Marken Geliebte Markenbotschafter im Netz

Bietigheim-Bissingen / Andreas Lukesch 21.08.2018

Kaum ein Unternehmen kommt heute ohne sogenannte Influencer (wörtlich übersetzt: Beeinflusser oder Einflussnehmer) auf einschlägigen Online-Portalen aus, will es seine Produkte vor allem einem eher jungen Publikum schmackhaft machen. Influencer und Blogger sind Markenbotschafter, die das Vertrauen einer großen Fangemeinde im Netz haben und besonders glaubwürdig auftreten, wenn sie das Produkt einer Firma tragen, verwenden, testen oder vorstellen.

Gerade in der Mode und der Kosmetik verdienen Influencer ein Vermögen mit ihren Blogs und Videos auf YouTube und Instagram – wenn sie gut sind. Das heißt, in der digitalen Erfolgswährung sozialer Medien, wenn sie genügend Menschen in aller Welt haben, die ihnen folgen, deren Beiträge teilen und abonnieren. Die Stars der Szene wie Sarah Harrison (Schmuck) oder Stephanie Davis (Sportbekleidung) bringen es jeweils auf mehr als eine Million Follower allein auf Instagram. Daniela Katzenberger gehört ebenfalls zu den Millionen-Influencern. Ihnen reicht es schon längst nicht mehr, ein paar Gratis-Produkte abzugreifen, sie müssen nicht um die Marken werben, die kommen zu ihnen.

Nicht jeder passt zur Marke

Auch heimische Unternehmen wie der Schuhhersteller Sioux und der Hemdenmarktführer Olymp kommen nicht mehr ohne Influencer aus. Das Geschäft mit ihnen ist längst professionalisiert. Erfolgreiche Blogger und Influencer lassen sich von Agenturen vermarkten, die unter anderem auf Messen auf die Suche nach neuen Geschäftspartnern gehen.

Mehr als ein Dutzend Blogger und Poster tragen regelmäßig den guten Namen von Olymp in alle Welt. Es ist eine handverlesene Gruppe an Botschaftern für die Marke aus Bietigheim-Bissingen. Denn längst nicht jeder, der auf Instagram in einem Olymp-Hemd steckt, ist ein guter Botschafter. „Wir schauen uns sehr genau an, mit wem wir zusammenarbeiten“, sagt Olymp-Marketing-Chef Marc Fritz. Die Reichweite ist ein Kriterium, aber der Blogger muss auch zur Marke passen, zur Philosophie und zur Zielgruppe.

So gehen Spezialisten in der Olymp-Zentrale gezielt auf die Suche nach geeigneten Bloggern und werten unzählige Beiträge und Kanäle aus. „Manche Influencer im Netz wenden sich direkt an uns, auch über Agenturen oder persönliche Gespräche kommen Kontakte zustande“, sagt Fritz. „Für uns sind die Qualität der Blogger und deren Beiträge wichtiger als die Quantität. Letztlich geht es um die Intensität der Zusammenarbeit.“

„Sie oder er muss schon zu uns und unseren Produkten passen. Eine Bloggerin, die Highheels bewirbt, ist sicher nicht die richtige für uns“, erklärt Maximilian Pfeiffer von Sioux.

Passt der Influencer zum Unternehmen, würden Rahmenvereinbarungen geschlossen, etwa was die Bewerbung anderer Produkte anbelangt. „Der Rest ist dem Influencer überlassen. Die Blogger schätzen ihre Freiheit, ihr Auftritt darf nicht allzu werblich sein. Das verschafft ihnen Authentizität und Vertrauen“, so Fritz.

Doch die digitalen Werber ersetzen klassische Marketinginstrumente nicht, auch wenn die Reichweiten schwindelerregend erscheinen mögen. „Fans im Netz lassen sich auch kaufen. Man muss sehr genau hinschauen“, sagt Pfeiffer, weshalb Sioux auch in überschaubarem Umfang in das Thema Influencer investiere.

Das natürlich auch vor dem Hintergrund, dass Mode- und Kosmetik-Influencer ein jüngeres bis sehr junges Publikum ansprechen. Doch die nehmen ihre Instagram-Erfahrung mit, wenn sie älter werden. Marc Fritz von Olymp ist deshalb davon überzeugt, dass die Bedeutung der Influencer im Netz noch lange nicht nachlassen wird. Für Unternehmen bedeute dies in der schnelllebigen Netzwelt, „immer auf den richtigen Kanälen unterwegs zu sein“.

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