Straftat Erfolg bei der Jagd nach Trickbetrügern

Ludwigsburg / Frank Ruppert 03.08.2018

Ein 21 und und 23 Jahre alter Mann sind nach Ermittlungen der Ludwigsburger Kriminalpolizei am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen festgenommen worden. Sie stehen laut Polizei im Verdacht, seit Februar in mehreren Fällen im süddeutschen Raum und in der Schweiz telefonisch Kontakt zu älteren Menschen aufgenommen und sie als angebliche Polizeibeamte zur Herausgabe von Vermögenswerten in Höhe von mehreren Zehntausend Euro gebracht zu haben. Gegen die Tatverdächtigen hatte das Amtsgericht Ludwigsburg bereits im Vorfeld Haftbefehl erlassen. Gegen den 23-Jährigen wurde der Haftbefehl am Donnerstag in Vollzug gesetzt. Der 21-Jährige soll am Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden.

Die BZ hat bei der Polizei in Ludwigsburg nachgefragt, wie solche Betrüger vorgehen. Laut Peter Widenhorn, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, sind derzeit vor allem die Methoden „falsche Polizeibeamte“, „Enkeltrick“ und „falsche Microsoft-Mitarbeiter“ aktuell. 2017 haben Betrüger im Bereich des Polizeipräsidiums durch die Maschen „Enkeltrick“ und „falsche Polizeibeamte“ mehr als 550 000 Euro erbeutet. Im Landkreis Ludwigsburg gab es im vergangenen Jahr 32 Fälle des Enkeltricks und 16 Fälle, bei denen falsche Polizeibeamte am Werk waren. Allerdings soll die Dunkelziffer hoch sein.

Wie funktionieren die einzelnen Betrugsmethoden genau?

Wenn sich Betrüger als Polizisten ausgeben, versuchen sie ihre Opfer unter verschiedenen Vorwänden, dazu zu bringen, Geld- und Wertgegenstände im Haus oder auf der Bank an einen Unbekannten zu übergeben, der sich ebenfalls als Polizist ausgibt, erklärt Widenhorn. Dazu behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld- und Wertgegenstände bei ihren Opfern zuhause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien oder auf Spuren untersucht werden müssten. Dabei nutzen die Täter eine spezielle Technik, die bei einem Anruf auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizei-Notrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer erscheinen lässt.

Beim Enkeltrick geben sich Betrüger als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt. Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen und dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß bewältigen kann. Falsche Microsoft-Mitarbeiter behaupten laut Polizei oft, dass der Rechner des Angerufenen Fehler aufweise, von Viren befallen oder gehackt worden sei  und bieten ihre Hilfe an. Dazu sollen ihre Opfer eine Fernwartungssoftware installieren. Mit diesem Programm haben die Betrüger Zugriff auf die Rechner ihrer Opfer und können sensible Daten, beispielsweise Passwörter für das Online-Banking ausspähen.

Wie kommen Telefonbetrüger an ihre  Opfer?

„Die Täter, deren Hintermänner häufig aus dem Ausland und zumeist aus Osteuropa agieren, kommen über Suchmaschinen, Adressenverkäufer oder das Telefonbuch aus Vornamen, die auf ältere Menschen schließen lassen“, so Widenhorn.

Warum haben Betrüger trotz Präventionsarbeit der Polizei immer wieder Erfolg?

Die Angerufenen seien häufig zu leichtgläubig und vertrauen darauf, dass „so etwas bei mir nicht passieren kann“. Daneben seien die Trickbetrüger immer raffinierter und verstünden es laut Polizei, die Angerufenen durch  sicheres Auftreten und akzentfreies Deutsch zu überzeugen.

Was sollte man tun, wenn man von Trickbetrügern angerufen wird?

Laut Polizei soll man sich vergegenwärtigen, dass echte Polizeibeamte niemals anrufen und nach persönlichen Verhältnissen oder bestehendem Vermögen ausfragen. Deshalb solle man niemandem solche Auskünfte geben und sich nicht unter Druck setzen lassen. Die Polizei rät die angezeigte Telefonnummer und die angebliche Dienststelle zu notieren. Dann soll man auflegen und die nächste Polizeidienststelle oder die 110 wählen und den Vorgang schildern. Beim Enkeltrick raten die Ordnungshüter zu Misstrauen, wenn sich die Person nicht mit Namen meldet. Auf keinen Fall solle man Unbekannten Geld geben und auch hier gilt wieder der Rat die Polizei über 110 anzurufen. Zum schnellen Ende des Telefonats rät die Polizei auch bei falschen Microsoft-Mitarbeitern. Auf keinen Fall dürfe man deren Anweisungen folgen oder Bankdaten herausgeben.

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