Kreis Ludwigsburg / UWE MOLLENKOPF Dieses Wochenende wird am Oberen Berg in Hoheneck gemäht, auch woanders stehen wieder Termine an. Es geht um den Erhalt von Magerrasen im Kreis.

Hier wachsen seltene und gefährdete Pflanzenarten wie Orchideen und Silberdisteln. Eine Vielzahl von Schmetterlingen, Heuschrecken, Wildbienen oder Tagfaltern findet hier Lebensräume. Die Rede ist von den sogenannten Magerrasen, die in ökologischer Hinsicht also gar nicht mager sind.  „Mager“ sind hingegen ihre Standorte, die nähstoffarm und trocken sind sowie flachgründige Böden aufweisen. Meist befinden sie sich auf Kuppen und sonnenbeschienenen süd- bis südwestorientierten Hängen. Das ist auch der Grund, dass hier kein Ackerbau betrieben wird, sondern sich Wiesen befinden.

Dass das so bleibt, dafür sorgt der Mensch: An diesem Wochenende veranstalten die Stadt Ludwigsburg, der Bürgerverein Hoheneck und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland eine Pflegeaktion auf einer Weinbergbrache im Gewann Oberer Berg in Hoheneck. Am 24. September wird der Stromberggau des Schwäbischen Albvereins wieder am – schon im Enzkreis gelegenen – Füllmenbacher Hof aktiv. In Bietigheim nimmt im Herbst der Albverein das Gebiet Hirschberg unter seine Fittiche, in Hessigheim widmet sich die Bergwacht Unterland der alljährlichen Landschaftspflege bei den Felsengärten. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Es gehe darum, die wertvollen Flächen zu erhalten, sagt Helmut Mager aus Vaihingen, der Sprecher des Stromberggaus des Albvereins. Deswegen sei es wichtig, einmal im Jahr zu mähen, um eine Verbuschung zu verhindern. Entscheidend sei dabei auch, das Mähgut zu entfernen, denn sonst reicherten sich Nährstoffe an, und die Wiesen veränderten ihren Charakter.

Mit ihrem Artenreichtum seien Magerrasen als „Schatzkästlein“ des Artenschutzes anzusehen, erklärt dazu Dr. Andreas Fritz, der Sprecher des Landratsamtes. „Darum bemühen sich Naturschutzbehörden, Naturschutzverbände mit vielen Ehrenamtlichen und unsere Städte und Gemeinden schon seit Jahrzehnten intensiv darum, aus der Nutzung gefallene und verbuschende Magerrasen durch Pflegemaßnahmen zu erhalten.“ Unterstützung gibt’s dafür aus Landschaftspflegemitteln des Landes, über die auch Landwirte direkt mit der Pflege beauftragt werden.

So bildete beim gerade auslaufenden Projekt „Life rund ums Heckengäu“, an dem sich der Landkreis Ludwigsburg beteiligt hat, die Aufwertung von Magerrasen einen Schwerpunkt. In den letzten fünf Jahren seien 14 Hektar  Magerrasen entbuscht worden, berichtet Fritz. Bei einer Biotopkartierung wurden im Landkreis Ludwigsburg Magerrasen auf einer Gesamtfläche von rund 70 Hektar erfasst.

Doch die Arbeit auf den steilen und südexponierten Hängen ist kein Zuckerschlecken. Vor allem für ältere Vereinsmitglieder sei das sehr beschwerlich, weiß Helmut Mager. Deshalb habe der Schwäbische Albverein angesichts der Überalterung im Verein Probleme, Nachwuchs für die Pflegearbeiten zu finden. Er habe schon alles probiert, sagt Mager, aber das Interesse der Jüngeren gehe gegen null. Teilweise mussten deshalb auch schon Pflegeaktionen eingestellt werden, beispielsweise am alten Bahngraben zwischen Bietigheim und Heutingsheim.

 Immerhin: Wie den Erfahrungsberichten der Vereine zu entnehmen ist, machen die gemeinsamen Einsätze trotz schwerer Arbeit auch Spaß. Mit den Mitteln aus der Landschaftspflege könne die Pflege der Geräte finanziert werden, und die Helfer erhielten nach getaner Arbeit ein zünftiges Vesper. Ein Naturerlebnis mit schönen Ausblicken hat man obendrein.

Flächen stehen unter Schutz

Früher Beweidung Magerrasen haben sich im Landkreis Ludwigsburg durch traditionelle Grünlandnutzungen entwickelt, durch Beweidung mit Schafen und Ziegen oder sogenannte einschürige Mahd (Schnitt ein Mal pro Jahr). Im Zuge von Nutzungsaufgaben der wenig ertragreichen Standorte, Aufforstungen und intensiverer Nutzung ist die Fläche der Magerrasen stark zurückgegangen und liegt unter zehn Prozent früherer Ausdehnungen, so das Landratsamt. Magerrasen unterliegen sowohl dem Biotopschutzgesetz als auch der FFH-Richtlinie und dürfen nicht zerstört und beeinträchtigt werden. um