Traurig sitzt der Kangal-Welpe in einer Ecke. Der reinrassige, anatolische Herdenschutzhund wurde erst von seiner Mutter getrennt, danach hatte er sich gerade teilweise bei seiner neuen Familie eingelebt, und jetzt sitzt er im Tierheim des Tierschutzvereins Ludwigsburg am Kugelberg. „Vor der Urlaubszeit wird es bei uns im Tierheim in der Regel immer voller. Allerdings hat sich gezeigt, dass dies meist schon vor den Pfingstferien anfängt, in denen bereits viele Familie in den Urlaub fahren“, schildert Ursula Gericke, die Leiterin des Tierheims in der Barockstadt.

Die Begründungen, die sie  von den Tierbesitzern zu hören bekommt, die kurz vor der Fahrt in die Ferien ihr Tier los werden wollen, sind in jedem Jahr ähnlich. „Viele Menschen geben Allergie, Zeit- und Geldmangel, Probleme mit dem Vermieter oder dem Tier selbst an. Einige machen sich auch gar nicht die Mühe, das Tier direkt bei uns im Tierheim abzugeben, sondern stellen den Käfig oder die Transportbox mit dem Zwei- oder Vierbeiner einfach vor die Tür des Tierheims“, erklärt Gericke. Andere Frauchen und Herrchen wiederum lassen vor allem Kleintiere wie Kaninchen, Schildkröten, Mäuse, Ratten oder sogar Schlangen einfach in Feld, Wald und Flur aus den Käfigen.

Chip verhindert Aussetzen

Nur Hunde, die mittlerweile nahezu alle einen Mikrochip tragen, über dessen Daten der Besitzer ausfindig gemacht werden kann, landen meist auf direktem Weg im Tierheim. „Es gibt schon Tierbesitzer, die ihren Zwei- oder Vierbeiner vor dem Start in die Sommerferien bei uns abgeben und ihn gerne einige Wochen später über Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen wieder abholen lassen wollen. Aber dies hat noch nie funktioniert, denn meine Mitarbeiter und ich haben es immer bemerkt“, erzählt Gericke.

Nur in wirklichen Not- und Ausnahmefällen nimmt die Tierheimleiterin Tiere für die Urlaubszeit in Pension, wenn der Platz dafür vorhanden ist, oder aber Gericke versucht die Hunde, Katzen und Co. privat unterzubringen. „Wir sind kein gewerblicher Betrieb, der Tiere in der Urlaubszeit vorübergehend beherbergt. Dafür gibt es viele gute Tierpensionen in der Umgebung, in denen ein Ferienplatz für das Haustier aber schon frühzeitig reserviert werden muss“, so Gericke.

Für Katzen, besonders für die Freigänger, sei es meist besser, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung von Nachbarn, Freunden oder Verwandten versorgt werden können, betont die Leiterin des Tierheims in Ludwigsburg. Der wahre Hundeliebhaber jedoch trennt sich auch nicht in der schönsten Zeit des Jahres von seinem Liebling, sondern nimmt ihn mit in den Urlaub. „In vielen Hotels und Ferienwohnungen sind Hunde heute überhaupt kein Problem mehr. Im Urlaub haben die Familien auch ausgiebig Zeit, sich intensiv mit ihrem Vierbeiner zu beschäftigen. Wer allerdings in südliche Länder fährt, sollte sich vorher ausgiebig bei seinem Tierarzt nach möglichen Infektionskrankheiten erkundigen. Viele Hunde werden nach dem Sommerurlaub schwer krank, weil ihre Besitzer keine Vorsorge getroffen haben“, sagt Gericke.

Seinen Vierbeiner mit auf Fernreisen zu nehmen, davon rät auch die Leiterin der Tierheims in Vaihingen, Dr. Tanja Lessel, eher ab. „Muss der Hund in einer Box im Laderaum mitfliegen oder gar in Quarantäne, ist dies immer mit Stress für den Vierbeiner verbunden. Anders sieht es aus, wenn der Hund nur so groß ist, dass er in einer Tasche im Handgepäck mitfliegen darf“, schildert Dr. Lessel.

Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass viele Hundebsitzer nicht ohne ihren Vierbeiner in den Urlaub fahren möchten. Manchmal können Katzen und Co. auch durch Ehrenamtliche eines Tierschutzvereins betreut werden, erläutert die Leiterin des Tierheims Vaihingen, in dem selbst keine Urlaubsgäste aufgenommen werden.

Nicht nur Ferien sorgen für Hochbetrieb

Neben der Ferienzeit machen den Tierheimen in der Region derzeit auch Fälle von sogenanntem „Animal Hoarding“ zu schaffen, bei denen Menschen Tiere in großer Anzahl halten, sie aber nicht angemessen versorgen können. „Wir haben derzeit sehr viele Kaninchen abzugeben und Chihuahua-Hunde, von denen wir 14 Tiere in einem völlig verwahrlosten Zustand aufgefunden haben“, so Ursula Gericke vom Ludwigsburger Tierheim. In Vaihingen tummeln sich vor allem Ratten und Katzen, die auf ein neues Zuhause warten. mig