Mundelsheim Freibad muss noch warten

Zwei Jungs balgen im Becken: Das Mundelsheimer Freibad muss saniert werden, das wird wohl richtig teuer.
Zwei Jungs balgen im Becken: Das Mundelsheimer Freibad muss saniert werden, das wird wohl richtig teuer. © Foto: Martin Kalb
Mundelsheim / ROLAND WILLEKE 05.07.2014
Seit 62 Jahren freuen sich die Mundelsheimer über ihr Freibad. Inzwischen ist es so in die Jahre gekommen, dass eine grundlegende Sanierung fällig ist. Die Kosten könnten bei einer Million Euro liegen.

Als am 28. Juni 1952 das Mundelsheimer Freibad eröffnet wurde, hatten die Gemeinde und ihr Sponsor, die Firma Karl Epple, rund 137 000 Mark, also etwa 70 000 Euro, dafür ausgegeben. Damit wäre man bei der jüngsten großen Sanierung im Jahr 1991 nicht mehr sehr weit gekommen. Knapp 2,7 Millionen Mark, das sind 1,37 Millionen Euro, ließ sich die Gemeinde die Komplettsanierung damals kosten.

Heute, 23 Jahre später, steht wieder eine Sanierung an. Die Technik liegt fast darnieder, und die Folienauskleidung der Becken muss dringend erneuert werden, wie man in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Donnerstag erfuhr. Außerdem kämpft man gegen unerklärliche Wasserverluste und Setzungserscheinungen des Beckenkopfes, die den vom Gesundheitsamt geforderten gleichmäßigen Abfluss über die Überlaufrinne erschweren.

Dass man sich auch jetzt wieder mit großen Zahlen wird auseinandersetzen müssen, hat Kämmerer Martin Braunbeck wohl schon geahnt. 571 000 Euro hat er im Haushalt für das Freibad bereitgestellt. Doch, wie eine Präsentation des Bäderspezialisten Thomas Pickel vom Büro L & P Beratende Ingenieure aus Haar bei München zeigte, reicht dieses Geld allenfalls für die drittbeste Lösung.

Drei Alternativen hat Ingenieur Pickel ausgearbeitet. In der billigsten Variante werden Wände und Boden des Mehrzweckbeckens mit einer neuen Folie ausgekleidet. Der Beckenkopf bleibt, wie er ist. Die Kosten werden auf 456 000 Euro geschätzt. Auf die Setzungen kann bei dieser Variante nach wie vor nicht reagiert werden, und das Bad muss weiterhin mit den bereits 23 Jahre alten Kunststoffleitungen leben.

Variante zwei sieht einen höhenverstellbaren Beckenkopf aus Edelstahl vor, womit das Problem der Setzungen gelöst wäre. Auch hier bleibt das alte Leitungsnetz unangetastet. Die Kosten wurden mit 741 000 Euro angegeben.

Am teuersten wird Variante drei mit einem höhenverstellbaren Beckenkopf aus Edelstahl und der vollständigen Auskleidung des Beckens mit Edelstahl. Die alten Leitungen werden hier nicht mehr gebraucht, da Edelstahlbecken über andere Anschlüsse verfügen. Die Kosten sollen 1,043 Millionen Euro betragen. Dafür habe die Edelstahllösung eine Lebensdauer von 50 bis 60 Jahren, während Folien nach 15 bis 20 Jahren erneuert werden müssten, erklärte Thomas Pickel. Alle drei Varianten beinhalten die Sanierung des Kinderplanschbeckens und der Badewassertechnik.

Wenn der Gemeinderat zügig entscheide, so der Ingenieur, könne bis September die Entwurfsplanung fertiggestellt werden, so dass man Anfang kommenden Jahres ausschreiben könne. Der eigentliche Umbau sei dann in der Zeit zwischen September 2015 und Mai 2016 möglich.

Der Bürgermeister Holger Haist sieht den Gemeinderat vor die Grundsatzfrage "Machen wir den großen Wurf oder machen wir ihn nicht?" gestellt. Im Gremium zeichnete sich eine Tendenz zur Komplettsanierung mit Edelstahl ab. Die scheidende Gemeinderätin Elke Kölbl rechnete vor, dass die Edelstahllösung nicht teurer sei, wenn man die längere Lebensdauer berücksichtige.

Bei aller Sympathie für Edelstahl mochte der Gemeinderat sich aber noch nicht entscheiden. "Einen Beschluss dieser Tragweite sollte der neue Gemeinderat fassen", erklärte Roland Helber, bisher stellvertretender Bürgermeister, der dem neuen Gemeinderat nicht mehr angehören wird. Damit verschiebt sich die Sanierung um ein Jahr. "Mit Hängen und Würgen" werde das Freibad in seinem jetzigen Zustand wohl noch zwei Sommer überstehen, meinte dazu der Ingenieur.

Für Holger Haist ist indes eines klar: "Wir müssen etwas machen, wenn wir das Freibad erhalten wollen." Und das wollen die Mundelsheimer.