Schwerpunkt Frankreich Französische Spuren: Von den Galliern bis de Gaulle

Deutsche und französische Fahnen 2017 an der Sternkreuzung in Ludwigsburg.
Deutsche und französische Fahnen 2017 an der Sternkreuzung in Ludwigsburg. © Foto: Martin Kalb
Kreis Ludwigsburg / Von Uwe Mollenkopf 07.07.2018

Die Zukunft unserer beiden Länder, der Grundstein, auf dem die Einheit Europas gebaut werden kann und muss, und der höchste Trumpf für die Freiheit der Welt bleiben die gegenseitige Achtung, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk.“ Das sagte der französische Staatspräsident Charles de Gaulle in seiner viel beachteten Rede am 9. September 1962 in Ludwigsburg. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg, und die deutsch-französischen Begegnungen in der Region fielen oft alles andere als herzlich aus. Eine Spurensuche.

Als sie noch Sueben hießen und ihren Schwerpunkt an der Elbe hatten, waren die Schwaben richtige „Streithammel“. Bei ihrem Eintritt in die Weltgeschichte im 1. Jahrhundert vor Christus rückten sie unter ihrem König Ariovist ins Elsass ein, damals von den Galliern, den Urahnen der Franzosen, bewohnt. Der „Ausflug“ endete mit der Niederlage gegen den Römer Julius Cäsar 58 vor Christus bei Mühlhausen.

Doch es gab auch friedlichen Austausch in frühester Zeit. Jedenfalls berichtet der römische Geschichtsschreiber Tacitus davon, dass im 1. Jahrhundert nach Christus Menschen von jenseits des Rheins (und der Donau) ins damals von den Römern beherrschte Dekumatland, wie der Südwesten damals hieß, einwanderten. „Die abenteuerlustigsten Gallier, die die Not kühn gemacht hat, haben den Boden, dessen Besitz umstritten war, besetzt“, schreibt Tacitus.

Nach dieser chaotischen Frühzeit hatten im Mittelalter Franzosen und Schwaben eher weniger miteinander am Hut. Mit einer Ausnahme: Graf Eberhard III. von Württemberg (1392 bis 1417) erwarb die Grafschaft Mömpelgard (Montbéliard) in Frankreich – ganz friedlich durch ein Eheversprechen. Diese mittelalterliche Variante einer Jumelage hielt bis 1793. Daran anknüpfend, entstand nach dem Zweiten Weltkrieg die Verbindung zwischen Ludwigsburg und Montbéliard als erste deutsch-französische Städtepartnerschaft überhaupt.

Überraschender Weise hatte das katholische Frankreich die Hände im Spiel, als Württemberg protestantisch wurde. Das Heer unter Landgraf Philipp von Hessen und Herzog Ulrich, das 1534 ins damals österreichische Württemberg einrückte, um Ulrich den Thron zurückzuerobern und dem Land die evangelische Religion zu bringen, wurde vom französischen König Franz I. finanziell unterstützt, um die Österreicher zu schwächen. Mit dem Sieg bei Lauffen ging die Rechnung auf.

Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 48) griff Frankreich zu diesem probaten Mittel, um den Krieg zu verlängern – mit verheerenden Folgen für die Region, die unter Einquartierungen, Übergriffen, Hunger und Seuchen litt. Nur wenige Jahrzehnte, nachdem man sich einigermaßen erholt hatte, standen dann französische Heere selbst vor der Tür, als König Ludwig XIV. Kriege gegen das Reich führte. Durch französischen Invasionen 1688 und 1693 ging beispielsweise die Zahl der Großingersheimer Bürger von 111 (1688) auf 55 (1697) zurück.

Monrepos und Favorite

Französische Spuren aus dieser Zeit waren indes nicht nur kriegerischer Art. So schwappte französische Mode in absolutistischer Zeit auf Württemberg über, etwa im Schlossbau und in der Sprache. Mit der Folge, dass man heute die Barockschlösser in Ludwigsburg bewundern kann, von denen zwei französische Namen haben (Favorite und Monrepos).  Auch französische Glaubensflüchtlinge kamen ins Württembergische, wie Ortsnamen wie Pinache, Perouse oder Serres im Enzkreis immer noch verraten.

Ins Kapitel Gefechte und Gemetzel gehört dann wieder die Napoleonische Zeit, in der der Franzosenkaiser höchtspersönlich in Ludwigsburg erschien. Wenn sie nicht als Eroberer kamen, kamen Franzosen im 19. und 20. Jahrhundert als Gefangene in den Kreis. So waren im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kurzfristig fast 900 französische Kriegsgefangene auf dem Hohenasperg interniert. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg sollte sich das fortsetzen. Auch im Bietigheimer Durchgangslager Laiern, an das jetzt ein Mahnmal erinnert, waren Franzosen.

Französische Truppen waren es schließlich, die im April 1945 den Zweiten Weltkrieg in der Region beendeten, womit ein neues Kapitel friedlicher Beziehungen zum Nachbarland beginnen konnte. Mit de Gaulles Versöhnungsofferte erhielt es einen entscheidenden Schub.

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