Reben Einsatz im Weinberg

Kirchheim / Lena Dagenbach 14.09.2018

Bei der Traubenlese muss man früh aufstehen. Noch im Dunkeln verlasse ich das Haus, denn um 7 Uhr beginnt die Weinlese bei Familie Braun aus Kirchheim. An diesem bewölkten Donnerstagmorgen wird dort die Ernte der Weißburgunder-Beeren eingebracht.

Auf dem Hof angekommen, erfahre ich als Erstes, dass ich nicht das passende Schuhwerk trage. Christel Braun sucht schnell ein passendes Paar Gummistiefel für mich aus. Dann geht’s in den Weinberg.

Dort stellen sich Frank Braun und sein Sohn Benjamin vor. Benjamin Braun erklärt mir zunächst Grundsätzliches über die Weinlese. Die Trauben der jungen Reben werden von Hand gepflückt, um die sensiblen Früchte nicht zu beschädigen. Rund zehn Leute helfen an diesem Morgen mit. Jedes Jahr in der Weinsaison kommen Hilfsarbeiter aus Polen und Rumänien nach Deutschland, um den Familienbetrieben zur Hand zu gehen.

Trauben schon sehr reif

Bei der Lese der hellen Weinbeeren fällt auf, dass einige schon sehr reif sind. Die Edelfäule mache den Weißwein besonders süß, weiß Braun. Verschiedene Pilzsorten können die Reben befallen, und aus diesem Grund sind Pflanzenschutzmittel notwendig. Braun erklärt mir, dass die Pflanzen je nach Infektionsdruck behandelt werden. Menschen müssten sich ja auch mit Sonnencreme und Medikamenten schützen, meint der junge Winzer.

Gesunde Reben liefern als Gegenleistung aber rund 30 Jahre oder sogar länger die süßen Früchte. Die jungen Reben tragen weniger Beeren als die älteren und sind folglich weiter in der Reife. Einige Weintrauben müssen daher aussortiert werden. Dennoch füllen sich die Eimer schnell mit Weinbeeren. Die Helfer ernten schnell und konzentriert. Trotzdem kann ich mich mit den Erntehelfern unterhalten.

Seit Herbert Collert seine Frau kennengelernt hat und Mitglied der Familie ist, hilft er fleißig bei der Traubenernte mit. Die Arbeit an der frischen Luft mache ihm auch nach 50 Jahren immer noch Spaß, erzählt er. Als Rentner würde es sonst schnell langweilig werden, erzählt er mir. Zu seinen Lieblingsweinen gehören Trollinger und Lemberger.

Frank Braun schwört ebenso auf Lemberger, der zu den verbreitetsten Rebsorten in Baden-Württemberg zählt. Er möge kräftigen, trockenen Rotwein. Aber im Sommer sei spritzender, erfrischender Weißwein auch zu empfehlen. Für Einsteiger gebe es auch süße Weine, erklärt er.

Die Lese findet von Mitte September bis Ende Oktober statt. Die Strombergkellerei entscheidet, wann welche Trauben von den Familienbetrieben abgenommen werden. Danach richten sich die einzelnen Lesen, sagt Braun. Ein Kilogramm Trauben ergeben ungefähr eine Dreiviertel-Liter-Flasche Wein, sagt Braun. Familie Braun bewirtschaftet insgesamt 90 Hektar Land. Neben einem halben Hektar Traubenreben pflanzen sie Kartoffeln und Äpfel an.

Im Februar in den Läden

Verarbeitet werden die Beeren der Familie Braun in der Kellerei „Weingärtner Stromberg Zabergäu“, bei der Frank Braun stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist. Insgesamt 800 Weingärtner liefern ihre Trauben von rund 740 Hektar Land dort ab. 200 verschiedene Weinsorten bietet die Genossenschaft an. Im Sortiment befinden sich neben den klassischen Weinen auch vegane Bioweine.

Albrecht Hauber, Vorstand der Weingärtner-Genossenschaft, erklärt mir, dass beim Weißwein jüngere Sorten bevorzugt werden, während reifere Rotweine beliebt sind. Der älteste Wein, den die Genossenschaft besitzt, stammt aus dem Jahr 1959. Er sei allerdings nicht mehr genießbar, fügt Hauber hinzu.

Laut Benjamin Braun ist das Traumwetter für ideale Weinbeeren Sonnenschein und einmal die Woche Regen. Aber „irgendwas wächst immer“, lachte der junge Winzer. 2018 sind die Trauben gut gewachsen, da der Sommer viele Sonnenstunden hergab. Wenn die Weingärtner ab und zu ihre Felder bewässern, können sie so auch die Trockenheit ausgleichen, so Hauber.

Der Weißwein, der aus den heute geernteten Trauben entsteht, wird im Februar in den Läden stehen, erklärte mir Uwe Hirschmüller, Kellermeister in der Genossenschaft. Rotwein allerdings werde erst im Sommer nächsten Jahres angeboten.

Wein getrunken wurde während der Lese nicht. Aber auf meine Frage, wie die Beeren denn schmecken, rief Herbert Collert: „Traubenlesen ohne probieren geht doch nicht!“.

Überschrift Infokasten einzeilig

Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz

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