Der erste Corona-Fall im Landkreis Ludwigsburg kam zufällig heraus: Ein Mann aus Benningen wurde innerhalb der so genannten Influenza-Surveillance „herausgefischt“, teilt das baden-württembergische Sozialministerium mit. Das bedeutet, dass Proben im Labor des Landesgesundheitsamtes, die negativ auf Influenza getestet wurden, automatisch auch auf das Corona-Virus hin untersucht werden. Dies ist der erste Fall, der auf diese Art ermittelt wurde.

Der Benninger befindet sich laut des Leiters des Gesundheitsamtes des Landkreises, Dr. Thomas Schönauer, in „häuslicher Quarantäne“, da seine Krankheitssymptome „sehr schwach“ seien und es dem Benninger „ganz gut“ gehe. „Wo sich der Mann angesteckt hat, wissen wir bislang nicht, wir können es auch nicht nachvollziehen, er hatte keine Kontakte in Risikoländer wie China oder Italien, war auch in letzter Zeit nicht dort und hatte keine Kontakte zu Infizierten“, so Schönauer.

Umfeld wird untersucht

Sein Umfeld wie Familie, Kollegen und Freunde werde aber derzeit überprüft und auf das Virus getestet. Benningens Bürgermeister Martin Osterrieder sei informiert, auch der Arbeitgeber des Mannes. Ehefrau und Kinder des Infizierten sowie Menschen, die unmittelbar mit ihm Kontakt gehabt hätten, seien einem Virustest unterzogen worden, dessen Ergebnis am Montag feststehe. So lange befänden sie sich auch in häuslicher Quarantäne, die vom Gesundheitsamt und dem behandelnden Arzt überwacht werde. Aufgrund seines guten Zustands sei es nicht notwendig, ihn ins Krankenhaus zu überweisen, seine Isolation wäre auch zuhause gegeben, so Schönauer. Der Mann habe in letzter Zeit keine Großveranstaltungen besucht, sagt Schönauer, das lasse hoffen, dass er nicht zu viele andere infiziert habe. Man wolle auch behutsam mit der Veröffentlichung persönlicher Details des Infizierten sein, so der Pressesprecher des Landrats, Andreas Fritz, um dessen Persönlichkeitsrechte schützen.

Nach dem Eintreffen des Coronavirus im Landkreis hat Landrat Dietmar Allgaier einen „kleinen Krisenstab“ eingerichtet, der sich täglich trifft. Er besteht aus ihm selbst, Thomas Schönauer, einem Vertreter der RKH-Kliniken, Kreisbrandmeister Andy Dorroch als Katastrophenschützer, einem Vertreter der Polizeidirektion, der Stadt Ludwigsburg und dem jeweiligen Bürgermeister der betroffenen Gemeinde.

Kreise weiten sich

Die entsprechende Gemeinde wird, sofern notwendig, so Schönauer gegenüber der BZ, weitere Maßnahmen ergreifen, sollten Familienmitglieder oder weitere Benninger Bürger betroffen sein. Dann müssten auch die betreffenden örtlichen Kindergärten und Schulen informiert werden. „Aber das ist erst der zweite Schritt, nachdem die Ergebnisse der Tests da sind und wir wirklich wissen, ob es weitere Infizierte gibt. Betroffene werden informiert“, so Schönauer, dessen Amt mit mehreren Mitarbeitern die Kontaktpersonen „unermüdlich“ sucht und testet. „Die Kreise werden sicher immer weiter“, sagt der Leiter des Gesundheitsamts, „wir werden die Maßnahmen täglich erweitern und ändern müssen“.

Beeinträchtigungen durch die Gefahr einer Corona-Infektion


Der Württembergische Fußballverband teilt mit, dass es derzeit nicht vorgesehen ist, Spiele oder Turniere vom Verband aus abzusagen. Gegebenenfalls, so heißt es weiter, wird kurzfristig reagiert. Beim Eishockeyspiel der Steelers gegen die Heilbronner Falken wird auf das übliche Händeschütteln vorsichtshalber verzichtet.

Auch viele Unternehmen befürchten durch die Ausbreitung des Coronavirus den Einbruch ihrer Geschäfte, teilt die IHK Region Stuttgart mit. Knapp die Hälfte von rund 500 befragten Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung in der Region Stuttgart rechnen bereits jetzt mit negativen Auswirkungen auf ihre Geschäftsergebnisse im Jahr 2020. Etwa 18 Prozent gehen von deutlichen Einbrüchen aus und weitere 27 Prozent erwarten negative Auswirkungen. Einer Blitzumfrage zufolge meldete schon mehr als ein Drittel der Unternehmen Schwierigkeiten in den Lieferketten, knapp 30 Prozent berichteten von Auftrags- und Umsatzrückgängen. Und mehr als die Hälfte klagt über Einschränkungen bei Geschäftsreisen und Messeteilnahmen. Rund 15 Prozent der Unternehmen wollen Entscheidungen für Geschäftsaktivitäten und Investitionen zunächst aufschieben.

Marc Fritz, Sprecher  der Bietigheim-Bissinger Olymp-Bezner KG, bestätigt Auswirkungen auf die Firma in Bezug auf Lieferungen aus China. „Einzelne Zulieferbetriebe haben nach wie vor geschlossen oder halten den Geschäftsbetrieb mit reduzierter Mannschaft aufrecht“, so Fritz. Die Firma rechne weiter mit einer eingeschränkten Produktionsleistung und weiterem Lieferverzug, im Moment seien diese aber unbeträchtlich, so Fritz.

Das Gesundheitsministerium rät zur Vermeidung der Ausbreitung der Coronavirus-Erkrankungen: Rückkehrer aus Italien, die Symptome zeigen oder mit Infizierten Kontakt hatten, sollten zum Arzt gehen und gegebenenfalls das Gesundheitsamt informieren. Menschen mit Fieber, Muskelschmerzen, Husten, Schnupfen, Durchfall, sollten zum Arzt und sich krank melden. Der Ärzte-Bereitschaftsdienst hat die Telefonnummer 116 117. sz