Unterrichtsausfall Fehlstunden sind auch im Kreis ein Thema

Ein für viele Schüler im Landkreis nur allzu vertrautes Bild, finden Elternvertreter. Schuld an den Fehlstunden seien aber nicht die Einrichtungen vor Ort, sondern eine verfehlte Politik der Regierung.
Ein für viele Schüler im Landkreis nur allzu vertrautes Bild, finden Elternvertreter. Schuld an den Fehlstunden seien aber nicht die Einrichtungen vor Ort, sondern eine verfehlte Politik der Regierung. © Foto: dpa/Caroline Seidel
Landkreis Ludwigsburg / Frank Ruppert 17.07.2018

Durch eine monatelange Erhebung haben sich Eltern einen Überblick über die tatsächlichen Ausfälle von Schulstunden verschafft (die BZ berichtete). Ihre Ergebnisse hat die ARGE (Arbeitsgemeinschaft Elternbeiräte an Gymnasien) in Stuttgart vorgestellt. 13,49 Prozent des Unterrichts hätten nicht wie geplant stattgefunden. 7,81 Prozent aller vorgesehenen Stunden seien entfallen, 5,68 Prozent als Vertretungsstunden abgehalten worden.

Auch im Landkreis Ludwigsburg sehe es schlecht aus, wie die Gesamtelternbeiratsvorsitzende aus Ludwigsburg, Christina Bechmann, auf Nachfrage der BZ erklärt. Aus dem Raum Ludwigsburg und Bietigheim hätten sich vier Einrichtungen an der Umfrage der ARGE beteiligt. Die Kritik der Eltern richte sich keineswegs gegen die Lehrer, sondern an das Land. Es gebe einfach zu wenige Lehrer. Es würden zwar derzeit mehr junge Leute zu den einschlägigen Studiengängen zugelassen, aber es gebe kein Konzept, wie man die Lücke bis zu deren Ausbildungsende schließe. Ein Dorn im Auge sind ihr auch die befristeten Verträge mit Lehrkräften und die daraus resultierende Sommerarbeitslosigkeit. Angesprochen darauf kann die Arbeitsagentur für den Kreis Ludwigsburg allerdings nicht mit konkreten Zahlen dienen. Ein besonderes Problem gebe es diesbezüglich im Landkreis aber nicht.

Keine Klagen in Bönnigheim

Ein strategisches Problem hinsichtlich der Fehlstunden hat  der Gesamtelternbeiratsvorsitzende Christos Chatzigeorgiou aus Bietigheim-Bissingen festgestellt. Quer über alle Schularten verteilt fielen hier immer wieder Stunden aus. „Die wenigsten Schulen gehen mit 100 Prozent der Stellen in das Schuljahr, dann kommen Schwangerschaften, Krankheiten und Ausflüge hinzu und es wird schwierig“, sagt er. Gerade die Prüfungszeit sei dabei schwer zur Zufriedenheit aller zu meistern. Die Landesregierung habe einfach die Entwicklung der Schülerzahlen falsch eingeschätzt.

Am Christoph-Schrempf-Gymnasium in Besigheim sind Fehlstunden dagegen laut der  Elternbeiratsvorsitzenden Monika Kaiser kein großes Problem „Es hat in diesem Schuljahr keinerlei Meldungen von Eltern zum Thema gegeben. In den Jahren davor war die Unzufriedenheit immer wieder angesprochen worden.“ Ähnliches vermeldet Lutz Seifert, stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender am Alfred-Amann-Gymnasium in Bönnigheim: „Wir hatten im laufenden Schuljahr die erfreuliche Situation, vergleichsweise wenige Fehlstunden zu verzeichnen.“ Dies sei in den vergangenen Jahren aber auch schon anders gewesen.

74 neue Lehrer eingestellt

Angesprochen auf die Fehlstunden hat sich auch das für die Gymnasien im Kreis zuständige Regierungspräsidium (RP) zu Wort gemeldet: „An den Gymnasien im Kreis Ludwigsburg arbeiten im Schuljahr 2017/18 insgesamt 1322 Lehrkräfte. Im aktuellen Einstellungsverfahren konnten 74 Lehrpersonen für das kommende Schuljahr neu eingestellt werden. Damit sind alle Stellen besetzt. Für bereits jetzt absehbare Ausfälle sind befristete Stellen für Vertretungen im Umfang von etwa zwölf Deputaten ausgeschrieben“, so Pressesprecherin Katja Lumpp.

Selbst erhebe das RP keine Zahlen zum täglichen Unterrichtsausfall, es gebe lediglich Stichprobenerhebungen. „Bei der letzten Stichprobenerhebung im November 2017 lag der Unterrichtsausfall landesweit an  Gymnasien bei 9,5 Prozent. Davon konnten 4,1 Prozent vertreten werden, sodass der tatsächliche Ausfall bei 5,4 Prozent (landesweit) und 4,3 Prozent im Regierungsbezirk lag.

Für die übrigen allgemeinbildenden Schulen im Kreis ist das Staatliche Schulamt Ludwigsburg zuständig. Leiter Hubert Haaga sagt, dass zu Beginn des Schuljahres rund 20 Stellen nicht besetzt werden konnten. Konnte dies bislang noch über Vertretungen aufgefangen werden, stünden zum Jahresende aber keine Vertretungskräfte mehr zur Verfügung. „Wenn es nun zu längerfristigen Ausfällen kommt, zeigt sich die Vertretungssituation äußerst schwierig“, so Haaga. 50 Stellen seien für das nächste Jahr ausgeschrieben. „Natürlich ist auch im kommenden Schuljahr der Lehrerarbeitsmarkt angespannt.“

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