Konzert Eine Horrorshow mit Alice Cooper

Ludwigsburg / Andreas Eberle 27.11.2017

Eine drei Meter große Frankenstein-Puppe wandelt wie ein Zombie über die Bühne, ein Sensenmann und eine Gestalt mit Gasmaske schieben eine Guillotine herein, wenig später fällt das Beil, und es rollt ein Kopf. Der blanke Horror. Und inmitten dieses schaurigen Spektakels steht ein dunkel gekleideter Mann mit schwarz umrandeten Augen und faltigem Gesicht: Altmeister Alice Cooper zelebriert wie in alten Zeiten seine persönliche Rocky Horror Picture Show.

Der Rockstar aus Detroit, der im Februar 70 Jahre alt wird, füllt auf seiner internationalen Tour wie gehabt die Hallen. 4000 Fans nimmt er am Samstagabend in der ausverkauften Ludwigsburger MHP-Arena mit in seine skurrile Phantasie-Welt. Das Bühnenbild und die Requisiten würden jede Geisterbahn und jede Halloween-Party aufpeppen. Puppen- und Totenköpfe, Schlachtermesser und Kunstblut, Zwangsjacke und Guillotine– willkommen in Alice Coopers Gruselkosmos.

Das Beste aber ist: Der Sänger hat noch immer die Gabe, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Musikalisch trifft er beim 90-Minuten-Auftritt in Ludwigsburg fast jeden Ton. Klassiker wie „No more Mister Nice Guy“, „Under my Wheels“ oder „Department of Youth“ klingen tatsächlich so wie auf den alten Kassetten oder Platten, die sich die Fans damals in den 70er- und 80er-Jahren gekauft haben. Ein Höhepunkt ist natürlich „Poison“, sein größter kommerzieller Erfolg aus dem Jahr 1989. Da leuchten im prall gefüllten Innenraum besonders viele Handy-Displays beim Mitfilmen, wirklich jeder in der Arena kennt den Text auswendig und singt mit.

Die Horrorshow ist gespickt mit Spezialeffekten. Bei „Billion Dollar Babies“ verteilt Cooper Dollarnoten, die er auf einem Degen aufgespießt hat. Wie bei seinen Konzerten üblich verliert er am Ende seinen Kopf – die Henker kennen bei „I love the Dead“ keine Gnade mit dem Schockrocker. Bei „Feed my Frankenstein“ taucht aus dem Nebel und umrahmt von Feuerwerk ein Mega-„Frankenstein“ auf, der Boris Karloff aus dem einschlägigen Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1931 verdächtig ähnlich sieht. Coopers Tochter Sheryl macht ebenfalls eine gute Figur. Sie tritt mal als aufziehbare Ballerina-Puppe, mal als fesche Krankenschwester im Fetisch-Kostüm auf und stellt bei waghalsigen Aktionen ihre Gelenkigkeit zur Schau.

Ein Meister der Verkleidung

Nach jeder Nummer wechselt Alice Cooper das Outfit und sticht mit dieser Frequenz selbst Pop­ikonen wie Madonna oder Lady Gaga aus. Ständig öffnet sich die große rosa Kiste im Hintergrund, und eine Assistentin reicht ihm eine neue Weste, einen Frack, einen Umhang, einen Zylinder oder einen Gehstock. Letzteren hat der quietschfidele 69-Jährige freilich noch nicht nötig, auch wenn er kurz einmal mit seinem Alter kokettiert und wie ein alter Opa in gebückter Haltung über die Bühne kriecht.

Eine Schulglocke läutet grell den fulminanten Konzertabschluss ein: Alice Cooper verabschiedet seine Fans mit dem legendären „Schools out“ in die Nacht, während Seifenblasen und riesige, mit Konfetti gefüllte, Ballons durch die Halle fliegen – und dann auch zerplatzen. „I’m 18“ singt der Gruselrocker in seinem vorletzten Stück. Wenn er noch weitere zehn Jahre so durchhält wie am Samstag, kann er sein Lied guten Gewissens umdichten – in „I’m eighty“. Eine schaurig-schöne Vorstellung.

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