„Nur Verwandte und Bekannte“, sagte ein 32-jähriger Syrer vor dem Ludwigsburger Schöffengericht zum Vorwurf des illegalen Schleusens. Wie viel Geld der Mann aus der Weststadt dafür kassiert hat, konnte ihm das Gericht nicht nachweisen.

Der Angeklagte wurde aus der Justizvollzugsanstalt Stuttgart vorgeführt, wo er seit fast sechs Monaten in Untersuchungshaft saß. Seitens der Polizei und der Stuttgarter Staatsanwaltschaft war so viel ermittelt, dass der Mann seit spätestens Anfang diesen Jahres von seiner Wohnung aus Ausländern gefälschte Dokumente beschafft und Schleuser engagiert hat. Dafür ließ er sich von den Flüchtlingen bezahlen.

Am 17. April ließ der Angeklagte zusammen mit gesondert Verfolgten mehrere Verwandte zunächst einmal nach Griechenland bringen. Die fünfköpfige Gruppe kam mit gefälschten Papieren über die Niederlande nach Deutschland und bezahlte dafür 5000 Euro pro Person. Einen Teil behielt der Ludwigsburger für sich. Zwischen Dezember und Mai, so die Anklage weiter, hätte der Syrer immer wieder Schleuser kontaktiert, um Leute in die Bundesrepublik zu bringen. Zum Beispiel zwei Brüder, die 11 000 Euro für ein Schiff nach Italien anbezahlten. Im März erhielt der Angeklagte den Auftrag, einen 25-jährigen, mutmaßlichen türkischen Staatsangehörigen über den Flughafen Frankfurt in die BRD zu bringen. 5000 bis 5500 Euro hätte das gekostet, erklärte der Beschuldigte. 4500 Euro davon hätte der Schleuser bekommen sollen. Doch der Vater des 15-Jährigen hätte nicht so viel bezahlen können.

26 000 Euro auf Konto

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die gefälschten Papiere immer in Bielefeld abgeholt hatte. Welche Geldbeträge er für das Einschleusen abkassiert hat, konnte nicht mehr festgestellt werden. „Es ging ihm nicht ums Geld“, erklärte die Verteidigung. Für die Fahrten nach Bielefeld hätte der Mann lediglich eine Aufwandsentschädigung bekommen.

Die Finanzermittlungen ergaben, dass rund 26 000 Euro außer­halb der üblichen Einnahmen auf dessen Konto geflossen sind. Ohne Geständnis, machte der Ankläger klar, hätte er mitnichten auf eine Strafe im bewährungsfähigen Bereich kommen können. Ein Jahr und zehn Monate ließen den bereits einschlägig vorbestraften Schleuser noch einmal mit einem blauen Auge davon kommen.