Gemmrigheim Eine starke Sozialgemeinschaft

Das erste Bild des Gesangvereins Eintracht Gemmrigheim entstand bei der Fahnenweihe im Jahr 1893.
Das erste Bild des Gesangvereins Eintracht Gemmrigheim entstand bei der Fahnenweihe im Jahr 1893. © Foto: Eintracht Gemmrigheim
Gemmrigheim / SUSANNE YVETTE WALTER 26.06.2013
Der 100-jährige Geburtstag des Gesangvereins Eintracht Gemmrigheim wurde vor 25 Jahren fast wie ein Volksfest gefeiert. 25 Jahre später ging es bei einer Matinee jetzt kleiner, aber fein zu: mit Gesang und einem Rückblick.

Viel Musik und ein Blick nach vorne und zurück: Zur Matinee anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Gesangvereins Eintracht Gemmrigheim am Sonntag waren auch Anita Gnann-Hass, Präsidentin des Chorverbandes Friedrich Schiller, der Gemmrigheimer Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Jörg Frauhammer und Klaus Holzwarth, Vorsitzender der Chorgemeinschaft Besigheim, gekommen. Gemeinsam gelang es ihnen zusammen mit dem Vorsitzenden Manfred Sannert und den Chören, die Geschichte des Jubiläumsvereins aufleben zu lassen und transparent zu machen.

Die Frage nach dem Warum der Chorgründung begann tatsächlich bei Michael Haydn, dem Sohn des berühmten deutschen Komponisten, selbst Musikschaffender, erläuterte Vorsitzender Manfred Sannert. "Er hat den vierstimmigen Männergesang entwickelt und seinen eigenen Chor gehabt. Diese neue Art des Männerchores verbreitete sich in alle Himmelsrichtungen, und 100 Jahre später, im Jahr 1888, kam er nach Gemmrigheim", erklärte Sannert und ergänzte: "Es gibt zwar keine schriftliche Quelle, die das genaue Gründungsjahr belegt. Wir können aber Rückschlüsse aus dem 25-jährigen und aus dem 40 -jährigen Jubiläum ziehen."

Bei der Matinee ging der Blick zurück in eine Zeit, als der Gesangverein parallel zum gemeinsamen Singen durchaus auch eine politische Funktion erfüllte. "Die politische Situation, die den Menschen durch Krieg und Fremdherrschaft eine starke Unfreiheit im politischen Handeln bescherte, bewirkte, dass viele sich auf kultureller Ebene zusammenfanden. Da war erlaubt, eine patriotische Gesinnung auszuleben und Stärke zu zeigen. Außer in der Kultur war das nur noch im Sportverein möglich", so Sannert weiter. Alte Fotos mit stolzen Sängern in Anzügen oder Uniformen legen davon noch Zeugnis ab.

Bis heute hat auch der Gesangverein Eintracht Gemmrigheim einen Wandel erlebt. Es geht hauptsächliche wieder um die Pflege und den Ausbau des Gesangs in verschiedenen Stilrichtungen. "Die Vereine, die es nicht geschafft haben, diese Entwicklung mitzumachen, sind letztlich eingegangen." In einer schnelllebigen Zeit könne der Gesangverein heute Triebkraft und Ruhezone in der Dorfgemeinschaft sein, so der Vorsitzende, der seit Jahren sein Schiff in diese Richtung zu lenken versucht. "Vom Bodenzentrum bis zur Therapie in geselliger Runde - dem Verein kommen heute eine Menge Sozialaufgaben zu."

Der Gesangverein Eintracht Gemmrigheim bietet deshalb für jede Generation etwas: zwei Kinderchöre, einen für die Vier- bis Siebenjährigen, einen für die Acht- bis 13-Jährigen, einen Jugendchor ab 14 Jahre, den jungen Chor "Chor-So" und den gemischten Chor. Die Kinderchöre wurden in den 70er-Jahren gegründet. Der Chor-So auch. Wegen des Überangebots an Möglichkeiten in der Freizeit gingen die Teilnehmerzahlen zurück. Anfangs hatte der Kinderchor rund 70 Kinder. Heute sind es pro Chor noch zehn oder 15, erläuterte Sannert. Beide Kinderchöre und den Jugendchor haben Ilia Haag und Petra Burger unter ihren Fittichen. Weil die Kinderzahlen schrumpfen, hat der Verein jetzt Kontakt zu den Kindergärten gesucht, um dort mit Vorschülern ein gemeinsames Projekt zu starten.

Auch in den Kinder- und Jugendchören gibt es Stimmbildung, Atemübungen und Koordinationsübungen für das musikalische Gedächtnis. Die Bewegungen des Körpers werden trainiert, die englische Sprache geschult, betonte der Vorsitzende. Das stärke die Stimme, das Gedächtnis und die innere Ausgeglichenheit.

Im gemischten Chor geht man bewusst die traditionsreichen Wege weiter und vertieft sich in alte deutsche Literatur. Der junge Chor Chor-So hat seit Juni 2013 einen neuen Chorleiter. Eric Fichtler heißt er und kommt aus dem Welzheimer Wald. Er hat ein eigenes Musikstudio und bringt sehr viel Erfahrung mit im Chorgesang.

Auch die Präsidentin des Chorverbandes Anita Gnann-Hass singt im gemischten Chor mit. Die Kooperation mit Besigheim erweist sich als sehr fruchtbar. Für die Gemeinschaft der örtlichen Vereine sprach Rose Schweiker, die Vorsitzende des VfL Gemmrigheim, und betonte das gute Verhältnis der Vereine untereinander. Geehrt wurden hier die Aktiven wie Wirtschaftsführer Rainer Kraft und Schatzmeisterin Conny Oppermann.

Kooperation mit gemischtem Chor in Besigheim
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