Verhaltener Jubel bei den Musikschulen im Land: Eine lange Kampagnenarbeit von Seiten des Landesverbands der Musikschulen Baden-Württembergs, bei der auch die Musikschulen direkt einbezogen waren, trägt Früchte. Der Landtag von Baden-Württemberg hat den Beschluss der Regierungsfraktionen über die Erhöhung der Landesförderung ab 2020 verabschiedet. Der bisherige Fördersatz von zehn Prozent der Personalkosten für die Musikschulen Baden-Württembergs wird bereits ab diesem Jahr auf 12,5 Prozent angehoben.

Für die Stadt Bietigheim-Bissingen beispielsweise bedeuten diese zwei Prozentpunkte mehr Landeszuschuss 50 000 Euro mehr für die Personalkosten der Musikschule, wie Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen, auf Anfrage der BZ sagt, „insgesamt gibt es also 250 000 Euro vom Land“. „Die Arbeit der Musikschule wird dadurch im nächsten Jahr gesichert, eine Gebührenerhöhung könnte eventuell ausgesetzt werden“, sagt Hochmuth.

In den nächsten Wochen berät der Gemeinderat, so Hochmuth darüber, ob die Musikschulgebühren erhöht werden. Auch in den benachbarten Musikschulen Besigheim und Bönnigheim wird demnächst über eine Gebührenerhöhung entschieden. Der Zuschuss des Landes bemisst sich immer prozentual an den jeweiligen Personalkosten der Musikschulen.

35 Prozent von der Stadt

Die Stadt Bietigheim-Bissingen und die an der Musikschule beteiligten Kommunen, wie die Stadt Sachsenheim, so erklärt sie, finanzieren die Arbeit der Musikschule zu 35 Prozent aus ihren Haushalten, das Land zahlt künftig 12,5 Prozent der Personalkosten, der Rest wird über die Gebühren finanziert. Geplant, so Hochmuth, sind im Jahr 2020 Ausgaben von rund 2,3 Millionen Euro und Einnahmen von 1,7 Millionen Euro, die Erhöhung des Zuschusses eingerechnet. „Das bedeutet also ein Defizit von rund 0,6 Millionen Euro, welches die Stadt trägt“, sagt die Stadtsprecherin. Gut findet sie den Zuschuss, da, wenn überhaupt, „die Gebühren nicht zu stark angehoben werden müssen und so die Musikschulen nur noch von Familien mit höherem Einkommen genutzt werden könnten.“ Sicher, ob nicht doch eine Gebührenerhöhung kommt, ist sie jedoch nicht.

Auch in Besigheim tagt demnächst laut Musikschulleiter Roland Haug der Musikschulausschuss des Gemeinderats, um über Gebührenerhöhungen nachzudenken. Bereits in den letzten beiden Jahren, so Haug, wurde der Schülerbeitrag erhöht. Der erhöhte Landeszuschuss für die Personalkosten sei ein Zeichen der Wertschätzung des Landes für die Arbeit der Musikschulen, aber er ändere nichts an den immer höheren Kosten der Arbeit der Musikschule. „Wir übernehmen mittlerweile Aufgaben der Ganztagsbetreuung und musikalischen Schularbeit, das kostet Zeit und Geld“, sagt Roland Haug, der die Erhöhung des Zuschusses vor allem als Appell an die Kommunen sieht, auch ihren Zuschuss zu überdenken.  Jahrzehntelang habe der Satz von zehn Prozent Landeszuschuss gegolten, ein paar Jahre lang sei er sogar auf 8,5 Prozent heruntergeschraubt worden.

Vor 30 Jahren hat Rainer Falk, Musikschulleiter, in Bönnigheim angefangen. „Damals haben wir 15 Prozent Zuschüsse zu den Personalkosten von Ganztagskräften bekommen, für geringfügig Beschäftigte 12,5 Prozent, die wir heute, wo wir viel mehr machen und alles teurer ist, wieder bekommen“, sagt Falk. Sein Jubel über die Zuschusserhöhung ist deshalb „sehr verhalten“.

Die Gebührenlage, so Falk, entspanne sich zwar ein bisschen zugunsten der kommunalen Haushalte, nicht für die Musikschulen und die Musikschüler. 49 Prozent, so Falk, des Musikschul-Haushaltes müssten durch die Gebühren hereinkommen. „Es ist heute schon trotz Vergünstigungen für Familien mit mehreren Kindern fast unmöglich, dass sie Musikschulunterricht nehmen können“, sagt der Bönnigheimer Musikschulleiter.

Das Musikschulgesetz in Baden-Württemberg und Österreich


In sechs Bundesländern – Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen und Sachsen-Anhalt – gilt ein Musikschulgesetz, in Baden-Württemberg ist dies im Jugendbildungsgesetz verankert. Das Land verpflichtet sich, Musikschulen unter kommunaler Trägerschaft zu fördern. Ein Zuschuss zu den Personalkosten in Höhe von zehn Prozent (gesetzlich festgelegter Mindestzuschuss) wird nur dann gewährt, wenn sich Gemeinden und Landkreis allein oder zusammen in mindestens gleichem Umfang beteiligen. In den anderen Bundesländern werden die Musikschulen aufgrund von Erlassen gefördert.

In Österreich ist das Musikschulwesen ein integraler Bestandteil des österreichischen Schulsystems (im Unterschied etwa zur Situation in Deutschland). Die Musikschulen sind eine Schulform mit Lehrplan. Der Bildungsabschluss ist – im Sinne einer Berufsbefähigung ohne abschließende Prüfung, er berechtigt aber, die nötige Qualifikation vorausgesetzt, zum weiterführenden Besuch eines Konservatoriums als Ausbildung zum Berufsmusiker oder Musiklehrer. Es gibt aber auch Musikschulen, auf denen ein Instrument gelernt wird, ähnlich den deutschen Musikschulen. Östereichische Musikschulen, so eine Mitteilung der Musikschulwerke Österreichs, werden zu 80 Prozent von den Ländern und den Kommunen finanziert, 20 Prozent sind das sogenannte Schulgeld, das sehr gering ist, zudem gibt es in den Musikschulen jeweils zehn Prozent des Schüleranteils als Freistipendien. sz