Viele Schulabsolventen reisen nach ihrem bestandenen Abitur erst einmal ins Ausland. Andere machen erst einmal eine Pause, arbeiten oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).

Ida Baggen aus Bietigheim-Bissingen hat sich auch für ein FSJ entschieden. Dies wird sie aber nicht in Deutschland absolvieren, sondern sie reist in das über 9000 Kilometer entfernte Land Guatemala. „Ich werde dort im Bergdorf Cabrican wohnen. In Cabrican leben circa 5000 Einwohner und das Dorf ist umgeben von wunderschöner, südamerikanischer Natur“, erzählt Ida Baggen. Die 18-Jährige wird in Guatemala in der Grund- und Mittelschule als Lehrerin arbeiten und Englisch unterrichten.

„Die Bevölkerung in Guatemala ist zum großen Teil indigen. Die Kinder können dort leider oft nicht die Bildung erhalten, die sie bräuchten, um anschließend im Land oder auch im Ausland zu arbeiten. Viele Guatemalteken wandern auch in die USA aus, um zu arbeiten“, so Baggen.

Um sich mit den Kindern und Jugendlichen zu verständigen, belegt die 18-Jährige zudem vor Ort erst einmal einen zweiwöchigen Spanischkurs. Trotzdem kann die Kommunikation vor Ort, laut Ida Baggen, knifflig werden: „Oft sprechen die Kinder natürlich noch einen starken indigenen Akzent, also nicht das klassische ‚hoch-spanisch’, das ich dann lerne. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir trotzdem gut kommunizieren können.“

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Die Bietigheimerin hat sich bereits umfassend mit Kultur und Menschen im Vorfeld auseinandergesetzt, um die fremde Kultur zu adaptieren. Auch Habseligkeiten sind schon gepackt oder es wird geplant, was alles in den Rucksack kommt. Eigentlich hatte die Abiturientin vor, ihr FSJ auf dem afrikanischen Kontinent anzugehen, jedoch hielten sie diverse Gründe eher davon ab: „Ich bin von Afrika total begeistert. Die Kultur, die Menschen und die politischen Strukturen; das alles fasziniert mich sehr. Ich habe eigentlich ein FSJ in Südafrika angestrebt, was mich am Ende aber doch davon abhielt, war der Sicherheitsaspekt, der außerhalb der Großstädte dann doch nicht gegeben war.“

Auch in Guatemala sei es natürlich ganz anders als in Europa: „Guatemalas Kultur ist völlig anders als unsere westliche. Jedoch kann ich mich dort total sicher fühlen. Vor Ort bin ich bei drei Nonnen untergebracht, eine von ihnen ist auch die Rektorin der Schule, an der ich arbeiten werde. Sie sind in Cabrican etabliert und unterstützen den Ort wo sie nur können.“ Die Bietigheimerin reist mit der kleinen Organisation „Padre Pedro Guatemalahilfe“, die auch in Bietigheim-Bissingen aktiv ist.

Ida Baggen ist außerdem die einzige Freiwillige, die in dem kommenden halben Jahr in Guatemala sein wird. „Seminare, wie es große Organisationen anbieten, hatte ich in diesem Sinn nicht. Ich konnte jedoch viel mit Freiwilligen sprechen, die dort bereits waren und zu 100 Prozent begeistert waren. Ich habe auch schon Guatemalteken kennengelernt, die hier in Deutschland zu Besuch waren und die Regionen und Spender kennenlernen konnten, die es ihnen in ihrem Heimatland ermöglichen, mittels Stipendien zu studieren“, so Baggen.

„Ich möchte nach dem FSJ gerne Politikwissenschaften studieren und eventuell im Journalismus tätig sein. Die politischen Strukturen und die Kultur in Guatemala sind das, worauf ich am neugierigsten bin. Ich bin aber auch sehr gespannt, neue Leute kennenzulernen und auch Teil deren Alltag zu sein und mich auf etwas völlig Neues einzulassen.“ Für Ida Baggen ist es wichtig, nicht den Weitblick zu verlieren und offen für Anderes, Neues und Unerwartetes zu sein.

Rückkehr im März 2020

Die Bietigheimerin wird am 1. September in ihr Abenteuer in Südamerika starten und im März 2020 wieder zurückkommen. Nach ihrem absolvierten FSJ will Ida Baggen mit ihrer Schwester das Land Guatemala aber auch noch als unabhängiger Backpacker erkunden und die dortige Berglandschaft mit paradiesischen Karibikstränden gemeinsam genießen. Sie ist enthusiastisch und freut sich auf die kommende Zeit: „Die Abizeit war schön, ich bin aber froh dass es jetzt weitergeht. Ich freue mich sehr auf die Zeit in Guatemala und kann es kaum erwarten, bis es endlich los geht.“