Sachsenheim / Frank Ruppert  Uhr

Der Wohnungsmangel im Landkreis ist längst eines der großen Themen in Politik und Gesellschaft. Für Daniela H. aus Sachsenheim ist er existenzbedrohend. „Wir wissen nicht mehr weiter“, sagt Patric Krahl. Der Sozialpädagoge von der Wohnungslosenhilfe Ludwigsburg beschäftigt sich ausschließlich mit Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Und doch ist auch er bei seinem Schützling H. mit seinem Latein am Ende. Am 30. April muss die Frau mit ihren beiden pflegebedürftigen Kindern aus der Wohnung raus und findet einfach keine neue Bleibe.

Im Gespräch mit der BZ und Krahl erzählt die 33-Jährige ihre Geschichte: Sie hat zwei Kinder, Noell ist zehn, seine Schwester Leoni zwölf Jahre alt. Beide sind pflegebedürftig. Den Vater der Kinder habe sie „in einer Nacht- und Nebelaktion“ verlassen. Dass er auch jetzt noch, neun Jahre später, kein Umgangsrecht hat, lässt erahnen, dass die Beziehung und die Trennung nicht einfach waren. Über die Drei-Zimmer-Wohnung in Sachsenheim war sie froh, damals sei der Wohnungsmarkt allerdings auch ein anderer gewesen.

Nachdem ihre aktuelle Wohnung, in der sie seit neun Jahren lebt, den Eigentümer gewechselt hatte, meldete der neue im vergangenen Jahr Eigenbedarf an. Es kam zum Prozess, weil H., die sich rund um die Uhr um ihre Kinder kümmern muss, keine neue Wohnung fand und immer noch nicht findet. Vor Gericht dann die Einigung auf den 30. April als Räumungstermin. Der Richter habe bei der Verhandlung im Januar wenig Verständnis dafür gezeigt, dass es eine alleinerziehende Mutter mit zwei pflegebedürftigen Kindern schwer auf dem Wohnungsmarkt hat. Es wären doch drei Monate Zeit, hat er gesagt, erinnert sich H.

Da muss auch Krahl mit dem Kopf schütteln bei so wenig Sinn für die Lebenswirklichkeit. H. sei sehr fleißig bei der Wohnungssuche, habe alle Wohnbaugesellschaften angeschrieben, inseriert, sich auf Online-Anzeigen gemeldet, alles ohne Erfolg. Das alles zu erzählen fällt H. nicht leicht, dennoch trägt sie es sachlich vor, die Tränen kommen ihr aber, wenn sie an die Zukunft denkt. Findet sich keine Wohnung, sitzt die Familie auf der Straße. „Das bedeutet dann in einer Unterkunft für Obdachlose von der Stadt Sachsenheim“, so Krahl. Mit der drohenden Obdachlosigkeit im Rücken habe das Jugendamt schon angedeutet, ihre Kinder eventuell getrennt unterzubringen, da eine Obdachlosenunterkunft der Entwicklung der Kinder abträglich wäre, berichtet Krahl weiter.

Die Ungewissheit über die eigene Zukunft setzt der zweifachen Mutter zu. Ihre Anwältin hat beantragt die Räumungsfrist bis Ende des Jahres zu verlängern, gehört hat sie dazu vom Gericht bislang noch nichts. H. sucht weiter fieberhaft nach einer Zwei-,Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnung in der Umgebung Sachsenheims. „Leoni fasst gerade in der Schule Fuß und das Jugendamt hat geraten, sie jetzt nicht aus ihrem Umfeld herauszureißen“, sagt H.

Info: Wer der Familie helfen möchte, kann sich bei Patric Krahl, Telefon 0176/ 34 50 36 97, E-Mail an patric.krahl@wohnungslosenhilfe-lb.de melden.

Überschrift Infokasten einzeilig

Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz