Der Fußballverein ist seine zweite Heimat. Schon in der Jugend hat Gerhard Pientsch beim FV Markgröningen 1919 gegen den Ball getreten. Anschließend hat er bei den Aktiven um Tore gekämpft und war zudem noch als Schiedsrichter auf dem Platz tätig.  Pientsch kennt die nunmehr 100-jährige Geschichte der Fußballer in der Schäferlaufstadt sehr genau und kann zu nahezu jedem Ausstellungsstück der Jubiläumsschau eine  Anekdote erzählen.

Es war am 4. Juni 1919 im „Gasthaus zur Sonne“, als 21 Sportfreunde die Grundlage für einen Fußballverein in Markgröningen legten, der damals noch eine eigene Abteilung in den Reihen des Turnvereins war. „Die Fußballer spielten auf dem Rugshart zwischen Markgröningen und Unterriexingen und mussten zu den Spielen die Tore immer vor die Stadt schleppen. Es gab auch nur einen Ball“, schildert Pientsch. Die Kicker traten in ihren Anfangsjahren in den blauen und gelben Stadtfarben Markgröningens an und wechselten erst später zu Trikots in den grünen und weißen Vereinsfarben.

Verein ins Register eingetragen

Als sich die Fußballer im Jahr 1920 dem Süddeutschen Fußballverband anschließen wollten, um in einer Liga gegen andere Mannschaften spielen zu können, ließen sie einen eigenen Verein ins Register eintragen. 1921 zogen die Ballsportler zudem ins Glemstal auf einen eigenen Platz um und waren fortan als die „Kicker hinter der Spitalmühle“ stadtbekannt. „Beim Einweihungsspiel des neuen Platzes war sogar der große VfB aus Stutttgart zu Gast, und es kamen weit über 1000 Zuschauer ins Glemstal“, betonte Helmut Schäfer, der die Jubiläumsausstellung des FV Markgröningen mit anderen konzipiert und zusammengestellt hat. 1925 schließlich wurde das erste Klubhaus der Fußballer eröffnet, das im Laufe der Jahre immer wieder um Anbauten ergänzt wurde, aber heute immer noch in seinen Grundfesten existiert. Auf 200 Mitglieder war der Verein in diesen Jahren bereits angewachsen.

Nach den Kriegswirren gründeten sich der FV Markgröningen im Herbst 1945 wieder und konnte sein im Dritten Reich verstaatlichtes Klubhaus für 300 D-Mark zurückkaufen. Die 1950er und 1960er Jahre zählen auch dank einer sehr erfolgreichen Jugendarbeit zu den Glanzzeiten des FV Markgröningen, denn die aktive Mannschaft schaffte den Aufstieg bis in die zweite Amateurliga. „1959 wurde der Platz im Glemstal um 90 Grad gedreht und ab diesem Zeitpunkt wurde in Ost-West-Richtung gespielt“, erinnert sich Helmut Schäfer.

Untrennbar mit diesen sportlichen Erfolgen ist der Name von Roland Zipfel verbunden. Der heute 82-Jährige war noch ein echter Straßenkicker, der von der Jugend bis in die alte Herren-Mannschaft alle Stationen beim FV Markgröningen durchlaufen hat und zu den Ausnahmetalente gehörte, an denen sogar der VfB Stuttgart Interesse hatte. Doch Roland Zipfel blieb seinem Heimatverein treu und war später auch als Trainer und Schiedsrichter lange Jahre im Einsatz. „Ausnahmetalente gab es in unserem Verein immer wieder. Jörg Bergen war beispielsweise ein sehr begabter Fußballer in unseren Reihen, der später mit Unterhaching sogar in der Bundesliga spielte“, so Gerhard Pientsch.

487 Sportler machen mit

Heute kicken die Fußballer der Schäferlaufstadt in der Kreisliga B und wünschen sich, wieder an die früheren sportlichen Erfolge anknüpfen zu können. Der Gesamtverein, der 1971 auch um eine Tennisabteilung erweitert wurde, zählt 478 Mitglieder. Allein 205 Jugendspieler treten in 19 Mannschaften von den Bambinis bis zu A-Jugend gegen den Ball. Mit dem „Glemstal Kickern“ wurde auch eine Damenmannschaft aus der Taufe gehoben.

„Unser Vereinsleben ist sehr rege. Die Harmonie stimmt und darauf sind wir stolz. Dies soll in unserem Jubiläumsprogramm in diesem Jahr zum Ausdruck kommen“, betonen Frank und Markus Adam, welche die unterschiedlichen Veranstaltungen mit dem offiziellen Festakt am 25. Mai in der Stadthalle, der anschließenden Sportwoche bis zum 2. Juni mit Turnieren sowie dem Konzert mit der Kultband „Brings“ aus Köln am 24. Mai 2019 zusammengestellt haben. „Natürlich haben wir auch Wünsche für die Zukunft. Unser Vereinsheim im Glemstal muss dringend saniert werden. Zudem ist es nicht ideal, dass unsere Spieler immer zwischen dem Glemstal und Sportgelände am Schwieberdinger Weg pendeln müssen. Dort gibt es seit 2011 einen Kunstrasenplatz. Wir Fußballer wollen eigentlich im Glemstal bleiben“, erklärt Gerhard Pientsch.

 

Info Die Jubiläumsausstellung des FV Markgröningen ist noch bis zum 19. April 2019 in der Volksbank Markgröningen zu sehen und vom 13. bis 18. Mai 2019 im Rathaus der Stadt. Unter www.fvm1919.de gibt es im Internet mehr Informationen zum Jubiläumsprogramm.

Ausstellung