Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit sowie strategisches und taktisches Denken sind Fähigkeiten, die in Sportarten wie Basketball, Fußball und Volleyball dazu beitragen, erfolgreich aus dem Wettkampf zu gehen. Auch sind es sportliche Aspekte, die im organisierten Wettkampf via Computerspiel, den eSports, eine Rolle spielen. Mit der Frage, ob eSport deshalb ein ernst zu nehmender Sport ist und weiter noch, in den Schulsport integriert werden sollte, befassten sich am Mittwochabend die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg.

Professor Dr. Annette Hofmann, Dozentin an der PH Ludwigsburg, hielt einen Impulsvortrag. Darin wurde deutlich, das viele, vor allem junge Leute, sich bereits dem elektronischen Sport widmen. Nach Angaben des eSport-Bundes Deutschland (ESBD) gibt es weltweit um die 600 Millionen Anhänger. In Deutschland gebe es aktuell zwischen 1,5 und 4,5 Millionen organisierte Spieler und 2019 wurden weltweit über eine Milliarde Euro durch eSports umgesetzt. Gerade im asiatischen Raum gehe es Richtung Breitensport. In Dänemark hat der elektronische Sport einen eigenen Bereich im Sportbund und wird in Vereine integriert. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) jedoch, erkennt eSports nicht als Sportart an, da die körperliche Betätigung und die Gemeinnützigkeit fehle. Dies sieht auch DFB-Präsident Reinhard Grindel so, zitiert Hoffmann: „Kabinenschweiß riechst du nicht auf Facebook.“ Eine Befürworterin ist Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung.

Meinungen der Redner

In Ludwigsburg beschrieb Tobias Benz, Direktor des Instituts für eSports in Ismaning, eSports nicht als „digitalisierte Sportlichkeit, sondern Versportlichung der Digitalisierung.“ Die Zukunft des eSports sieht er in Anzügen und Brillen, nicht in der bloßen Bewegung der Finger. Dr. Sebastian Ostritsch, der ein Forschungsprojekt zur Ethik der Computerspiele leitet, sieht die Grenzen zwischen Spiel und Sport fließend. „Warum definieren wir Schach als Sportart? Aus Tradition. Das ist kulturell gewachsen.“ Für ihn droht im eSport der Verlust der eigenen Leiblichkeit, denn „der Avatar-Leib ist kein richtiger Leib.“ Dr. Frank Bächle, Sport- und Physiklehrer in Esslingen, ist davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis eSports auch in Deutschland als Sportart anerkannt werde.

Bewegung am PC demonstrieren

Trotzdem möchte er im Unterricht höchstens Bewegungsabläufe dadurch erklären. Dejan Simonovic, Leiter der Computerspielschule Stuttgart, sieht eine Chance darin, „Themen aus der Lebenswelt der Schüler aufzugreifen.“ Laut Simonovic fühlen sich Schüler verstanden durch die Integration von Gaming. Dagegen wiederum spricht sich Kai Wiemers, Rektor einer Gemeinschaftsschule in Fellbach-Schmiden aus: „eSportler sind Sportler, Zocker sind Kinder mit Augenringen und Übergewicht.“ Als AG jedoch, könne er sich eSports an der Schule vorstellen. Diplom-Sportpädagoge Bernd Röber möchte zwar Lehrer in Digitalisierung fit machen, nicht jedoch Gaming in Sportvereine integrieren. „Der Sportverein ist ein Refugium des analogen Lebens.“

Im Kreis scheinen eSports an Schulen zwar ein Begriff, jedoch kein Thema zu sein. Claus Stöckle, Leiter der Realschule im Aurain in Bietigheim erklärt auf BZ-Anfrage, dass eSports und Gaming im Rahmen des Bildungsplans thematisiert werden, etwa in Gemeinschaftskunde und den IT-Stunden. Darüber hinaus befasse sich die Schule aber nicht damit. Am Alfred-Amann-Gymnasium in Bönnigheim hat man zwar eine Spiele-AG, dort geht es aber um Brettspiele. Gaming und eSports seien immer wieder Thema, erklärt Rektor Achim Salomon, das dies aber zur Vermittlung von Bewegungsabläufen genutzt werde, sei ihm neu. „Wir haben eher damit zu kämpfen, dass Schüler in der achten Klasse keine Rolle vorwärts und rückwärts mehr hinkriegen.“ Man verteufele das Gaming aber nicht mehr. Salomon selbst halte sich auf dem Laufenden über Trends und verfolge auch mal Übertragungen von Spielen.