Gericht Freund der Schwester verprügelt

Asperg / bz 07.12.2018

Eine gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung zweier Brüder am verhassten Freund ihrer Schwester endete vor dem Ludwigsburger Jugendgericht. Der Freund der Schwester wehrte sich nämlich mit einer Strafanzeige unter anderem dagegen, dass er von den 22- und 25-jährigen Brüdern in ein Auto gezerrt und zum Asperger Freibad verfrachtet wurde. Dort musste er sich auf den Boden knien und wurde mit einem Vierkantholz geschlagen und getreten. Der 25-Jährige wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt, muss 2200 Euro ans Migrationszentrum Ludwigsburg bezahlen und zusammen mit seinem 22-jährigen Bruder gesamtschuldnerisch 2000 Euro Schmerzensgeld an den nun ehemaligen Freund seiner Schwester bezahlen.

Faustschlag auf den Kopf

Der vor Gericht als Nebenkläger auftretende Ex-Freund hatte seit 2016 eine Beziehung zu der Schwester der beiden Angeklagten. Vom älteren Bruder seiner Freundin bekam er im August 2016 dafür beim Burger King in Ludwigsburg gleich mal einen Faustschlag auf den Kopf.

Am 22. Dezember 2016 passten die Brüder den Freund ihrer Schwester dann am Asperger Bahnhof ab und zerrten ihn in ihr Auto. Sie fuhren mit ihm an eine abgelegene Stelle beim Freibad Asperg, wo er sich auf den Boden knien musste. Was in der Anklage der Stuttgarter Staatsanwaltschaft stand, nämlich dass der verhasste Freund der Schwester der Angeklagten mit einem Vierkantholz auf die Stirn geschlagen und am Kopf sowie am Oberkörper mit Füßen getreten wurde, gaben die Brüder nicht zu.

Die Verteidiger der Brüder baten das Gericht und die Staatsanwaltschaft um ein Verständigungsgespräch hinter verschlossenen Türen, was sie auch bekamen. Das Ergebnis: Im Großen und ganzen geständig, aber Schläge mit dem Vierkantholz gegen den Kopf hätte es keine gegeben. Nur gegen den Oberkörper. Tritte am Boden seien auch keine ausgeteilt worden.

„Wir wollten heiraten“, trat der Ex-Freund der Schwester in den Zeugenstand. „Diese Hindernisse werden mich mein Leben lang nicht mehr los lassen“. Er hätte am Asperger Freibad machtlos am Boden gelegen, bis ihn „irgendein Typ aufgegriffen“ und dafür gesorgt hätte, dass er seinen Kumpel anrufen kann. Für das Gericht war die Selbstjustiz – wohl aus traditionellen Gründen der beiden zerstrittenen, türkischen Familien – untragbar. „Hier gilt nicht irgendein Traditionsverständnis, sondern die Rechtsordnung“, sagte Jugendrichter Ulf Hiestermann, bei der Urteilsverkündung.

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