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Kreistagswahl
Ludwigsburg / fr/sz/itz  Uhr

Prominent besetzt war das Bewerberfeld für die Kreistagswahl. Neben vielen Bürgermeistern stand der Bieitgheim-Bissinger OB Jürgen Kessing, der Landtagsabgeordnete Fabian Gramling, der Polizeipräsident Frank Rebholz und die Ludwigsburger Stadtspitze mit OB Werner Spec und Bürgermeister Michael Ilk zur Wahl in den 14 Wahlkreise und 39 Gemeinden im Landkreis. Erst gegen 18 Uhr am Dienstag waren alle Wahlkreise ausgezählt.

Dann stand fest, dass die Freien Wähler mit 24,72 Prozent (2014: 24,31) und 27 Sitzen (2014: 26) neue stärkste Fraktion werden. Der bisherige Primus, die CDU, musste deutliche Verluste hinnehmen und landet mit 24 Prozent (30,61) und 26 Sitzen (32) knapp geschlagen auf dem zweiten Platz. Die Grünen sind auch bei der Kreistagswahl die großen Gewinner. Mit 21,34 Prozent verbesserten sie ihr Ergebnis von 2014 (15,72) um fast sechs Prozentpunkte und haben nun 21 statt 16 Kreisräte.

Auf Platz vier folgt die SPD die von 18,04 Prozent auf 14,42 Prozent und von 18 auf 16 Sitze fällt. Die FDP kann sich im Kreistag verbessern. Die Liberalen kommen auf 8,41 Prozent und damit zweieinhalb Prozentpunkte mehr als 2014 (5,95) sowie 8 statt bislang 6 Mandate. Eine kleine Verbesserung erreichte auch die Linke, die sich von 3,88 Prozent auf 4,24 Prozent steigerte und bei 4 Sitzen bleibt. Der AfD gelangen auf Anhieb 2,88 Prozent der Stimmen und hat nun 3 Vertreter im Gremium.

CDU zeigt sich enttäuscht

Enttäuscht zeigte sich der Fraktionsvorsitzende der CDU, Manfred Hollenbach. „Wir haben uns schon mehr erhofft“, sagte der ehemalige Bürgermeister von Murr im Gespräch mit der BZ. Den Bundestrend bei den Wahlen am Sonntag möchte er als Erklärung aber nicht gelten lassen. Viel schwerer habe der Trend gewogen, sich nicht bei Parteien zu engagieren, deswegen habe man eine Reihe von Leuten nicht auf die Liste bekommen, die früher für die CDU angetreten wären.

Dabei spielt er auf die Freien Wähler und die Ludwigsburger Spec und Ilk an, die schon alleine 22 000 Stimmen erhalten haben. „Damit holt man jeden Rückstand auf“, sagt Hollenbach. Auch Frank Rebholz, Stimmenkönig für die Grünen sei früher für die CDU angetreten. Ein weiterer Grund für das unbefriedigende Ergebnis der CDU seien auch der große Werbeetat, etwa der Freien Wähler, die viel geworben hätten, mehr als die Parteien.

Karl-Heinz Balzer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, hat die Auszählung am Bildschirm verfolgt: „Die Bürger scheinen die sachliche Arbeit der Freien Wähler zu schätzen“. Besonders freute er sich über das gute Ergebnis der beiden Ludwigsburger Zugpferde Ilk und Spec. „Die Freien Wähler tun sich ja in größeren Städten immer etwas schwerer, da haben die beiden sicher sehr geholfen“. Für die zukünftigen Aufgaben sieht er seine Fraktion aber nicht in einer dominanten Rolle.

Natürlich erwachse aus dem besten Ergebnis auch eine gewisse Verantwortung.  Aber zum einen sei man auch schon vorher Teil des starken bürgerlichen Lagers gewesen und zum anderen würden die Entscheidungen im Kreistag eher nach Sachkriterien als nach Fraktionsvorgabe entschieden. Wer nun Fraktionschef werde, entscheide sich erst noch. Ein Stimmkönig sei nicht automatisch dafür vorgesehen, denn es gehe auch darum, wer Zeit für das Management der Fraktion habe und vermittelnd wirken könne. Auch bei der Landratswahl ist Balzer vorsichtig. Er hoffe es gebe viele qualifizierte Kandidaten und man könne sich mit den anderen Parteien auf einen oder eine einige. Dieser Einigung stehe auch nicht entgegen, dass das bürgerliche Lager im Ludwigsburger OB-Wahlkampf gespalten sei.

Große Freude bei den Grünen

Brigitte Muras, noch amtierende Fraktionsvorsitzende der bisher 16 Grünen im Kreistag, sitzt beim Anruf der BZ am Computer und bekommt zeitgleich das Ergebnis der Kreistagswahl. Ihre Stimme gluckst vor Freude: „Unser Frank Rebholz ist der Stimmenkönig der Wahl, das gab es für die Grünen noch nie.“ Gleich bei seiner ersten Kreistagswahl hat der ehemalige Ludwigsburger Polizeipräsident 15 573 Stimmen auf sich vereinigt, kein anderer Kandidat erreichte so viele Stimmen. Ob er nun der neue Fraktionsvorsitzende der Partei wird, sei noch vollkommen offen, denn „bei uns ist der Stimmenkönig nicht automatisch der Boss“, so Muras.

Dass die Grünen nun vor der SPD drittstärkste Partei im Kreistag sind, „erfüllt mich mit Stolz“, sagt sie, „und gibt uns eine größere Stärke, wenn wir Anträge stellen. Allerdings muss man schon sagen, dass diese beiden Parteien CDU und Frei Wähler das konservative Lager bilden und oft gemeinsam abstimmen, aber wir kommen gestärkt aus dieser Wahl und lassen uns nicht abspeisen.“ Die Grünen konnten bei der  Kreistagswahl 21 Sitze erringen.

Die Freude über den Erfolg der Grünen an diesem Wahlsonntag zeige, „dass wir vieles richtig gemacht haben, schon lange Zeit Probleme auf unserer Agenda haben, die nun die jungen Menschen, aber auch ältere als ihre Themen ansehen, wie den Klima- und Umweltschutz“, sagt sie.

„Wir sind glaubwürdig und solide in unseren Grundanschauungen, das hat überzeugt“, so Brigitte Muras.

Für die SPD setzt sich mit der Kreistagswahl der Trend des Sonntags fort. Macit Karaahmetoglu, Kreisvorsitzender, muss dann auch erstmal schlucken, als er von der BZ das Ergebnis der Wahl erfährt. „Die Gründe dafür liegen aber nicht in der Region“, sagt er. Er habe schon vor dem Eintritt in die Große Koalition eben davor gewarnt. Die Regierung tue der SPD nicht gut und mittlerweile auch der CDU nicht mehr.

„Wir müssen wieder in die Opposition und uns neu sortieren. In der Opposition hat man auch Zeit zum Träumen“, so Karaahmetoglu. Wenn die Grünen glauben es besser zu könnten, sollten sie sich erstmal beweisen in Berlin, so der SPD-Kreisvorsitzende.

Im Kreistag werde sich seiner Meinung nach nicht so viel verändern, weil dort die Parteibarrieren nicht so groß seien und man mit allen demokratischen Parteien zusammenarbeite.

Der Ingersheimer Bürgermeister Volker Godel, bislang Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Kreistag, zeigte sich am Dienstag sehr zufrieden mit dem Gesamtergebnis. So bekam die FDP 2014 noch 5,95 Prozent  der Stimmen, bei der Wahl am Sonntag kletterte der Stimmenanteil auf 8,41 Prozent, was einem Anstieg der Sitze von 6 auf 8 bedeutet.

Godel  sagte weiter, dieser Aufwärtstrend für die FDP habe sich schon bei der Gemeinderatswahl in Ludwigsburg abgezeichnet. Dort erreichte die FDP bei der Kommunalwahl 8,86 Prozentpunkte und konnte ihre Sitzanzahl auf vier verdoppeln.

In Godels Wohnort Ingersheim konnten die Liberalen bei der jetzigen Kreistagswahl 18,59 Prozent einfahren.  Im Vergleich zu 2014 (18,54 Prozent) zwar nur eine leichte Steigerung, aber das höchste FDP-Ergebnis im Landkreis überhaupt.

Auf die Frage, ob er im Kreistag auch wieder Fraktionsvorsitzender wird,  zeigte sich Volker Godel zurückhaltend. Er stehe gerne zur Verfügung, dies müsse aber die neue Fraktion entscheiden.

Sie vertreten die Bürger im Kreistag: Die 105 Kreisräte aus den 14 Wahlkreisen

Wahlkreis 1 Ludwigsburg: CDU: Hans Schmid (11 347 Stimmen), Claus-Dieter Meyer, (8813), Klaus Herrmann (8556); Freie Wähler: Michael Ilk (11 714), Werner Spec (11 331), Florian Lutz (7364); SPD: Stefanie Liepins (8776), Alexandra Metzger (6724); Grüne: Frank Rebholz (15 573), Anke Baumgart (12 168), Dr. Uwe Stoll (12 068), Sonja Henning (11 456), Lidija Kalkofen, (10 640), Dr. Christine Knoß (8471);
FDP: Jochen Eisele (6499), Johann Heer (4509); Linke: Andreas Frisch (3249), Dörte Maisuraje (3076).

2 Kornwestheim: CDU: Dietman Allgaier (7166), Martin Ergenzinger (2688); Freie Wähler: Julian Göttlicher (2476);SPD: Robert Müller (4485);  Grüne: Edda Bühler (3291); FDP: Ender Engin (1761).

3 Bietigheim-Bissingen: CDU: Joachim Kölz (6771), Fabian Gramling (5814); Freie Wähler: Dr. Vassilios Amanatidis (7339), Eberhard Blatter (3344); SPD: Jürgen Kessing (10 412); Thomas Reusch-Frey (5309); Grüne: Reiner Theurer (4661).

4 Ditzingen: CDU: Konrad Epple (10 294), Rudolf Sickinger (5833); Freie Wähler: Petra Bischoff (7271), Horst Kirschner (4289); SPD:  Erika Pudleiner (3571); Grüne: Doris Renninger, (7342), Dr. Ewald  Bischoff (4399); FDP: Dr. Horst Ludewig (3262).

5 Vaihingen: CDU: Stefan Leibfried (5988), Andreas Beck (4402); Freie Wähler: Gerd Maisch (11 431), Eberhard Zucker (6167), Jürgen Scholz (6036); SPD: Veronika Wernstedt (2859); Grüne: Susanne Schwarz-Zeeb (4897); FDP: Helga Eberle (2966);
Linke: Peter Schimke (2297); AfD: Walter Müller (4424).

6 Korntal-Münchingen: CDU:Thomas Schäfer (8493), Nico Lauxmann (6319), Martin Hönes (5121), Marianne Stellmacher (4666), Freie Wähler: Werner Nafz (5017);
SPD: Egon Beck (4317), Grüne: Harald Wagner (3039); FDP: Viola Noack (3090); AfD: Andreas Schönberger (3738).

7 Markgröningen: CDU: Claudia Häcker (3104);
Freie Wähler: Rainer Gessler (5081), Eberhard Weigele (3176); SPD: Ingrid Farian (1820); Grüne: Brigitte Muras (3202).

8 Asperg: CDU: Dr. Klaus Müller (2544); Freie Wähler: Günter Pfersich (4347); SPD: Gerhard Jüttner (2127); Grüne: Jürgen Walter (3734), Michael Klumpp (2620).

9 Sachsenheim: CDU: Martin Queißer (5123), Hans-Günter Neumann (3537); Freie Wähler: Holger Albrich (6655), Rainer Schäuffele (5363); SPD: Dorothea Bechtle-Rüster (2163); Grüne: Karin Brenzke-Rösinger (2909); Linke: Wolfram Scheffbuch (1411).

10 Besigheim: CDU: Steffen Bühler (12 257), Robert Feil (4488); Freie Wähler: Boris Seitz (4539), Werner Möhrer (4418); SPD: Christian Herbst (5008); Grüne: Helmut Fischer (3689).

11 Steinheim: CDU: Manfred Hollenbach (9405), Markus Kleemann (6890); Freie Wähler: Ralf Zimmermann (7090), Stefan Apfelbach (6803), Thomas Winterhalter (6803); SPD: Thomas Utz (2100); Grüne: Rainer Breimaier (3994); AfD: Beate Maier (3524).

12 Freiberg: CDU: Ralf Trettner (6771); Freie Wähler: Dirk Schaible (7962); SPD: Ralf Majer-Geißer (2516); Grüne: Fabian Obenland (2358); FDP: Volker Godel (3228).

13 Marbach: CDU: Horst Stegmaier (3225); Freie Wähler: Jan Trost (5349), Klaus Warthon (4702); SPD: Ernst-Peter Morlock (2937); Grüne: Jürgen Waser (2368).

14 Remseck: CDU: Karl-Heinz Schlumberger (5158); Freie Wähler: Karl-Heinz Balzer (5142), Steffen Döttinger (4803); SPD: Ramona Schröder (2448); Grüne: Swantje Sperling (3600); FDP: Erika Schellmann (2768). bz