Bietigheim-Bissingen/Besigheim Eine saubere Stadt kostet viel Arbeit

BZ-Leser Horst Messerschmidt ist bei seinem Morgenspazierung, der ihn an der Bietigheimer Eselshütte vorbeiführt, entsetzt: Müll und “zwei kaputte Alkoholflaschen pro Quadratmeter“ sind für ihn „einfach eine Schande“.
BZ-Leser Horst Messerschmidt ist bei seinem Morgenspazierung, der ihn an der Bietigheimer Eselshütte vorbeiführt, entsetzt: Müll und “zwei kaputte Alkoholflaschen pro Quadratmeter“ sind für ihn „einfach eine Schande“. © Foto: Horst Messerschmidt
Von der BZ-Redaktion 17.05.2018

Jetzt, wo der Sommer naht, rückt ein leidiges Problem wieder in den Vordergrund: der Müll an öffentlichen Plätzen. Wo Menschen sich zum Grillen oder Feiern treffen, wo Jugendliche am Nachmittag oder Abend abhängen, da bleiben Verpackungen, leere Bier- und Colaflaschen und Zigarettenkippen zurück, ob in Besigheim an der Enz oder in Bietigheim im Bürgergarten. Auch im Umfeld mancher Eisdiele reichen die Papierkörbe nicht mehr aus, um die leeren Becher aufzunehmen. Wenn es den Verursachern nicht die Mühe wert ist, ihren eigenen Müll zu entsorgen, sind die Städte gefordert, wollen sie nicht akzeptieren, dass die öffentlichen Plätze unansehnlich sind und vernachlässigt scheinen.

Ausgelastete Bauhöfe

Die Stadt Besigheim hat daraus jetzt die Konsequenz gezogen, die Entfernung des Mülls in private Hände zu geben. Entzündet hatte sich die Diskussion im Gemeinderat zuletzt an dem Bild, das die neuen Enzterrassen vor allem nach dem Wochenende abgaben. Die Stadt hat an den Wochentagen einen Mitarbeiter im Einsatz, der mit der Reinigung öffentlicher Plätze betraut ist, sagte Sabine Keller, die Leiterin des Ordnungsamtes, bei dieser Gelegenheit auf Nachfrage der BZ. An Wochenenden oder an Feiertagen jedoch fehlt es an Kapazität. „Der Bauhof ist ausgelastet“, betonte Bürgermeister Steffen Bühler mehrfach. Und Appelle an die Verursacher, häufig Bürger der Stadt? „Die helfen nicht“, sagte Bühler. Mehr Mülleimer aufzustellen, hält Bühler ebenfalls nicht für ein Heilmittel. Das verleite manchen dazu, den Hausmüll illegal dort abzulagern.

Ein Jahr lang wird die Stadt vorerst den Auftrag vergeben, um Erfahrungen zu sammeln, welche Mengen anfallen. Sie rechnet mit jährlichen Kosten von etwa 9000 Euro. Schwerpunkte sind unter anderem die Enzterrassen, der Parkplatz am kleinen Neckerle, der Bahnhof und die Weinkanzel am Niedernberg, wo von Zeit zu Zeit offensichtlich Partys gefeiert werden.

In Bietigheim-Bissingen sieht Roswitha Ott, Leiterin der Bauhof und Stadtgärtnerei, die Notwendigkeit eines externen Reinigungsdienstes noch nicht. „Wir können natürlich nicht jeden Tag überall sein, aber wir haben es noch im Griff“, sagt Ott. Obwohl sieben Bauhofmitarbeiter täglich mit der Reinigung der Stadt beschäftigt sind. Diese Mitarbeiter seien mit zwei großen Kehrmaschinen für die Straße und den Gehweg unterwegs sowie mit kleineren Maschinen. Zudem seien auch die Gärtner angehalten, die Stadt sauber zu halten, sagt Ott. „Das ist ein wichtiger Bereich meines Jobs: die Stadt schön halten für Bürger und Besucher.“

Dennoch betont sie auch, dass die Menge an Müll – sei es an Spielplätzen, der Eselshütte oder auch im Bürgergarten – stetig steige. „Wir haben im Jahr 200 Tonnen an Müll gesammelt“, sagt die Bauhofsleiterin. An der Eselshütte war letztes Wochenende ebenfalls viel los. Hier sammelten die Bauhofmitarbeiter gar ein komplettes Reinigungsfahrzeug voll mit Müll. „Da standen noch komplette Grills rum“, sagt Ott, obwohl hier mehrere Abfallbehälter stehen. Dass Vögel sich am Müll zu schaffen machen und ihn aus den Tonnen klauen und wieder verteilen, halte sich in Bietigheim in Grenzen.

Kritik der Bürger, die Stadt mache zu wenig, nehme sie Ernst. Doch: „Ich weiß wie viel meine Mitarbeiter machen, um die Stadt sauber zu halten“, sagt Ott. Dennoch betont sie, dass sie froh darüber ist, dass sich die Bürger beim Bauhof melden, wenn ihnen etwas auffalle.

Auch Stadtsprecherin Anette Hochmuth betont, dass Fehlverhalten nicht immer verhindert werden könne. Beispielsweise am Spielplatz an der Metterzimmerer Straße, der regelmäßig als Grillplatz missbraucht werde. „Das ist kein Grill-, sondern ein reiner Spielplatz“, sagt Hochmuth. Nicht jeder halte sich daran und dementsprechend sei auch die Müllsituation. Im Bürgergarten sehe die Situation ähnlich aus. Beim Spaziergang mit seiner Tochter, trat ein BZ-Leser erst in Hundekot und fand dann im Gras eine Messerklinge.

Nicht nur die Stadt versucht, dem Müll Herr zu werden, sondern auch die Bürger und Vereine der Stadt. Der Verein „Saubere Stadt“ behüme sich bereits seit rund 18 Jahren darum, Bietigheim-Bissingen von Müll und Graffiti zu befreien. Der Angelsportverein hat erst im März Enz und Metter in seiner jährliche Gewässerputzete vom Müll befreit. Zahlreiche gefüllten blauen Säcke sowie ein Fahrrad war das Ergebnis.

In Sachsenheim ist vor allem die Vermüllung des Waldes ein Problem

Auch in Sachsenheim sammeln die Bauhofmitarbeiter täglich Müll von Plätzen ein. Hotspots sind vornehmlich in Großsachsenheim: am Bahnhof und beim Schulzentrum, wo sich regelmäßig Gruppen aufhalten. „Eine Zeit lang war es am Friedhof schlimm, dort ist es aktuell etwas besser“, sagt Stadtsprecherin Nicole Raichle und fügt an: „Wir können nicht beziffern, wie viel es ist.“

Das größere Problem der Flächenstadt mit ihren 1200 Hektar Wald ist aber ein anderes: „Der Bauhof hat es täglich mit illegalem Müll zu tun“, betont Raichle, vor allem im Wald. So lag beispielsweise am 1. Mai plötzlich eine größere Anzahl an Matratzen nahe der Grillhütte in Hohenhaslach. Immer wieder seien auch größere Mengen Bauschutt zu finden. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, bedauert die Sprecherin. „Vom 1. Januar bis zum 15. Mai hat uns das 2500 Euro an Personalkosten beschert“, meint Raichle.

Die Entsorgungskosten kommen obendrauf. Die übernimmt die Abfallverwertungsgesellschaft Ludwigsburg (AVL) für die Kommunen. Die AVL liefert bei Bedarf Container, genannt Mulden, an die örtlichen Bauhöfe und holt diese gefüllt wieder ab. Pro Jahr sammeln AVL und Bauhöfe zirka 250 bis 300 Tonnen illegal abgelagerten Müll ein“, berichtet der AVL-Sprecher Markus Klohr. Das mache rund 0,1 Prozent der Gesamtmenge aus. Allein für die Logistik, sprich Einsammeln und Transport, fielen jährliche Kosten von rund 40 000 Euro an. Klohr betont, dass denen, die erwischt werden, ein empfindliches Bußgeld“ drohe – im Extremfall bis zu einer vierstelligen Summe, wenn zusätzlich Verstöße gegen Umweltvorschriften vorliegen. Die AVL bittet, Bürger, die etwas beobachten, sich bei der AVL-Servicenummer, (07141) 1 44 28 28, zu melden. „Das ist kein Verpfeifen, sondern dient dem Wohle der Allgemeinheit“, betont Klohr. msc

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel