Sabine Kleinschmager kommt wieder gerne in das TSV-Sportquadrat, um an den Geräten im vereinseigenen Fitnessstudio zu trainieren. „Hier ist alles super durchdacht und geregelt“, sagt sie. Das ist jedenfalls ihr Eindruck, nachdem ihr TSV-Geschäftsführer Jan Bodmer erläutert hat, wie die Vereinsführung die Verordnungen des Landes wegen der Corona-Pandemie umgesetzt hat. Seit einer Woche haben die Fitnessstudios wieder geöffnet, die privaten ebenso wie diejenigen, die von einem Verein betrieben werden, darunter das TSV-Sportquadrat in Bietigheim-Bissingen und das Fitkom in Besigheim.

Sabine Kleinschmager ist nicht die einzige, die es wieder ins Studio drängt, das seit Ende März geschlossen hattte. Auf 80 bis 90 Prozent eines normalen Besuchs schätzt Jan Bodmer die Frequenz im Sportquadrat gegenüber dem Vorjahresmonat. Etwas weniger Sportbegeisterte treibt es aktuell noch ins Fitkom, berichtet Torsten Fischer, der Geschäftsführer der Sportvereinigung Besigheim, zu dem das Fitkom gehört. Im Vergleich zum Vorjahr betrage die Auslastung um die 60 Prozent, sagt er. Allerdings sind Ferien, erläutert er, da lässt der  Besuch in der Regel immer etwas nach.
Die Vorgaben der Landesregierung vor der Wiedereröffnung umzusetzen, „war eine Herausforderung für alle“, sagt Jan Bodmer. Niemand darf mehr unangemeldet ins Studio kommen. Online können feste Trainingszeiten gebucht werden, die je 60 Minuten dauern, danach benötigen die Mitarbeiter eine Viertelstunde, um den Raum und  die Geräte zu säubern und zu desinfizieren. Drei bis fünf Kurse können täglich in den Sporthallen des Sportquadrats abgehalten werden.
Der Verein übt sich in Selbstbeschränkung. Rein rechnerisch dürfen entsprechend der Verordnung 40 Sportler gleichzeitig auf die Trainingsfläche, wo Kraft- und Fitnesssgeräte stehen. Doch schon bei 35 Sportlern schien es den TSV-Verantwortlichen schwierig, die Abstandsregeln einzuhalten, deshalb ist nach 25 Anmeldungen pro Trainingseinheit Schluss, wurde entschieden.
Duschen und Saunen sind noch geschlossen. Wer trainieren will, muss in Sportklamotten kommen, die Umkleidekabinen - jede zweite muss unbenutzt bleiben - dürfen nur benutzt werden, um die Schuhe unterzustellen. Doch den Sportlern stehen alle Geräte zur Verfügung, wenn auch nicht zu jeder Zeit. Trainiert nebenan jemand, muss man sich eben in Geduld üben. Lieber jetzt vorsichtig sein, anstatt später zurückrudern zu müssen, ist die Devise. Besser sei es, die Regeln zu lockern, „wenn wir merken, dass alles gut funktioniert“, sagt Jan Bodmer.
 Auch im Fitkom sind die Einschränkungen überschaubar, macht Torsten Fischer deutlich. „Wir sind so gut ausgestattet, dass wir ähnlich umfangreich fahren könnten wie vor Corona“, sagt er. Die Hallen im Fitkom sind bis zu 600 Quadratmeter groß, in den Kursen sei eine Teilnehmerzahl von 25 Personen in den meisten Fällen unproblematisch. Bei hoch-intensiven Sportarten werde die Teilnehmerzahl eingeschränkt. Feste Trainingszeiten auf der Fläche gibt es im Fitkom nicht, deshalb müssen Mitglieder, die unangemeldet kommen, mit Wartezeiten rechnen, warnt der Verein auf seiner Homepage.
Der  TSV Bietigheim hat die Monate seit Ende März einigermaßen verkraften können, macht Bodmer deutlich. Ausgerechnet als der Sportbetrieb eingestellt wurde, buchte der Verein Anfang April den Jahresbeitrag bei seinen rund 5000 Mitgliedern ab. Doch die Mitglieder zeigten Verständnis, es habe „nicht einmal eine Handvoll Rückfragen gegeben“, sagt Bodmer. Rechtlich hätte es allerdings auch keinen Anspruch auf Rückzahlung gegeben.
Anders beim Monatsbeitrag für das Sportquadrat. Hier gelte das Prinzip: Keine Leistung, kein Anspruch auf Bezahlung. Hätten die rund 1300 Mitglieder im Sportquadrat alle ihr Geld zurückverlangt oder gekündigt, „dann wäre es eng geworden“, so Bodmer. Doch für den Großteil der Sportler „war das kein Thema“. Die Vereinsführung setzte auf Ausgleichsangebote: auf Gutschriften beispielsweise oder auf Geschenkgutscheine. So konnte das Ziel erreicht werden: die Verluste zeitlich aufzuteilen.
Unter dem Strich rechnet der TSV mit einem Umsatzverlust von etwa zwei Monaten, der durch die Soforthilfen des Landes, durch Kurzarbeit von Mitarbeitern und durch die Reduzierung von Gebäudekosten auf etwa die Hälfte gesenkt werden konnte. Doch ein Problem bleibt: Mitglieder, die gekündigt haben, werden nicht im gewohnten Umfang durch neue ersetzt.  Ohnehin ist der Sommer nicht die Zeit, um sich im Fitnessstudio anzumelden. Die Zurückhaltung ist spürbar. Und das hat „dauerhafte Folgen“, fürchtet Bodmer.