Erligheim Erligheim leistet Pionierarbeit

Waldbegehung des Erligheimer Gemeindewalds mit Revierförster Burkhard Böer (rechts), Bürgermeister Rainer Schäuffele und Gemeinderäten.
Waldbegehung des Erligheimer Gemeindewalds mit Revierförster Burkhard Böer (rechts), Bürgermeister Rainer Schäuffele und Gemeinderäten. © Foto: Martin Kalb
Erligheim / Susanne Yvette Walter 16.06.2018

Wenn einer die Geschichte des Erligheimer Gemeindewaldes  kennt, dann ist das Forstfachmann Burkhard Böer. Am Donnerstagabend erklärte der Leiter des Forstreviers Bönnigheim  Bürgern und Gemeinderäten, wie der Erligheimer Gemeindewald zu dem wurde, was er heute ist. Den Erligheimer Ratsmitgliedern  kommt eine Vorreiterrolle zu, was das nachhaltige Waldwirtschaften angeht.

Mit einem Blick zurück, als die Wälder hierzulande eher einer Gestrüpplandschaft glichen, begann Burkhard Böer seine Waldführung am Häckselplatz in der Kirschenallee. Raubbau hatte dazu geführt, dass es einen Wald, wie man ihn heute kennt, gar nicht gab, sondern lediglich viel Gestrüpp und einzelne Bäume. „Da in vergangenen Jahrhunderten Holz der einzige Brennstoff war, haben die Menschen in der sogenannten Mittelwald-Wirtschaft abgeholzt, was ging.

Der rote Faden, der sich diesmal durch Böers Waldführung zog, erklärt sich daraus. „Ich will anhand von verschiedenen Waldbildern zeigen, dass die Gemeinde Erligheim Pionierarbeit geleistet hat in Sachen nachhaltiger Waldwirtschaft“, erklärte der Förster. Deshalb schaute sich die Gruppe gezielt unter seiner Führung die Geschichte einzelner Waldteile an. „Wie vielerorts, so sah auch der Gemeindewald in Erligheim um 1800 so zerrupft aus“, erklärte Böer.

Doch die Gemeindeväter  haben mindestens 50 Jahre vor ihrer Zeit bemerkt, dass hier Aufbaumaßnahmen nötig sind, machte Böer deutlich. So kam es, dass sich im Jahr 1790 einige Erligheimer mit dem Ochsenkarren auf den Weg machten, um im Odenwald Saatgut zu kaufen. Ein ähnliches Projekt gab es nur 1770 in Schorndorf. In dieser ersten Umbauphase des Erligheimer Gemeindewaldes zwischen 1800 und 1900 wurden hauptsächlich Kiefern angepflanzt. Doch mit der Aussaat kamen auch die ersten Lärchen in die Wälder, die bisher hier noch nicht heimisch waren.

Die Gruppe der Waldbegeher mit Bürgermeister Rainer Schäuffele an der Spitze nahmen Waldbilder in Augenschein, die noch Spuren aus dieser Zeit zeigten – aus der sogenannten zweiten Umwandlung des Gemeindewaldes.  Ab 1900 kam aus betriebswirtschaftlichen Aspekten auch die Fichte ins Spiel.

Auf die Fichte folgte die Douglasie im Erligheimer Gemeindewald, denn nach mehreren Naturkatastrophen war man klüger geworden. „1982 gab es Hochwasser im Erligheimer Wald, das gefror und die eisbehangenen Fichten im Tongrund sind einfach umgefallen“, erinnerte Böer.

Der Kreis schloss sich beim letzten Waldbild. Seit Februar 2018 laufen die Kulturvorbereitungen für eine Kahlfläche, die auch durch Sturmschäden entstanden ist, an der Straße in Richtung Freudental. „Künftig sollen hier Elsbeere, Speierlinge  und die Waldeibe wachsen“, kündigt Burkhard Böer an.

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