Kornwestheim / Bernd Winckler  Uhr

Das Stuttgarter Landgericht verhandelt seit dem 29. November gegen eine 27-jährigen mutmaßlichen Drogendealer aus Kornwestheim (die BZ berichtete). Über seinen Verteidiger ließ er am Eröffnungsprozess mitteilen, dass er von anderen Dealern beschuldigt werde, die sich dadurch milde Strafen erkaufen wollen. Ein Polizeibeamter berichtete jedoch am Montag, dass der Angeklagte in ersten Vernehmungen Drogengeschäfte einräumte, aber die Lieferanten nicht nennen wollte, weil es sich um einen jugoslawischen Clan handle, vor dem er Angst habe. Erst mit Erwähnung einer eventuellen Strafmilderung nannte der Angeklagte seinen Lieferanten, einen Mann aus Stuttgart. Den jedoch hatte die Polizei schon lange im Visier. Er ist inzwischen in Haft.

Handy abgehört

Der Fahnder berichtete ebenfalls, dass die Polizei anfangs zuerst gegen Kleindealer in Ludwigsburg und Kornwestheim ermittelt habe. Als sie bei einem der Verdächtigen eine Wohnungsdurchsuchung vornahm, habe dieser plötzlich den Namen des jetzt angeklagten 27-Jährigen als seinen Lieferanten genannt. Bei dessen anschließender Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten ein knappes Pfund Marihuana in der Küche. Zudem war das Handy des Angeklagten abgehört worden, auf dem er seine Drogen Ein- und Verkäufe organisierte, wenn auch mit verschlüsselten Begriffen, die im Drogenmilieu inzwischen der Polizei bekannt sind. Laut den Ermittlungen soll der Angeklagte bis zu seiner Festnahme am 29. Mai um die 130 000 Euro mit Drogenverkäufen eingenommen haben. Dennoch zweifelt der Verteidiger die Auswertung der Abhörprotokolle, die diesen Umsatz beweisen sollen, vor Gericht an.

Wegen Geldschulden belastet

Mehr Schwierigkeiten macht auch der Belastungszeuge. Denn der angebliche Drogenempfänger ruderte in seiner jetzigen Aussage am Montag zurück. Das Marihuana, das er verkauft hatte, sei gar nicht vom Angeklagten gewesen, gibt er zu Protokoll. Er habe ihn nur wegen angeblicher Geldschulden belasten wollen. Diese Aussage wird von den Richtern und vom Staatsanwalt jedoch angezweifelt. Außerdem habe ihm die Polizei eine mildere Strafe zugesagt, wenn er seinen Lieferanten nennen würde. Diesen Bonus hatte er sich aber verspielt, denn er wurde inzwischen zu Dreieinviertel Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Dem 27-jährigen Angeklagten hingegen drohen bis zu 15 Jahre, falls in dem Prozess der Vorwurf des Rauschgifthandels großen Stils nachgewiesen wird. Der Prozess wird heute und am 20. Dezember fortgesetzt.