-Werkstätten, kämen nur sporadisch zustande.

Die Kreisräte und die Landkreisverwaltung selbst wollen das nun ändern. Dafür bedürfe es aber erst einer Übersicht, die zeige, welche Träger und Angebote es in Sachen Psychiatrie im Kreis überhaupt gebe, hieß es im Gremium. Die Ausschussmitglieder einigten sich darauf, dass die Verwaltung bis zur Sitzung im Oktober eine solche erstellt. In einem zweiten Schritt sollen sich die Mitarbeiter von Landrat Rainer Haas ein neues Konzept für die Gemeindepsychiatrie überlegen. Das liegt durchaus in deren Sinne. Aus Sicht der Landkreisverwaltung müssten die Möglichkeiten für einen Strukturwandel ausgelotet werden, wie in der Vorlage steht.

Um das zu erreichen, müssen im Hintergrund jedoch erst mal die Wogen geglättet werden. Ein Problemfeld: Bei der Diskussion im Sozialausschuss kam durch, dass die Kommunikation zwischen der Landkreisverwaltung und einem der Träger, der Psychosoziales Netzwerk gGmbH, derzeit gestört ist. Das gemeinnützige Unternehmen betreibt im Kreis unter anderem das neue Lebenszentrum, in dem psychisch kranke Menschen in Mietwohnungen untergebracht sind. Zum anderen die beiden Tagesstätten in Ludwigsburg und Ditzingen. Pleidelsheims Bürgermeister Ralf Trettner, der für die CDU im Sozialausschuss sitzt, stellte am Montag fest: "Da ist Sand im Getriebe." Es gebe erheblichen Gesprächsbedarf.

Im Landratsamt Ludwigsburg will man unterdessen kein Öl ins Feuer gießen. Mitarbeiterin Christiane Keuter bestätigt aber, dass es mit der gGmbH noch Abstimmungbedarf gebe. Es seien noch finanzielle Fragen zu klären. Aus Ausschusskreisen erfährt man, dass die gGmbH in den roten Zahlen stecken soll und sich mehr Unterstützung vom Landkreis erhofft. Geschäftsführer Stefan Blank drückt sich auf Nachfrage indes vage aus. Man befinde sich an einem Punkt, an dem man in unterschiedliche Richtungen blicke. Der weitere Prozess werde zeigen, wohin die Reise gehe.

Sicher ist indes: Im Zuge des anvisierten Strukturwandels will die Verwaltung die Versorgung im Kreis über die Grenzen von Ludwigsburg und Ditzingen (dort soll ein weiterer Öffnungstag eingeführt werden) ausdehnen. Der SpDi biete bislang in verschiedenen Kommunen, darunter Bietigheim, Marbach und Vaihingen, Kontaktstüble für psychisch kranke Menschen an, auch diese sollten bei Bedarf ausgebaut werden, so das Ansinnen. Zumal der Kreis im Vergleich zu anderen Kreisen bereits recht hohe Zuschüsse beisteuere, es in anderen Kreisen aber mehr Standorte für Tagesstätten mit besseren Öffnungszeiten gebe.

Um nun Schwung in die Sache zu bringen, sind die Ausschussmitglieder mehrheitlich dazu bereit, die finanziellen Ressourcen aufzustocken. Man wolle das Ganze ergebnisoffen prüfen. Ralf Trettner bat im Namen der CDU-Fraktion zudem darum, bei der nächsten Sitzung über die Gespräche, die mit der Psychosoziales Netzwerk gGmbH gelaufen seien, informiert zu werden. Das Fazit von Werner Nafz (FW) lautete derweil: Da Sand im Getriebe sei, solle man das doch bitte ölen.

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