Ingersheim Eine Freundschaft mit Lockenwickler und Crémant

Petra Neset-Ruppert 21.01.2019

Die Elsässer und die Schwaben sind nicht die Selben, obwohl sie gleich schnattern“, sagte Mathieu Thomann, Bürgermeister der Partnergemeinde Ingersheim im Elsass. Am Samstag stand der Ingersheimer Neujahrsempfang ganz im Zeichen des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft. Bürger aus beiden Gemeinden feierten gemeinsam ihre Freundschaft mit Bildern, Interviews und Ehrungen.

„Wir haben heute ein Programm zusammengestellt, dass die Menschen in den Vordergrund stellt und zeigt, wie die Partnerschaft entstanden ist und sich entwickelt. Ganz im Sinne des französischen Sprichworts: Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber die Menschen“, begrüßte Bürgermeister Volker Godel die Gäste. Gemeinsam mit Winfried Cramer, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees, führte Godel durch den bunten Abend.

Starkes Europa

Thomann betonte in seiner Rede, dass man heute sehr auf ein starkes Europa angewiesen sei. Voll Optimismus habe er nach der Einführung des Euros auf eine wirtschaftliche und politische Einheit in Europa gehofft. „Aber politisch ist Europa ein Zwerg. Wir müssen uns zukünftig verteidigen können, denn mit den Despoten dieser Welt kann man nicht verhandeln“, mahnte der Elsässer. Umso schöner sei es, dass die Partnerschaft bis heute so vielseitig sei. „Als ich 1997 mit Bürgermeister Cronenberger das erste Mal nach Ingersheim kam, sagte Cronenberger: ,Schau mal, hier hat es überall Reben. Wo es Reben gibt, gibt es Wein, das müssen tolle Leute sein‘“, erzählte Thomann. Dr. Eileen Keller vom Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg erklärte in ihrem Vortrag: „20 Jahre, das ist schon eine lange Zeit. Ihre Partnerschaft ist ein wichtiger Beitrag, um den Kontinent nach der kriegerischen Vergangenheit zu befrieden.“ Die kommunalen Partnerschaften benötige man heute mehr denn je. „Dabei geht es darum, sich kennenzulernen, über Stereotypen zu lachen und nicht auf einfache Propaganda hereinzufallen“, so Keller.

Wie gut man sich im Laufe der Jahre kennen- und schätzen gelernt hat, erzählten mehrere Ingersheimer Wegbegleiter der Partnerschaft. Gérard Cronenberger, Altbürgermeister des französischen Ingersheim, blickte auf die Geschichte zurück: „Diese Annäherung hat uns den Horizont geöffnet, um zu der Einsicht zu gelangen, was wir sein möchten in Europa“, so Cronenenberger.

Dass die Partnerschaft sich auch durch gemeinsame Erlebnisse auszeichnet, konnte auf deutscher Seite Ingrid Maier, Frau des Ingersheimer Altbürgermeisters Martin Maier, zu berichten. Bei einem Besuch der französischen Freunde in Deutschland sei man auf dem Rückweg auf einer Weinwanderung in ein schweres Gewitter geraten und kam völlig durchnässt im Maier‘schen Heim an. „Wir mussten erst einmal duschen und uns aufwärmen. Dann saßen Frau Thomann und ich gemeinsam mit Lockenwickler im Haar im Wohnzimmer und haben uns angelacht“, erinnerte sich Maier.

Der frühere Ingersheimer Pfarrer Michael Harr erzählte, dass er bei einem Ausflug mit deutschen Jugendlichen zu einem Denkmal für Gefallene freudig feststellen durfte, dass die alte Feindschaft der beiden Länder keinerlei Bedeutung mehr für die junge Generation habe. „Als mich ein Jugendlicher fragte, weshalb man sich denn nicht mit den Franzosen verstehen solle, freute ich mich sehr“, so Harr.

Großes Engagement

Für ihr Engagement für die Städtepartnerschaft wurden an diesem Abend zehn Besucher aus dem Elsass und eine Bürgerin aus dem deutschen Ingersheim geehrte. Im Anschluss wurde dann das umgesetzt, was die Partnerschaft auszeichnet: Persönliche Begegnungen und Gespräche, standesgemäß bei einem guten Glas Crémant aus dem Elsass.

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