Openair-Saison Gänsehautmomente im Freien

Gabriele Szczegulski 12.07.2018

An diesem Donnerstag beginnt die große Openair-Veranstaltung Bietigheimer Wunderland. Für Künstler sind Freiluftauftritte wie in der Bietigheimer Altstadt etwas Besonderes. Die Ludwigsburger Band Tune Circus tritt dort am Freitagabend zum wiederholten Mal auf.  Die Band spielt auf vielen Openairs. Sänger Robert Reister sitzt mit seinen Bandkollegen an Wochenenden oft bis zu 19 Stunden im Bandbus, um von Festival zu Festival zu fahren und das ist keine Ausnahme: Dann geht es nach Duisburg, Eltville, Winterthur, Mannheim, Neuwied, Herrenberg, Mannheim, Pforzheim, Tschechien und die Schweiz, wo sie auch schon mal, so Reister, „mitten in den Bergen“ spielen.  „Ich liebe es, auf Openair-Bühnen aufzutreten“, sagt Reister, deshalb machen ihm diese „Höllenritte“  nichts aus, wie er sagt. Auch wenn Reister die Woche über einem Job in der Öffentlichkeitsarbeit des Klinikums Ludwigsburg nachgeht.

500 Auftritte hat Tune Circus seit ihrem ersten Konzert  im Jahr 2005 gespielt. Die Hälfte, so der Sänger, seien Openair-Konzerte gewesen. Dafür bewirbt sich die Band meist. „Mittlerweile werden wir aber auch eingeladen, weil wir so viele Festivals spielen und die Veranstalter uns kennen“, sagt Reister. Die größten Openair-Konzerte für Tune Circus seien beim Taubertal-Festival in Rothenburg, beim Rheinland-Pfalz-Openair vor Cro, Nena und Rea Garvey und bei den KSK Music Open in Ludwigsburg vor Clueso und Max Herre gewesen. „Da kommen schon mal 14 000 Besucher zu unserem Konzert.“

Krank vor Lampenfieber

Obwohl so ein Auftritt „total super“ sei, sei das Lampenfieber dann auch sehr groß. „Ich fühle mich Stunden vorher krank, habe Angst, keine Stimme zu haben“, sagt der Sänger, will aber auf solche Adrenalinschübe nicht verzichten. Es sei auch die Möglichkeit, für die Band, die sich dem Alternative Rock zugehörig fühlt, ihre eigenen Songs „unter die Leute zu bringen“. Das bringe viel mehr, so Reister, als jede CD. „Wenn dann plötzlich Tausende eine Liedzeile von dir mitsingen, das ist Gänsehaut pur“, sagt der 38-Jährige.

Gänsehaut pur: Denselben Ausdruck verwendet Gitarrist Rolf Iseler, mittlerweile 70-jährig, der früher bei den Shatters und jetzt bei Beatunion die Saiten zupft. Auch er findet die Atmosphäre auf einem Freiluftkonzert „viel besser, viel entspannter“ als in einer Halle. „Wenn ich von der Bühne, beispielsweise beim Marktplatzfest in Ludwigsburg, runterschaue, bekomme ich Gänsehaut pur.“

Für die Art Musik, so Iseler, die seine Band spielt, den Beat der 1960er-Jahre, sei der Sound, der bei einem Openair-Konzert entsteht, „optimal“. Vor allem so Iseler, seit es die moderne Technik gebe, die den Sound der Beatunion „filigran mache, da kommt kein Ton hallend zurück“. Früher, in den 1960ern und 1970ern, zur Urzeit der Shatters, sei ein Openair-Konzert noch „eine Qual vom Sound her“, gewesen. „Das hätten noch nicht mal die Roling Stones gut hingekriegt“, so der Gitarrist. Aber damals habe es auch kaum Openair-Konzerte gegeben. „Das ist ein Trend, der gut ist, so bekommen Bands die Möglichkeit, aufzutreten“, sagt er. Es sei auch gut, dass auf Stadtfesten, auf denen die Beatunion häufig spiele, ganz verschiedene Besucher kommen. „Wir erreichen auch viele junge Leute, die dann Smoke on the Water mitsingen, da freue ich mich immer sehr, wenn sie die alten Songs kennen“, so der Ludwigsburger.

Auch für seine Band seien Openair-Konzerte die Gelegenheit, aufzutreten. „Das ist schon ein Trend, dass Gemeinden nicht mehr nur die Blaskapelle spielen lassen, sondern dass immer mehr Veranstalter merken, dass mehr Leute kommen, wenn es Rock oder andere Musik gibt“, sagt der 70-Jährige. 

Beatunion und Tune Circus

Seit mehr als 50 Jahren macht Rolf Iseler Musik, zuerst in der Band Shatters. Ab 1965 waren die Shatters eine der Bands, die den Beat im Kreis Ludwigsburg prägten. Später gab es eine Reunion als Old Shatters. Drei dieser Mitglieder, Rolf Iseler, Jörg Fröscher und Manfred Bode, gründeten dann vor ein paar Jahren die Beatunion.

Die nächsten Auftritte der Beatunion sind am 7. Juli beim Möglinger Straßenfest, am 14. Juli bei der Oldie-Night in Großbottwar, am 22. Juli beim Asperger Stadtfest und am 27. Juli beim Kornwestheimer Weinfest.

Tune Circus gibt es seit 2005. Die Band wurde vom SWR zum Newcomer des Jahres gewählt, gewann außerdem den Deutschen Rock- und Pop-Preis und wurde mit dem Kulturpreis ihrer Heimatstadt Ludwigsburg geehrt.

Die nächsten Auftritte von Tune Circus in der Region sind am 13. Juli beim Bietigheimer Wunderland, am 14. Juli beim Stuttgarter Lichterfest und beim Feschtiiwaal in Herrenberg, am 21. Juli beim Stuttgarter Bohnenviertelfest.

Openair-Konzerte in der Region sind am 12., 13. und 14.Juli das Wunderland in der Bietigheimer Altstadt. Vom 27. Juli bis 4. August finden die KSK Music Open im Schlosshof in Ludwigsburg statt. sz

www.the-beat-union.com
www.tunecircus.de
www.ksk-music-open.de
www.bietigheim-bissingen.de/bietigheimer-wunderland

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