Urteil Fünf Jahre für Missbrauch an Kindern

Schwieberdingen / Bernd Winckler 10.10.2018

Der Prozess gegen den 21-jährigen Schwieberdinger Auszubildenden in einer Kindertagesstätte wegen sexuellen Missbrauchs von Kleinkindern ist am Dienstag vor dem Stuttgarter Landgericht mit der Verurteilung des Angeklagten zu Ende gegangen.  Mit Abschluss dieses Prozesses ist erstmals in der Geschichte des Stuttgarter Landgerichts ein Verfahren im Bereich sexueller Verbrechen an Kindern von Anfang an bis zum Ende – einschließlich der Urteilsbegründung – nichtöffentlich verhandelt worden. Solche Geheimverfahren fanden bislang nur statt, wenn Angeklagte unter 18 Jahre alt waren

Einheitsjugendstrafe

Laut dem Urteilstenor ist der 21-Jährige, der zu den Tatzeiten 20 Jahre alt war, schuldig des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen. Dazu des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit Herstellen kinderpornografischer Dateien in weiteren zwei Fällen, sowie weiterer Verbrechen des sexuellen Kindesmissbrauchs und Besitzes pornografischer Schriften und Videos. Die verhängten fünf Jahre und sechs Monate gelten rechtlich als eine „Einheitsjugendstrafe“.

Gleichwohl hat die 4. Große Jugendschutzkammer bei ihm auch eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit gesehen – bedingt durch seine psychische Krankheit im Bereich eines „Asperger Syndroms“. Angeklagt war er wegen siebenfachen Kindesmissbrauchs von Kindern im Alter zwischen einem und drei Jahren. Die Taten endeten im März dieses Jahres, als eine Mutter von ihrer dreijährigen Tochter entsprechende Hinweise bekommen hatte und Anzeige erstattete. Geblieben waren jetzt laut dem Urteil drei schwere und zwei weitere Fälle.

Es handele sich laut dem Urteil um einen Angeklagten, der keine Vorstrafen hat und vor Gericht umfassend geständig war. Zudem sitzt er bereits seit sieben Monaten in Untersuchungshaft und  ist nach richterlichen Erfahrungen als Erstverbüßer besonders strafempfindlich. Diese Strafmilderung hat jetzt auch die 4. Große Strafkammer angewendet. In solchen Fällen gehen die Strafkammern in der Strafzumessung weit nach unten. Allerdings wog auch die Schwere der Straftaten gegen den Angeklagten, wie es die Vorsitzende Richterin bereits am ersten Verhandlungstag formuliert hatte, weshalb eine zur Bewährung aussetzbare Jugendstrafe nicht möglich war.

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